Eine verlorene Wette, die sich wie eine gewonnene anfühlt. Spätestens als Franco Fodas Haarpracht nach dem abschließenden 2:1-Heimsieg 2010/11 gegen Wacker Innsbruck abgeschoren wurde, war allen klar: Sturm Graz ist soeben zum dritten Mal österreichischer Meister geworden. Nach den glorreichen Jahren um das goldene Dreieck und Trainerlegende Ivica Osim war dieser ein Titelgewinn der ganz besonderen Art.


Während die Meisterschaften 1997/98 und 1998/99 einer zuvor selten dagewesenen spielerischen Dominanz geschuldet waren, gaben diesmal andere Faktoren den Ausschlag. Die Glanzzeiten von Mario Haas, Ivica Vastic und Co. waren längst vorüber und Sturm galt jahrelang als einzementierte Nummer vier in Österreich, hinter den für viele Jahre unangefochtenen Salzburgern und den beiden Wiener Clubs. Der Kader wurde vor Saisonstart kaum verstärkt, mit Roman Kienast kam beispielsweise ein Stürmer, der bis dahin noch nicht allzu oft angeschrieben hatte. Aber genau dieser Kienast war das Sinnbild für Sturms märchenhafte Saison. Hinter Austria Wiens Roland Linz Zweiter in der Torschützenliste, war der ehamlige Rapidler zusammen mit seinem kongenialen Sturmpartner Imre Szabics ein Garant für Sturms unglaublichen Erfolslauf.

Austria Wien war über die Saison der hartnäckigste Gegner im Kampf um die Meisterschaft. Das vor der Spielzeit als bereits feststehender Meister deklarierte Red Bull Salzburg erwischte einen schwierigen Start, den man bis zum Ende nicht mehr wettmachen konnte. Zwar rettete man am Ende noch die Vizemeisterschaft, doch es war bezeichnend, dass ausgerechnet die Mozartstädter der Austria am Ende die nötigen Punkte klauten.

Nachdem Salzburg gegen die Veilchen das 4:2 erzielt hatte, kannte der Jubel in der damals noch Libenauer UPC Arena kein Halten mehr. Der Siegtreffer von Altmeister Samir Muratovic (natürlich nach Vorlage des “Bombers” Mario Haas) war die fast schon kitschige Krönung des für die wenigsten möglich gehaltenen Titelgewinn. Die anschließenden Feierlichkeiten auf dem Platz erinnerten an eine Nationalmannschaft, die gerade die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Gefühlt stand die gesamte Stadt Graz an diesem Mittwochabend im Mai auf dem Spielfeld. Auch bei der offiziellen Präsentation des Meistertellers am Grazer Hauptplatz fanden sich mehrere Tausende zusammen um der Meisterelf zuzujubeln.

Cheftrainer Franco Foda war in den Meisterjahren von Osim noch als Spieler dabei. Jetzt war er also auch als Trainer am Olymp angekommen. Foda schaffte es, die Euphorie des Cupsieges aus der Vorsaison in die neue mitzunehmen und aus bis dato noch unbeschriebenen Blättern, wie etwa Gordon Schildenfeld, den blutjungen Florian Kainz und eben Roman Kienast, die Spieler des Jahres zu formen.

Bei all den Zelebrationen und überwältigenden Glücksgefühlen konnte der heutigen Nationaltrainer bestimmt auch den Verlust seiner sowieso schon sehr dezenten Mähne verkraften.

picture taken by Kurt Kulac English: Please report references to kulac@gmx.at. Deutsch: Quellenangabe und Beleg an kulac@gmx.at erbeten., SK Sturm Graz Graz 2011 05 24 2, Färbung von 12termann, CC BY-SA 3.0

 

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