Der Transfer von Maximilian Wöber zu Red Bull Salzburg spaltet die Fußball-Fans. Die einen befürworten den Wechsel des Ex-Rapidlers, die anderen haben aber wenig Verständnis. Auch bei uns in der Redaktion gibt es zu vielen Themen immer unterschiedliche Meinungen und auch ziemlich heiße Diskussionen – so auch beim Wöber-Wechel. Zwei Redakteure, zwei Meinungen – der 12terMann-Redaktionswickel.


Matthias / PRO:
Maximilian Wöber wechselt also für kolportierte 12 Millionen Euro zum FC Red Bull Salzburg. Der Wechsel schlägt ob der Vergangenheit des Innenverteidigers vor allem bei den Anhängern von Rapid Wien große Wellen.
Blendet man alle Sentimentalitäten aus ist im Hinblick auf die Karriere des 21-jährigen Wöber der Schritt nach Salzburg aber durchaus verständlich. Im Jahr 2017 wechselte er von Rapid zu Ajax Amsterdam, zuletzt war der Nationalspieler beim FC Sevilla aktiv. Also sehr gute Adressen für einen jungen Spieler. Doch in der abgelaufenen Saison kam der rasante Aufstieg ins Stocken. Nur 6 Ligaspiele über 90 Minuten und eine Meniskusverletzung sind die Bilanz der Saison 2018/19. Und bei den Planungen des neuen Trainerteams bei Sevilla dürfte Wöber aktuell keine große Rolle spielen.
Darum ist der Schritt nach Salzburg absolut verständlich und legitim. Um sich wieder in die Auslage spielen zu können gibt es in Österreich sicher keine bessere Möglichkeit als den Serienmeister aus der Mozartstadt. Und vor allem: Salzburg ist im internationalen Geschäft dabei. Mit Auftritten in der Champions oder Europa League schafft man es leichter auf die Notizzettel von Scouts als wenn man in der österreichischen Bundesliga gegen Hartberg oder Wattens spielt. Bei Rapid hätte Wöber die Chance auf Europacupspiele frühestens in einem Jahr.

Wie heißt es so treffend: „Jeder ist sich selbst der Nächste!“ Wenn Maximilian Wöber seine Karriere weiter vorantreiben will, dann kann er auf die persönlichen Verbindlichkeiten von Fangruppen keine Rücksicht nehmen. Das wäre zwar für Fußballromantiker eine schöne Vorstellung, im beinharten Fußballbusiness ist das aber leider oft nur ein Traum. Da lässt Wöber sich lieber ein paar Spiele vom Block West auspfeifen und wird versuchen, sich möglichst rasch wieder für einen Transfer ins Ausland zu empfehlen, das Talent dazu ist auf alle Fälle vorhanden.
Die Salzburger haben in den letzten Jahren regelmäßig junge Spieler entwickelt die von den Bullen den Sprung ins Ausland geschafft haben. Die Hoffnung, das Salzburg nur eine Zwischenstation auf dem weiteren Weg nach Oben ist, wird auch Maximilian Wöber haben.

David/CONTRA:
Also aus sportlicher Sicht verstehe auch ich den Wechsel teilweise. Er wechselt in sein Heimatland und das zu einem Verein, der ihm neben einer lukrativen Gage auch eine Titelgarantie und die Champions League-Gruppenphase bietet. Andererseits denke ich mir, dass ein 21-jähriges Innenverteidiger-Talent, das von Ajax und Sevilla kommt, auch zum Beispiel in der deutschen Bundesliga Fuß fassen könnte. Muss es denn wirklich Red Bull Salzburg sein?
Denn aus emotionaler Sicht und aus Fan-Sicht ist die Enttäuschung groß. Max hat seine ersten Schritte im Profifußball bei Rapid gemacht, hat Rapid viel zu verdanken und war oder ist auch ein großer Fan der Hütteldorfer – das hat er auch zB bei Instagram offen gezeigt. Im Mai soll er noch im Cupfinale gegen Salzburg (!) in der Fankurve gestanden sein, Ende Mai hat er bei „seinem“ Rapid mittrainieren dürfen und hat sich nach seiner Verletzung fit gehalten – und jetzt plötzlich wechselt er zu einem der größten Rivalen der Rapidler? Obwohl er Mai noch selbst im Stadion Rapid gegen diesen Rivalen angefeuert hat?
Also falls es zu Pfiffen gegen Wöber kommt, dann sollte es allen klar sein, dass ein Zeichen von Enttäuschung der Fans ist.

Ich war bei seinen Vertragsgesprächen natürlich nicht dabei, und weiß nicht inwiefern RB Salzburg die beste und einzige Lösung für seine Karriere war, aber warum muss man immer mit dem Argument „Es ist seine Entscheidung“ daherkommen? Warum muss es immer heißen, dass es um den Spieler geht und es ist seine Sache? Natürlich ist es sein Leben und seine Entscheidung muss ihn glücklich machen – aber ich frage auch: Warum gibt sich der Spieler so lange als großer Fan dieses Vereins aus? Steht im Block, trainiert mit der Mannschaft mit, obwohl er bei Sevilla unter Vertrag steht – und warum gibt er den Rapid-Fans das Gefühl, dass der Verein etwas ganz besonderes für ihn ist? Um drei Monate später die Fans zu enttäuschen und zu einem großen Rivalen zu wechseln? Und wenns Piffe gibt, dann sind wieder die Fans die Bösen, die eigentlich Woche für Woche die Mannschaft unterstützen und hoffen, dass sich die Spieler mit dem Verein identifizieren können – und dann so enttäuscht werden. Können die Fans in Zukunft eigentlich noch jungen Spielern das dann echt abkaufen, wenn sie sich mit dem Verein identifizieren? Oder ist das Vertrauen auch bald Geschichte und damit auch in Österreich schön langsam das Ende dieser Fußball-Romantik?
Ich dachte mir noch im Mai: Leiwand, der Bursche reist von Sevilla nach Klagenfurt zum Cupfinale und unterstützt Rapid – erfrischend in Zeiten von China-Transfers und unmenschlich hohen Ablösesummen. Aber auf die Erfrischung folgt die Ernüchternung. Sportlich ist Wöber für den österreichischen Fußball nur das Beste zu wünschen – aber etwas schade, dass der Weg nach Ajax und Sevilla jetzt zu Red Bull Salzburg führt.

Ich frage mich ja auch, wie man als Red Bull-Fan zu diesem Transfer steht? Kurz gesagt: Das ist ein Spieler, der vor drei Monaten noch in der Fankurve des Rivalen gestanden ist –  im Spiel gegen RB Salzburg. Also wenn die Fanszene in Salzburg nur etwas von Leidenschaft und Identifikation mit dem Verein hält, dann hat dieser Transfer auch für sie einen bitteren Beigeschmack.

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One thought on “Redaktionswickel #1: Transfer Max Wöber – Pro und Contra

  • Avatar
    15. August 2019 at 14:44
    Permalink

    Also wenn ich des richtig verstehe is das einzige contra argument sein Besuch in der fankurve am Pokal Finale… Also da überzeugen mich die Pro Argumente schon noch mehr. Ebenfalls finde ich es fragwürdig ihn in die Bundesliga nach Deutschland zu wünschen… Es sollte als Bereicherung der heimischen Liga interpretiert werden…

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