Im Leben des Sturm Graz-Profi Ivan Ljubic hat sich in den letzten zwölf Monaten so einiges getan. In einem exklusiven Interview steht er uns Rede und Antwort zur U21-EM in Italien, zur diesjährigen Saison und zur Corona-Krise.


Zu Beginn eine ganz banale Frage: Wie geht es dir in dieser ungewissen Zeit?

Mir geht’s im Allgemeinen gut. Ich bin zu Hause in Wien bei der Familie und wir sind alle fit und gesund, was auch das Wichtigste in dieser schwierigen Zeit ist.

Nahezu alle Fußballprofis bekommen in der Corona-Pause ein Heimprogramm. Wie schaut so ein gewöhnlicher Tag bei dir im „Home-Office“ aus? Was für Übungen machst du da genau?

Genau, wir haben von dem Trainer/Fitnesstrainer ein Heimprogramm bekommen. Das schaut so aus, dass wir in der Woche ca. vier bis fünf Läufe haben. Dabei unterscheiden sich die Läufe voneinander: Ein ungefähr 45-minütiger Dauerlauf, ein Intervalllauf und dann noch Lauf mit vielen Sprints. Daneben erhielten wir ebenfalls Pläne für Krafteinheiten für z.B. den Oberkörper, den Rumpf oder die Beine. Der Tag beginnt hier meistens mit Dehnungs- und Mobilisierungsübungen, gefolgt von der Arbeit mit der Blackroll. Anschließend erfolgt dann die Laufeinheit, bevor ich am Nachmittag die Krafteinheit absolviere.

Vermisst du den Trainingsalltag mit der Mannschaft?

Ja, natürlich. Man ist es gewohnt jeden Tag zum Training zu gehen und mit den Burschen zu trainieren. Wenn das einem weggenommen wird, fühlt sich das normalerweise komisch an. Deshalb freut man sich, wenn man hoffentlich bald wieder am Platz stehen und trainieren kann.

Du stehst mit dem SK Puntigamer Sturm Graz nach dem Grunddurchgang auf dem fünften Platz, drei Punkte hinter RZ Pellets Wolfsberg nach der Punkteteilung. Bist du zufrieden mit dem Abschneiden im Grunddurchgang oder hätte es ein wenig besser gehen können?

Es hätte auf jeden Fall besser laufen können. Wir haben bei mehreren Spielen sicher Punkte liegen gelassen, wo auf jeden Fall mehr drinnen gewesen wäre, vor allem bei den Heimspielen. Jedoch sind die drei Punkte auf Wolfsberg durchaus aufholbar, was allerdings nicht so leicht sein wird. In der Meistergruppe gibt es zehn Spiele gegen die fünf stärksten Mannschaften, was es nicht gerade leicht macht, Punkte auf die vorderen Plätze gut zu machen.

Was wäre euer Ziel für die Meisterrunde?

Wie jeder weiß qualifiziert sich der Tabellendritte automatisch für die UEFA Europa League-Gruppenphase, weshalb dieser Platz auch unser Ziel ist. Der Verein und die Fans warten seit langer Zeit auf eine europäische Gruppenphase, wofür wir auch alles geben werden.

Nun weiß keiner genau wann der Spielbetreib wieder fortgesetzt wird. Bist du für eine schnellstmögliche Weiterführung und Beendigung der Saison 19/20?

Natürlich wollen alle Beteiligten, dass es so schnell wie möglich weitergeht, aber man muss zuerst schauen, wie sich die Corona-Krise in Österreich entwickelt. Es sollte hier nichts überstürzt werden. Wenn sich die Lage stark verbessert und wir das OK von der Regierung erhalten, bin ich dafür, dass die Saison dann zu Ende gespielt wird.

Bis 30. Juni sind keine öffentlichen Veranstaltungen erlaubt. Somit wird es bis dahin keine vollen Stadien mehr geben. Was ist deine Meinung zu Geisterspielen?

Es wird sich sicher komisch für jeden Fußballer anfühlen, da man es gewohnt ist Woche für Woche vor mehreren tausend Zuschauern zu spielen. Bei uns in Graz ist das Stadion mit 8.000, in der Meistergruppe wahrscheinlich mit 10.000, Zuschauern immer gut besucht. Deswegen wird es seltsam und nicht einfach sein in einem leeren Stadion zu spielen, aber die Freude wieder Fußball spielen zu dürfen wird immer noch präsent sein. Ich halte die Maßnahme auf jeden Fall für nachvollziehbar, da die Gesundheit an erster Stelle steht.

Glaubst du ist es viel schwieriger ohne Fans zu spielen?

Zu Beginn wird es doch schwieriger sein, bevor man sich nach einigen Spielen an die Umstände gewöhnt hat. Es ist auf jeden Fall wirkungsvoll, wenn die Motivation und die Unterstützung der Fans im Rücken zu spüren ist. Bei dem Europa League Spiel zwischen dem LASK und Manchester United hat man sehen können, was ein Geisterspiel für Auswirkungen hat. Für mich als Zuschauer ist es schwergefallen und den Spielern wahrscheinlich noch mehr, weshalb die Fans einen großen Unterschied ausmachen.

Falls es im schlechtesten Fall zum Abbruch der Saison kommt, wie sollte man darauf die Saison werten? Entweder die Tabelle nach dem diesjährigen Grunddurchgang oder die Vorjahrestabelle?

Mir persönlich wäre es am liebsten und am fairsten, wenn die Saison fertig gespielt wird, wovon ich auch ausgehe. Im Worst Case kann es aber zu einem Abbruch kommen, was es sehr schwer macht hierauf eine Antwort zu geben. Auf der einen Hand könnte man die diesjährige Grunddurchgangstabelle hernehmen, da sich alle Mannschaften zweimal gegenüberstanden. Auf der anderen Hand wäre dies unfair, da sich bei zehn ausstehenden Spielen noch einiges ändern könnte. Wir hoffen trotzdem, dass die Saison sportlich zu Ende geführt wird.

Im Sommer vollzog sich beim SK Puntigamer Sturm Graz der Trainerwechsel von Roman Mählich zu Nestor El Maestro. Könntest du uns sagen, inwiefern sich deren Spielphilosophien voneinander unterscheiden?

Grob gesehen können hier Vergleiche gezogen werden: Vom System sind sie sich sehr ähnlich. Meistens mit einer 3-er oder 5-er Kette, wie es auch bei den letzten Spielen der Fall war. Mählich und El Maestro legen hohen Wert darauf, dass die defensive Kompaktheit gegeben ist, damit man durch das Umschaltspiel gefährlich vor das Tor kommt. Da wir in diesem Jahr zu den besten drei Mannschaften gehören, die nach Kontern Tore erzielten, zeigt uns, dass wir das gut umgesetzt haben.

Neben deiner angestammten Position auf der Sechs lässt dich El Maestro auch als Innenverteidiger auflaufen. Ist dir die Umstellung schwergefallen?

Es war für mich nicht sehr schwer, da ich bereits einige Male in der Innenverteidigung ausgeholfen habe, weswegen ich die Position bereits kannte. In der Wintervorbereitung kam es auch zu mehreren Verletzungen, unter anderem zu der von Isaac Donkor. Somit bekam ich in der Vorbereitung vermehrt Spielzeit als Innenverteidiger. Die Eingewöhnungszeit hat mir dann geholfen, die Spiele auf der Position gut zu bestreiten. Daneben ist es für mich umso wichtiger, dass ich auf mehreren Positionen einsetzbar bin.

Bei dir lief es in den letzten zwei Jahren durchwegs positiv bei den „Blackies“. Du zählst in dieser Saison zu den Stammspielern bei dem Verein und hast vor Weihnachten deinen Vertrag bis Juni 2023 verlängert. Siehst du deine sportliche Zukunft bei Sturm über 2023 hinaus oder gebe es da einen Wunschverein, zu dem du in späterer Folge wechseln wollen würdest?

Ich bin sehr froh bei SK Puntigamer Sturm Graz zu sein, da ich mich hier in den letzten zwei Jahren gut weiterentwickelt habe. Weiters ist es mir gelungen mich hier als Stammkraft zu etablieren. Natürlich ist es aber mein Ziel einmal den Sprung ins Ausland zu schaffen, bestenfalls in eine der Top 5-Ligen Europas. Ich habe hier keinen konkreten Verein im Kopf und bin für vieles offen.  

Letzten Sommer nahm zum ersten Mal in der Geschichte eine österreichische U21-Auswahl bei der U21-EM teil. Werner Gregoritsch hat dich da gegen Serbien und Dänemark von Anfang an eingesetzt. Welche Erfahrungen hast du bei dem Großereignis in Italien gemacht?

Die U21-EM in Italien war auf jeden Fall das bisherige Highlight meiner Karriere. Ich glaube, dass ein jeder für ein solches Ereignis Fußball trainiert und spielt. Es war für mich aber auch für Österreich toll zum ersten Mal bei einer U21-EM teilzunehmen. Wir hatten mit Dänemark, Deutschland und Serbien eine sehr starke Gruppe. Es hat mich sehr gefreut in den ersten beiden Spielen in der Startelf zu sein und mich mit großartigen Spielern zu messen. Besonders wenn man Tage zuvor zu hören bekommt, dass Luka Jovic für 60 Mio. € zu Real Madrid wechselt und dann Serbien schlägt. Leider hat es letztendlich nicht zum Einzug in das Halbfinale gereicht, jedoch war das Turnier rückblickend positiv für uns.

Zuletzt möchte ich dir noch eine Frage zum Nationalteam stellen: Auf beiden deiner Positionen gibt es hier einen großen Konkurrenzkampf. Wie siehst du da deine Chancen auf eine Einberufung in den nächsten paar Jahren?

Darüber habe ich mir bis jetzt noch nicht viele Gedanken gemacht. Ich glaube aber, dass das mit harter Arbeit und einer positiven Entwicklung auf alle Fälle möglich ist. Ich habe schon aus persönlicher Erfahrung gelernt, dass man mit harter Arbeit vieles schaffen kann. Obwohl ich in keiner Jugendnationalmannschaft gespielt habe, wurde ich in das U21-Team berufen. In diesem Bereich kann es sehr schnell gehen, auch in das A-Team. Jedoch muss ich mich hierfür noch ein wenig weiterentwickeln. Es würde mich natürlich sehr freuen, mit den besten österreichischen Spielern zusammenzuspielen, wenn man sieht was für eine positive Entwicklung das Nationalteam in den letzten Jahren gemacht hat.

Ivan, ein großes Dankeschön für das Interview und viel Glück für die kommenden Wochen und Monate.

Gerne, Dankeschön.

 

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