Heute stellen wir euch acht Kicker vor, von denen wir schon viel mehr berichten, hätten können. Doch diese Herren entschieden sich gegen eine Karriere im ÖFB-Team und haben stattdessen andere Nationen bevorzugt.


Marcel Büchel

Die Geschichte von Marcel Büchel und dem ÖFB war nie die harmonischste. Dreimal lief der mittlerweile 29-Jährige für Österreichs U19-Nationalteam auf. Eine Teilnahme an der Nachwuchs-EM-Endrunde scheiterte, weil Mittelfeld-Akteur einen Stammplatz forderte. Für die darauffolgende U20-Weltmeisterschaft 2011 wurde der Feldkirchner ebenfalls nicht berücksichtigt. 2015 wurde es Büchel schließlich zu bunt, er wechselte die Nation und läuft seitdem für Liechtenstein auf. Büchel meldete sich damals via Liechtensteins Verbands-Homepage zu Wort: “Die Verantwortlichen haben sich um mich bemüht, es hat geklappt, und jetzt kann ich es kaum erwarten, für Liechtenstein zu spielen. Für Liechtenstein auflaufen zu können, bietet mir die Möglichkeit, nicht nur im Verein auf höchstem Niveau zu spielen, sondern darüber hinaus wertvolle internationale Erfahrungen zu sammeln.”  Mittlerweile stehen auf Büchels Visitenkarte 17-Länderspiele für Liechtenstein, in dem ihm sogar ein Tor gelang.

James Jeggo

Geboren in Wien hätte James Jeggo das Überangebot im zentralen Mittelfeld Österreichs noch mehr zu einem Luxusproblem werden lassen können, als es ohnehin schon ist. Der ehemalige Spieler vom SK Sturm Graz und Austria Wien war für den ÖFB stets ein Thema, doch nicht für den 28-Jährigen. Mit 10 Jahren zog es den Kicker schon mit seiner Familie nach Australien. Das Land am anderen Ende der Welt dürfte es dem Blondschopf dabei angetan haben. Folglich entschied sich Jeggo für die australische Staatsbürgerschaft und hat bereits vier Länderspiele für die Socceroos auf dem Buckel.

Sandi Lovric

Seit der U16 hat Sandi Lovric alle Nachwuchsnationalteam in der Alpenrepublik durchlaufen, letztlich verschlug es den defensiven Mittelfeldspieler ab doch nach Slowenien. Der ehemalige Spieler vom SK Sturm wurde zwar in Osttirol geboren, seine Eltern stammen jedoch aus Slowenien. “Er hat eine sehr große familiäre Nähe zu Slowenien und sieht seine Zukunft im slowenischen Team”, meinte ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel zum Wechsel des jungen Talents. Erst zwei Wochen vor Bekanntwerden des Nationentausches erfuhr U21-Trainer Werner Gregoritsch vom Entschluss des 20-jährigen, er finde es “persönlich schade” während Schöttel hinzufügte Lovric sei ein “sehr wertvoller Spieler”  gewesen, den man gerne behalten hätte.

Atdhe Nuhiu

Es gab eine Zeit, da hätte der ÖFB sich alle Finger nach einem Stürmer im Format von Athdhe Nuhiu abgeschleckt. Und der Ex-Rapid-Angreifer war auf dem besten Weg zur österreichischen Nationalmannschaft. Neun Tore in 22 Nachwuchs-Länderspielen versprachen eine glorreiche Zukunft in rot-weiß-rot. Doch Nuhiu entschied sich letztlich für den Kosovo. Der mittlerweile 31-jährige Stürmer hat bereits zwei Länderspieltore in 15 Partien für den 2008 unabhängig gewordenen Staat erzielt.

Tarkan Serbest

Tarkan Serbest war sich selbst lange nicht sicher, welches Wappen sein rotes Trikot zieren sollte. Am Ende wurde es der Halbmond statt dem Adler. Während er 2015/16 noch neun Länderspiele für das ÖFB-U21-Nationalteam absolvierte, entschied sich Serbest für die Türken, als er 2018 in deren Nationalteam einberufen wurde. Ich habe euch bereits im Vorjahr an dieser Stelle exklusiv darüber informiert, dass ich hier vor einer schwierigen Entscheidung stehe – und wie man anhand des Zeitraums feststellen kann, habe ich mir diese alles andere als leicht gemacht. Ich fühle mich sowohl Österreich als auch der Türkei sehr stark verbunden”, so der Ex-Austrianer.

Anel Hadzic

Obwohl Anel Hadzic für die U 21-Mannschaft von Österreich auflief, bestritt er kein Spiel für das A-Team. Der ehemalige U 21-Teamspieler Österreichs entschied sich nämlich für Bosnien zu spielen. “Es war keine Entscheidung gegen Österreich, sondern eine für Bosnien. Für mich war schon immer klar, dass ich nur für ein A-Team spielen will und das war Bosnien. Meine Liebe zu dem Land ist zu groß, um nicht für Bosnien zu spielen”, stand der ehemalige Ried- und Sturm-Spieler sehr ehrlich hinter seiner Entscheidung für sein Geburtsland aufzulaufen. Für Hadzic lohnte es sich sogar schlussendlich. Bei der ersten bosnischen Teilnahme an einer Weltmeisterschaft im Jahr 2014, stand der Mittelfeldspieler im Kader und sogar in einer Partie auf dem Platz. Mit dem Sieg gegen den Iran bei der Endrunde hat Hadzic immerhin schon mehr WM-Spiele gewonnen, als der gesamt ÖFB-Kader zusammen.

Marin Leovac

Marin Leovac entging dem ÖFB auch. Zaghafte Bemühungen und nie die vollständige Entschlossenheit ließen den Linksverteidiger schließlich sich für Kroatien entscheiden. Ausgebildet in Österreich unter anderem bei diversen Jugendteams der Wiener Austria brach Leovac mit Österreich schließlich 2014. Im selben Jahr als er sich für das kroatische Nationalteam entschied, wechselte er auch von der Austria zu HNK Rijeka. Mittlerweile steht Leovac bei Dinamo Zagreb unter Vertrag und hat fünf Länderspiele für den Vizeweltmeister von 2018 bestritten.

Moritz Leitner

Moritz Leitner hätte sich 2013 eigentlich mit Österreichs Team für die WM-Qualifikation vorbereiten können. Doch der Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin entschied sich 2010, kurz nachdem er die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatte, für den DFB und gegen den ÖFB – obwohl er schon ein U-17-Länderspiel für Österreich bestritten hatte. Ein Schritt, den er jetzt vielleicht bereut. Denn der ehemalige Kreativgeist von Borussia Dortmund wurde vom deutschen Verband nie berücksichtigt. Mentalitätsprobleme wurden dem heute 27-Jährigen damals zum Verhängnis. Letztes Jahr wurde die Gerüchteküche nochmals laut, es hieß Franco Foda würde sich sehr über den Norwich-City-Akteur bemühen. Doch auch beim zweiten Anlauf scheint der Coup nocht zu glücken – Moritz Leitner bleibt ein Deutscher.

Turgay Bahadir

Auch der großgewachsene Mittelstürmer Bahadir hätte sich für Österreich entscheiden können. In der Bundeshauptstadt geboren und aufgewachsen, durchlief de Austro-Türke diverse Jugendmannschaften vom SK Rapid Wien. Der Durchbruch in der ersten Mannschaft gelang dem heute 36-Jährigen dabei aber nie. Dennoch reichte sein Engagement für zwei Einsätze in Österreichs U21-Nationalteam. 2010 wurde dann auch die Türkei auf ihren “verlorenen Sohn” aufmerksam. Der damalige Teamcheg Guus Hiddink berief Bahadir für das  Länderspiel-Triple gegen die USA, Nordirland und Tschechien ein. Im letzten Match kam Bahadir dann auch zum Einsatz und schloss somit endgüldig das Kapitel ÖFB. In der Zeit von 2009 bis 2015 kickte Bahdir auch in der Türkei ehe er vereinslos wurde und zurück in die österreichische  Regionalliga wechselte. Ein Länderspiel bestritt er nie wieder.

 

In unserer Liste haben wir lediglich Spieler berücksichtig, die bereits ein Spiel für den ÖFB absolviert haben. Mateo Kovacic und Mert Müldür sind deshalb unter anderen Kickern nicht aufgeführt.