Derzeit läuft es beim SK Sturm Graz nicht rund. Nach der 1:2 Niederlage gegen den WAC und dem 0:4-Niederlage in Hütteldorf bei Rapid kamen die Steirer gegen RB Salzburg mit 1:5 komplett unter die Räder. Freilich ist verlieren keine Schande, auch wenn es dem Ehrgeiz gebietet, das nicht offen zuzugeben. Wie man verliert, darüber darf jedoch auch in der Öffentlichkeit gerne gestritten werden. Derzeit verliert der SK Sturm sang- und klanglos und das nicht etwa wegen der Abstinenz der Stimmungsmacher in den heimischen Stadien, sondern vielmehr aufgrund der eigenen Tonangeber.


Dirigent Nestor El Maestro vermittelt den Eindruck eines übermotivierten, wenn auch schnell gereizten Hasardeurs, der statt dringend benötigter ruhiger Melodie mit der Blaskapelle in die Kabine und vor die Medien prescht. Der vom Serben vorgegebene Takt scheint für die Qualität des Kaders unangemessen schnell und rhythmisch nicht im Einklang zu sein. 

Hier offenbart sich bereits das nächste Problem. Einstige Klasse von Thorsten Röcher, der in der Cupsieger-Saison noch zu den Tonangebern zählte, sowie von anderen Leistungsträgern ist mittlerweile vollkommen verstummt. Neben einem eklatanten, beinah beängstigenden Formtief fehlt die Bereitschaft vieler erprobter Spieler sich wieder in den Rhythmus zurück zu kämpfen. Lustloses und teils planloses Dahingetrabe erinnern mehr an ein Sitzorchester als eine Bundesligatruppe. Jegliche musikalischen Analogien zwischen dem Nachnamen des Bullen-Coaches und der aktuell beneidenswerten Performance der Salzburger bilden zudem das perfekte Gegenstück der Metapher.

 

Neben fehlendem Einsatz und verfehlter Dirigentenbesetzung will nun zumindest der Kapellmeister hart durchgreifen. Sportgeschäftsführer Andreas Schicker hatte seinem Team noch vor der Salzburg-Partie zwei Spiele Bewährung zugesichert. Teil eins der letzten Chance wurde nun ordentlich vergeigt. An welchen Reglern inmitten der Saison gedreht werden kann, um noch einmal in das sportliche Metronom einzuschlagen, wird sicherlich zu hinterfragen sein. Bisweilen bleibt die Erkenntnis: grenzenlose Überforderung in der Defensive, heillose Ideenlosigkeit in der Offensive und plumpes Spiel im Halbfeld verspricht ähnlich heitere Stunden in Liebenau, wie ein Auftritt von Andreas Gabalier mit Metallica.