Der provisorische Fernsehturm in Mattersburg steht still, die Wiese hinter dem Tor bleibt leer. Einzig der Zug sorgt für etwas Atmosphäre, wenn er über das Mattersburger Viadukt im Hintergrund des Pappelstadions fährt. Denn Profifußball wird es im Burgenland nicht mehr geben. Der SV Mattersburg gibt die Bundesliga-Lizenz zurück und stellt einen Konkursantrag. Profiteure dieser Aktion? Die WSG Tirol. Denn sie bleibt in der Bundesliga. Mit Glück und viel Bauchweh.

UPDATE: In der Erstversion war von einem Budget von 7 Millionen Euro die Rede. Hier ist uns ein Fehler unterlaufen, da es sich dabei um das damalige Budget handelt, wenn die WSG Tirol in Wattens geblieben wäre. Da sie im Tivoli spielen, hat sich das Budget laut APA vom 5.6.2019 auf 5,7 Millionen verändert. Dieser Fehler ist nicht unser Anspruch und wir möchten uns dafür entschuldigen.


WSG-Sportdirektor Stefan Köck gab dem ORF ein Interview und ließ Folgendes verlautbaren: “Es gehören zu dieser Bundesliga-Geschichte zwei Faktoren, der sportliche und der wirtschaftliche. Wir haben wirtschaftlich sehr ordentlich gearbeitet, Mattersburg anscheinend nicht. Deshalb nützen wir und freuen uns auf die zweite Chance.”

Wie schon bekannt, führte der Bilanzskandal der Commerzialbank zum Konkurs des SV Mattersburg. Wer im Verein von den gefälschten Sponsoringverträgen wusste, kann nur gemutmaßt werden. Wer es jedoch sehr wahrscheinlich nicht gewusst hat, sind die Spieler, der Platzwart, die Kantinen-Mitarbeiter etc. Diese Leute sind die Seele des Vereins und haben dafür gesorgt, dass er für Jahre dort gestanden ist, wo er stand. Dem ganzen Verein und somit auch diesen Leuten vorzuwerfen, dass sie nicht wirtschaftlich ordentlich gearbeitet haben, ist für einen Verein, der einen riesigen Schmuck- und Kristallhersteller im Hintergrund aufzuweisen hat, eine sehr einfache Ausrede. 

In seiner ersten Saison konnte Wattens, oder wie es offiziell richtig heißt, WSG Tirol, ein Budget von 5,7 Millionen Euro aufweisen. Trotzdem schaffte man es nicht die Klasse zu halten. Im Vergleich: Der TSV Hartberg hatte für die Saison 2019/20 ein Budget von 4,3 Millionen, mit dem der Sprung in die Europa League gelang. Im Zitat von Sportdirektor Köck ist aber eh nur die Rede von einer guten wirtschaftlichen Arbeit.

Hätten sie sportlich gut gearbeitet, hätte nicht nur der Tabellenrang für die neue Saison gepasst, sondern womöglich auch eine nachhaltige Kaderplanung. Die Tiroler hatten mit 28,4 Jahren das höchste Durchschnittsalter aller Bundesliga-Mannschaften. Man wolle ein Verein für ganz Tirol sein, lautete der Tenor bei der Namensänderung und der Umsiedelung ins Innsbrucker Tivoli. “Bist a Tiroler, bist a Mensch”, heißt es bekanntlich aus dem alpinen Bundesland. Geklappt hat das Unterfangen eher weniger bis gar nicht. Wenn die Identität nicht stimmt und kein ansehnlicher Fußball gespielt wird, kann jeder Hobbyverein den Bundesland-Namen annehmen und dabei hoffen, den Rückhalt der Fußball-Fans des Landes zu bekommen. Ausführung aber eher mangelhaft.

Ein WSG Tirol war auf dem letzten Platz in der Bundesliga, was den Abstieg bedeutet. Nun hat der Verein eine zweite Chance bekommen. Wirtschaftlich also gut gearbeitet, sportlich eher weniger. 

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