Yusuf Demir kehrt nach einem halben Jahr beim FC Barcelona zum SK Rapid Wien zurück. Die Bilanz: Neun Pflichtspiel-Einsätze, null Tore, null Assists. Dennoch traf das junge Talent im Sommer 2021 mit seinem Wechsel nach Spanien die richtige Entscheidung.


Yusuf Demir gilt aktuell wohl als heißeste Transferaktie mit österreichischem Pass. Medienberichten zufolge löste der FC Barcelona die Leihe mit Rapid Wien auf, Demir kehrt also wieder in seine Heimatstadt zurück. Manch einer würde sagen, es sei die Rückkehr des „verlorenen Sohnes“ – doch Demir war ganz und gar nie verloren.

Ursprünglich war der Offensivspieler für die zweite Mannschaft von „Blaugrana“ eingeplant. In der Vorbereitung konnte Demir unter Ronald Koeman aber einen guten Eindruck hinterlassen. Er traf unter anderem im Testspiel gegen den VfB Stuttgart. „Ein Traum, der wahr wird“, bekräftigte Demir nach dem Torerfolg seinen Wechsel nach Katalonien.

Von einem Transfer zum großen FC Barcelona, davon können viele junge Talente tatsächlich nur träumen. Demir hat sich seinen Wunsch erfüllt und die Erwartungen sogar übertroffen. Dass er den vierfachen Champions-League-Sieger in seiner Vita stehen hat, das kann ihm keiner mehr nehmen. Und nicht viele österreichische Kicker können von sich behaupten, mit Spielern wie Gerard Piqué oder Sergio Busquets auf dem Platz gestanden zu sein. Auch von den Top-Trainern Koeman und Xavi hat Demir sicherlich einiges mitgenommen, auch wenn er unter letzterem nicht mehr die große Rolle spielte.

Vielleicht wäre es ja etwas mit einem längerfristigen Verbleib geworden, hätte er im Königsklassen-Duell Ende November gegen Benfica Lissabon den Ball nicht ans Metall, sondern in den Winkel geschlenzt.

Auch für den österreichischen Fußball im Allgemeinen ist der Transfer ein Gewinn. Er zeigt jungen, aufstrebenden Spielern, dass man auch aus dem vermeintlich kleinen Österreich in eine Top-Liga zu einem Weltklasse-Verein wechseln kann. Und dabei muss man nicht zwingend beim Krösus aus Salzburg unter Vertrag stehen. Eine Umorientierung in der Jugend – mit einem frühen Wechsel ins Ausland – ist also nicht zwingend notwendig. Vor allem sind daran leider bereits viele Spieler gescheitert.

Auch der SK Rapid kann sich mit dem Transfer rühmen. Mit dem Wechsel von Philipp Lienhart in die Jugend von Real Madrid wurde bereits unter Beweis gestellt, dass die Hütteldorfer Talenteschmiede nicht nur am laufen ist, sondern auch Früchte trägt. Auch im aktuellen Kader stehen unter anderem mit Leo Greiml und Martin Moormann zwei vielversprechende Talente, die schon einige Jahre in Grün-Weiß spielen.

Durch das Transfer-Hickhack Ende Dezember bekommt der Demir-Wechsel möglicherweise einen fahlen Beigeschmack. Zu Unrecht – die positiven Seiten für den SK Rapid und Yusuf Demir überwiegen, auch wenn das “Transfer-Kapitel” wohl noch nicht endgültig geschlossen werden kann. In den vergangenen Wochen gab jedoch einzig der FC Barcelona mit seiner schiefen finanziellen Lage und gleichzeitiger Verkündung von zukünftigen Millionen-Transfers ein krummes Bild ab.