Die ersten Runden der neuen Bundesliga-Saison haben für viel Schiedsrichter-Kritik gesorgt. Fans, Spieler und auch Trainer haben zuletzt ihren Unmut geäußert. Bei vielen wird daher der Ruf nach dem Video-Schiedsrichter, welcher mittlerweile in allen Top-Ligen und auch in vielen weiteren Ligen im Einsatz ist, lauter. Die heimische Bundesliga tüftelt bereits am Einsatz des VAR in Österreich. Noch ist es aber ein langer Weg bis zum Start des Video-Schiris in der Bundesliga. Wir haben mit Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer über die nächsten Schritte gesprochen.


12terMann.at: Herr Ebenbauer, danke für das Interview! Der VAR ist in immer mehr Ländern im Einsatz – ist der Start in Österreich auch sicher?

Christian Ebenbauer: Ich bin von Beginn an ein klarer Befürworter des Video-Schiedsrichters. Warum soll der Schiedsrichter weniger Augen haben, als alle anderen Personen – insbesondere, die vor den Fernsehgeräten? Außerdem macht der VAR das Spiel fairer. Das hat die zweijährige Probezeit bei der FIFA und bei den Landesverbänden gezeigt. Die richtigen Entscheidungen sind von 93% auf 99% Prozent gestiegen. Die Umsetzung soll also schnellstmöglich passieren.

Sie sagen schnellstmöglich – der VAR sollte ja in der Bundesliga ursprünglich im Sommer 2022 starten. Kann der Start – jetzt auch nach den jüngsten Kritiken an den Schiedsrichtern – vorgezogen werden?

Wir sind mit dem ÖFB über den Sommer in intensiven Gesprächen gewesen. Es geht vor allem um zwei Punkte. Erstens dreht sich wie alles im Leben ums Geld. Der zweite Punkt sind die Personalien, die man benötigt und die Ausbildung der Schiedsrichter. Ich kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass es nächsten Sommer noch nicht so weit sein wird. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir vor 2022 starten – das Ziel ist 2021.

Wie sieht der Fahrplan bis zum VAR-Start in Österreich aus? Welche FIFA-Vorgaben gibt es?

Das ist der umfassendste Prozess und der Grund, warum es so lange dauert – neben der Ausbildung. Die FIFA hat sehr genaue administrative Vorgaben gemacht. Von administrativer Seite her wird geschaut, welche technischen Dienstleister in Ordnung sind. Wir brauchen außerdem 65 Spiele im Vollmodus (vorm offiziellen Start des VAR Anm.), in denen die Technik und Schiedsrichter geprüft und von der FIFA freigegeben werden können. Das können auch Nachwuchsspiele und Spiele im Frauenfußball sein. Darüber hinhaus gibt es für die Schiedsrichter und für das technische Personal Schulungen – das ist alles zeitlich sehr klar vorgegeben von der FIFA. Sie empfehlen, das Projekt in ein bis eineinhalb Jahren umzusetzen und die meisten Verbände setzen es in diesem Zeitraum um. Wir sind auch ganz stark im Austausch mit den Schweizern. Die haben letzten Sommer begonnen und jetzt den VAR eingeführt – und sie haben gesagt, dass es am Schluss mit der Zeit sehr knapp war.

Was kostet der VAR in Österreich pro Saison? Ist es ein leicht stemmbares Budget?

Aus meiner Sicht ist es eine namhafte Summe. Der Großteil sind Personalkosten, der zweite Teil sind Kosten für die Technik – wir rechnen derzeit mit 1,5 Millionen Euro pro Saison. Wir möchten nicht drüberkommen, sondern im besten Fall sogar darunter bleiben.

Gibt es eigentlich derzeit genug Schiedsrichter für den VAR in Österreich oder wird nach neuen Schiris gesucht?

Genug Schiris kann es nie geben – ich kann jetzt für den ÖFB und die Bundesliga sprechen. Man freut sich über jede Bewerbung. Mit dem Video-Schiedsrichter werden jetzt zwei Schiedsrichter mehr pro Spiel benötigt (VAR und sein Assistent Anm.). Das ist schon eine Herausforderung und ein Punkt, an dem man sich die Zeit nehmen muss. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten – manche Schiedsrichter hören ab einem gewissen Alter auf, sind aber noch im Schiedsrichter-Portfolio. Hier kann man sagen: „Ja ok, Video-Schiedsrichter geht, wenn sie am Feld nicht mehr pfeifen.“ Vom ÖFB heißt es, dass es machbar ist – daher das Ziel mit 2021.

Noch ein Blick in die Gegenwart – derzeit gibt es viel Kritik an den Schiedsrichtern in der Bundesliga. Wie stehen Sie zu der Kritik? Und sind kurzfristige Maßnahmen möglich, welche die Schiedsrichter unterstützen – z.B. Torrichter oder Torlinien-Technologie?

Zuerst zur zweiten Frage – das ist derzeit kein Thema. Mit Blick auf die erste Frage bin grundsätzlich der Meinung: Eine Schiedsrichterleistung ist genauso wie eine Mannschaftsleistung. Einmal schlechter, einmal besser – jeder macht Fehler. Ich bin überzeugt, dass jeder, der bei uns Bundesliga-Spiele pfeift, seine beste Leistung bringen will. Hier muss man ansetzen. Es entsteht schnell eine Unsicherheit, wenn oft gesagt wird: „Du bist schlecht.“ Da kommst du dann auch schwerer heraus. Man sollte also auch positiv reden und die Schiedsrichter bei guten Leistungen loben. Ich bin überzeugt davon, dass das auch passiert – und, dass wir so aus diesen Problemen, die wir derzeit haben und die ja auch derzeit in der Öffentlichkeit teilweise zurecht kritisiert werden, herauskommen. Und mit dem Video-Schiedsrichter werden wir schnellstmöglich eine richtige Unterstützung für die Schiedsrichter haben. Über die Torrichter habe ich meine eigene Meinung. (lacht)

Infos:

Der Video-Schiedsrichter ist derzeit in aller Munde. In Griechenland ist der VAR-Start mit dem Souvlaki-Gate vielleicht nicht ganz gelungen, in Deutschland gibt es nach zwei nicht gegebenen Elfmetern im Spiel zwischen Schalke und den Bayern derzeit große Diskussionen – letztendlich bringt der VAR aber viele wichtige Verbesserungen für den Fußball. Laut einer Analyse des International Football Association Board (IFAB), kommt der VAR durchschnittlich fünf Mal pro Spiel zum Einsatz. Die Anzahl der richtigen Entscheidungen wurde bei der Analyse klar gesteigert – durchschnittlich wurde nämlich alle drei Spiele eine klare Fehlentscheidung durch den VAR revidiert. 

Die IFAB-Analyse der internationalen Testphase:

  • Durchschnittlich gab es alle drei Spiele eine Änderung einer klaren Fehlentscheidung
  • Der Einfluss auf die Netto-Spielzeit pro Check/Review beträgt 35-70 Sekunden
  • Durchschnittlich kommt der VAR 5x pro Spiel zum Einsatz
  • Die Anzahl der richtigen Entscheidungen wurde von 93 auf 99 Prozent gesteigert

Kosten-Erhebung der Österreichischen Fußball-Bundesliga:

  • Einmalige Setup-Kosten: rund € 1.000.000,-
  • Pro Saison: rund € 1.500.000,- 

Umsetzung:

  • Die Umsetzungsphase liegt laut IFAB-Vorgabe bei 14 bis 22 Monaten.

(Quelle: Info-Grafik Bundesliga)

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