In wenigen Monaten beginnt eine neue Ära im österreichischen Fußball. Die Bundesliga wird auf zwölf Teilnehmer aufgestockt und in einem Playoff-System ausgespielt. Während hier der Modus, die Anstoßzeiten und der TV-Vertrag bereits großteils fixiert worden sind, ist die Ungewissheit in der neuen 2. Liga, die künftig aus 16 Mannschaften bestehen wird, weiterhin sehr groß. TV-Partner und vor allem Aufsteiger scheinen sich sehr schwierig zu finden. 

Neuer Modus

Im Dezember 2016 ist der große Schritt beschlossen worden. Der heimische Klubfußball wird im Sommer 2018 reformiert.

Noch einmal kurz zusammengefasst: Die Bundesliga wird auf eine 12er-Liga mit Playoff-System aufgestockt. In der (ab nächstem Jahr nur mehr halbprofessionellen) 2. Liga spielen künftig 16 Mannschaften und die Regionalligen bleiben so wie sie sind. So war klar, dass die diesjährige Saison 2017/18 im Zeichen der Veränderungen und des Übergangs stehen wird. Doch derzeit mündet vieles in Unübersichtlichkeit.

In der diesjährigen Ersten Liga stellt man sich auf zwei bis drei Aufsteiger in die höchste Spielklasse ein und in der Bundesliga bleibt dem Tabellenletzten heuer der direkte Abstieg erspart – das Schlusslicht muss sich mit dem Dritten der 2. Liga in der Relegation messen. Soweit alles klar, doch was passiert eigentlich mit der neuen 2. Liga und den Regionalligen?

Hier besteht eigentlich der größte Reformbedarf. Infrastrukturell sollte es durch die gelockerten Voraussetzungen zu keinen großen Problemen kommen, doch die Einführung einer halbprofessionellen Liga und damit einer finanziellen Unsicherheit für die Aufsteiger aus den Regionalligen könnte ein Problem werden. Was wird eigentlich das Anforderungsprofil eines künftigen Zweitligisten in Österreich sein?

Lizenzbestimmungen ab 2018/19

Die Vereine müssen weiterhin auf acht Nachwuchsmannschaften aus den Altersklassen zehn bis 21 setzen – das ist zumindest so in den Zulassungsbestimmungen der Bundesliga festgelegt. Die Trainer, vom Cheftrainer (UEFA-Pro-Lizenz) über den Co-Trainer bis zum Nachwuchsleiter (beide UEFA-A-Lizenz), müssen zudem eine hohe Qualifikation besitzen. Auch ein Manager muss angestellt werden, was bei der Personalsuche bei vielen Amateurclubs, die aus der Regionalliga aufsteigen dürften, ein finanzielles Problem darstellen könnte. Nur die besten Casino Bonus Angebote könnten dabei vielleicht helfen.

In der Stadionfrage werden die Anforderungen etwas heruntergeschraubt. Die Mindestkapazität bleibt in der 2. Liga zwar weiterhin bei 1000 Zuschauern, doch während in den letzten Jahren auch 1000 überdachte Sitzplätze Pflicht gewesen sind, werden in der neuen Liga 250 überdachte Plätze und 500 Sitzplätze ausreichen. Bestimmungen für Fernsehübertragungen sind (noch) keine festgelegt, was aber eher daran liegt, dass es noch keinen fixen TV-Partner für die zweite Spielklasse gibt. 

Welche Kosten und Zuschüsse auf die Regionalligisten warten ist also noch nicht ganz fixiert worden. Und das bereitet einigen Regionalligisten Sorgen. Könnten der Ersten Liga tatsächlich die Aufsteiger ausgehen?

Regionalliga Ost

Der SV Horn – aktuell Tabellenführer in der Regionalliga Ost – ist auf bestem Weg in die 2. Liga. General Manager Sönke Niklas zeigt sich gegenüber 12terMann.at optimistisch: Der Vorstand und wir als Klub-Management müssen im Sinne des gesamten Vereins das „große Ganze” und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Auge behalten, die letztlich ausschlaggebend sind. Wir werden daher nicht mit aller Gewalt und viel Risiko den Aufstieg in Angriff nehmen, so wie es vielleicht andere tun. Sollte es der Mannschaft gelingen, dass sie auch am Ende der Saison auf einem Aufstiegsplatz steht, dann werden wir aus heutiger Sicht aber in die neue 2. Liga gehen.“ 

Doch die Horner zeigen auch Bedenken im Hinblick auf die neue 2. Liga. Denn nicht alles ist so gelaufen, wie es sich viele vorgestellt hätten. So ist für Niklas während der Entwicklung der neuen Reform die zweite Spielklasse etwas aus den Augen verloren gegangen: Der Fokus lag ganz klar auf der Tipico-Bundesliga. Davon können wir uns als SV Horn aber nicht ausnehmen, denn wir waren ja damals auch in den Arbeitskreisen dabei. Es gibt deshalb nach wie vor einige offene Fragen und von vielen Seiten Skepsis, was die Zweite Liga angeht. Dennoch sollte man der Sache eine Chance geben und die Liga nicht schon vor ihrem ersten Spieltag totreden. Das ist völlig kontraproduktiv. Man kann ja kein Produkt verkaufen, von dem man schon vorher öffentlich sagt, es sei eigentlich nicht besonders gut.“ Langfristig wollen die Horner laut Sönke Niklas überraschen. Ziel ist es in der neuen Liga nicht im Abstiegskampf zu stecken – das Wort “Bundesliga” wird aber vorerst nicht erwähnt.

“Das ist nicht machbar”

Vom derzeitigen Tabellenzweiten ASK Ebreichsdorf kommt zum Thema Aufstieg hingegen ein klares „Nein“. Zu dieser Entscheidung führte laut Sektionsleiter Wolfgang Heidenreich eine ganze Liste „von Minuspunkten“. Zuerst sind hier die fehlenden infrastrukturellen Voraussetzungen zu nennen. Das derzeitige Stadion wurde erst 2013 errichtet, verfügt aber nicht über die notwendige Anzahl an Sitzplätzen, ein zu schwaches Flutlicht und auch die Spielfeldfläche ist zu klein.

Zudem ist man in Ebreichsdorf in der Regionalliga sehr glücklich. „Die Regionalliga ist für uns die Liga, in der wir uns wohlfühlen. Wir schauen immer noch, dass das Ganze sehr familiär bleibt und sind sehr sorgsam bei der Auswahl der Spieler. Es sollen junge Spieler eine Chance bekommen. Wir haben keinen Profibetrieb und wollen auch keinen Profibetrieb“, findet Heidenreich gegenüber 12terMann.at klare Worte. In Ebreichsdorf bezweifelt man nämlich, dass die 2. Liga als Amateurliga funktionieren wird.

Weitere Punkte, die gegen einen Aufstieg sprechen, sind die langen Anfahrten zu den Auswärtsspielen und bis zu acht Trainings in der Woche. „Das ist mit unseren Spielern nicht machbar. Die gehen alle einer Arbeit nach.“  Zum Schluss verweist Heidenreich noch auf eine weitere Problematik: „Im Prinzip ist es egal, ob es 10, 12, 14, 16 Vereine sind. Man sieht jedes Jahr wie hier Vereine Probleme bekommen. Da haben es auch größere Städte als wir schwer, genügend Sponsoren zu finden.

Rapid zweifelt noch

Ähnlich sieht es Rapids Sportdirektor Fredy Bickel, der in einem Kurier-Interview von wenig Chancen auf eine positive Entwicklung der Liga gesprochen hat. Bickel räume dem neuen Konzept wenig Chancen ein – so ist es denkbar, dass die Amateurmannschaft der Hütteldorfer auf einen Aufstieg verzichtet. Beim Erzrivalen Austria ist hingegen der Wunsch nach einem Aufstieg da. Sportlich ist das Ziel durchaus realistisch. 

Auch im Mostviertel lebt der Traum vom Aufstieg beim SKU Amstetten. „Es ist das erklärte Ziel für unseren Trainer Robert Weinstabl und auch den gesamten Verein. Auch die Spieler die jetzt im Winter noch dazugekommen sind haben das Ziel“, verlautbarte Pressesprecher Gernot Aichinger. Der Verein sei in den letzten zehn Jahren kontinuierlich langsam gewachsen und nun bereit für den nächsten Schritt. Für den Aufstieg wären noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen.

Trainer Weinstabl absolviert gerade die letzten Module für die UEFA-Pro-Lizenz und auch die Suche nach einem Manager hat begonnen. „Den wird es geben müssen. Nicht nur, weil es gefordert wird. Den braucht man wegen des größeren Aufwands wirklich.“  Dank zusätzlicher Sponsoren und eventuell auch durch das Verbessern von bestehenden Kooperationen soll das Budget vergrößert werden. Das Stadion ist nur marginal zu verändern.

“Vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss”

Aichinger sieht das Projekt 2. Liga als ein Abenteuer in einem Ligenformat, das keiner kennt. Es gäbe viele Fragzeichen, etwa auch wie stark die Liga wirklich sei. „Aber die Chance aufzusteigen ist so groß wie nie, dank der zusätzlichen Aufstiegsplätze.“ Dass nicht alles perfekt sein wird, ist dem Pressesprecher aber auch klar: „Wir geben diesem Format eine Chance. Es ist vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss, aber wir wollen nicht von Anfang an raunzen.“ In Amstetten hätte man aber zwei zweite Ligen unter der Tipico-Bundesliga für die bessere Lösung gehalten. Auch wegen der mitreisenden Anhänger und des Interesses der Fans am Gegner. „Das gute am 16er-Format ist aber, dass man nur zweimal gegen jeden Gegner spielt. Das ist für alle interessanter so.“

Sorgen gibt es im Hinblick auf die Zukunft der Regionalligen, die unter der vergrößerten 2. Liga leiden könnten. „Wir halten die Regionalliga Ost für eine geile Liga, da fühlen wir uns wohl uns sie ist sportlich top. Aber auf natürlichem Weg steigt jetzt schon fast keiner mehr ab, weil eh immer wer in Konkurs geht. Das wird so nicht besser werden“, meinte Aichinger zum Abschluss des Gesprächs mit 12terMann.at

Die ersten Fünf in der Tabelle:

Platz Mannschaft  Punkte
1. SV Horn  36
2. ASK Ebreichsdorf  34
3. Austria Wien Amateure  32
4. SKU Amstetten  31
5. SK Rapid Wien II 28

Grün = Aufstieg denkbar, Rot = Aufstieg weniger realistisch

Die Regionalliga Ost sollte also kein Problem bei der Suche nach einem Aufsteiger darstellen. Mit Horn, den Austria Amateuren, Amstetten und wohl auch noch Karabakh Wien finden sich genug Mannschaften, die auch eine Zulassung für die 2. Liga bekommen sollten.

Regionalliga Mitte 

Auch in der Regionalliga Mitte sieht es derzeit gut aus. So möchte Sturm Graz mit der Amateurmannschaft aufsteigen. „Die zweite Mannschaft in der zweithöchsten Spielklasse zu haben wäre ein Luxus“, so Sturm-Sportdirektor Günter Kreissl im Rahmen einer Pressekonferenz Anfang Jänner.

Ähnliche Pläne hat der LASK – jedoch mit einem eigenen Verein. Theoretisch sind vorerst nur drei Amateurclubs von Bundesligavereinen in der 2. Liga vorgesehen – Liefering, eigentlich die zweite Mannschaft von Red Bull Salzburg, stellt aber weiterhin eine Ausnahme dar und ist ein eigenständiger Verein. Die Linzer möchten nun auch das Bullen-Modell anwenden. So soll der FC Juniors OÖ, der Nachfolgeklub des FC Pasching, die Lizenz der LASK Juniors OÖ, die derzeit in der Regionalliga Mitte um den Aufstieg mitspielen, erhalten.

Spitzenreiter bereit 

Auch beim Tabellenführer der Regionalliga Mitte, SV Licht Loidl Lafnitz, steht der gesamte Verein hinter dem Projekt „Aufstieg“. Finanzielle Bedenken spielen in der Oststeiermark keine Rolle. Obmann Bernhard Loidl, der gleichzeitig als Geschäftsführer des Unternehmens „Licht-Loidl“ auch Hauptsponsor ist, geht bei einem Aufstieg von einem Anwachsen der Einnahmen durch mehr Zuseher, höhere Sponsorengelder und auch dank verstärkter Unterstützung seitens des ÖFB aus.

In personeller Hinsicht ist der Verein ebenfalls auf Schiene. Sowohl die notwendige Anzahl an Nachwuchsmannschaften und die für Trainer und Betreuer geforderten Ausbildungen werden vorbereitet. „Die größte Anstrengung wird das Thema der Infrastruktur sein. Wir müssen unser Spielfeld vergrößern, die bestehende Tribüne verlängern, einen Presseturm errichten sowie die Betreuerbänke neu gestalten“, stellte Loidl weiters klar und verweist damit auf noch zu erledigende Hausaufgaben. Die notwendigen Umbaumaßnahmen im Ausmaß von 600.000 Euro sollen Anfang März beginnen und im Juni abgeschlossen werden. Danach soll einem Meisterschaftsbeginn in der neuen 2. Liga nicht mehr im Wege stehen, so der „sehr zuversichtliche“ Vereins-Obmann weiter. 

“In Österreich jammert jeder”

Etwas überraschend muss man sich beim SK Vorwärts Steyr mit dem Aufstieg in die neu reformierte 2. Liga befassen. „Vor der Saison war der Aufstieg nicht das Ziel, weil wir nicht damit gerechnet haben“, so Trainer Gerald Scheiblehner gegenüber 12terMann.at. Nach dem starken Herbst mit Tabellenrang zwei entschied man sich beim Traditionsklub jedoch dafür, dass man bei sportlicher Qualifikation den Aufstieg machen würde. „Nach dem Herbst haben wir uns im Verein aber darüber Gedanken gemacht und versucht die Voraussetzungen, vor allem wirtschaftlich und von der Infrastruktur her, zu schaffen.“  Das Vorwärts-Stadion sei zwar in die Jahre gekommen, es müssten jedoch nur Kleinigkeiten adaptiert werden.

Hinsichtlich der finanziellen Voraussetzungen verfolgen die Oberösterreicher die Philosophie, dass man besser durch viele kleinere Sponsoren breit aufgestellt ist. Einen großen Geldgeber gibt es auch in Zukunft nicht. Scheiblehner: „Wenn wir aufsteigen, werden wir mit einem ähnlichen Budget wie bisher weiterarbeiten.“ Ein Vollprofibetrieb ist ebenfalls kein Thema und momentan finanziell in Steyr nicht machbar. Das neue Ligenformat mit 16 Vereinen sieht Scheiblehner positiv und meint, man solle der Liga eine Chance geben und dann in zwei, drei Jahren den Zustand genauer betrachten. „In Österreich jammert im Vorfeld schon jeder.“ Diesen Fehler will man in Steyr nicht begehen.

Abwarten in Gleisdorf

Der Tabellendritte Gleisdorf wird nach dieser Saison hingegen in jedem Fall in der Regionalliga bleiben. Denn die Infrastrukturbedingungen für die zweite Spielklasse werden heuer noch nicht erfüllt. Unsere Flutlichtanlage hat derzeit nur 250 Lux, mindestens 400 Lux sind vorgeschrieben. Die Stadtgemeinde ist aber gerade dabei, die Anlage in diesem Jahr aufzurüsten. Derzeit ist ein Aufstieg noch nicht möglich, aber in Zukunft nicht ausgeschlossen“, so Gerald Kainz, der sportliche Leiter der Gleisdorfer gegenüber 12terMann.at.
„Wir wollen dieses Jahr mal beobachten, wie es diesen Vereinen ergehen wird, die keine Profis angestellt haben“, sagt Kainz, für den ein Aufstieg in den nächsten Jahren eine Option wäre. 

Deutschlandsberg, aktuell Fünfter, kommt als Aufsteiger vorerst gar nicht in Frage. Laut Obmann Klaus Suppan fehlen die finanziellen Mittel. Auch der Aspekt des Amateurvereins spielt eine große Rolle. Der Aufwand in der Regionalliga ist mit Amateuren gerade noch so zu bewältigen. In der Bundesliga sind die Wege und die Zeiten für jemanden, der ganz normal einer Beschäftigung nachgeht, nicht oder nur sehr schwer machbar. Ein Student hat noch eher die Möglichkeit, diesen Aufwand in seinem Zeitmanagement unterzubringen. Unsere Mannschaft besteht jedoch nicht nur aus Studenten“, so Suppan gegenüber 12terMann.at.

Platz Mannschaft  Punkte
1. SV Lafnitz 37
2. SK Vorwärts Steyr 33
3. SC Gleisdorf 09 32
4. Sturm Graz Amateure  32
5. Deutschlandsberg  29

Grün = Aufstieg denkbar, Rot = Aufstieg weniger realistisch

Die Regionalliga Mitte wird wohl auch genug Aufsteiger stellen. Denn neben Lafnitz, Steyr und den Sturm Amateuren, findet sich auf dem sechsten Platz mit den LASK Juniors ein weiterer Verein, der Aufsteigen möchte. Auch Austria Klagenfurt kommt als Aufstiegskandidat in die neue 2.Liga in Frage.

Ursprünglich wollte auch die TUS Bad Gleichenberg aufsteigen. Doch Trainer Georg Kaufmann hat gegenüber 12terMann.at verraten, dass aus personellen Gründen ein Aufstieg derzeit nicht geplant ist. Überhaupt geht Kaufmann davon aus, dass die neue 2. Liga nur eine Übergangslösung sein könnte.

Regionalliga West

Während sich in der Regionalliga Mitte genug Aufsteiger finden, sieht es in der Regionalliga West etwas anders aus. Einzig für Tabellenführer USK Anif ist ein Aufstieg denkbar. „Es wäre sportlich ein guter Schritt und wir könnten uns weiterentwickeln”, so Sportdirektor Helmut Fraisl im Gespräch mit 12terMann.at. Doch es sind sehr viele Schritte, die ein Amateurverein machen muss“, sagt Fraisl weiter. Immerhin müssten viele im Verein ihren Beruf, den sie neben der Tätigkeit bei Anif ausüben, wohl kündigen. Und das ist, laut Fraisl, ein großes Risiko und man müsse erst sehen, ob man dieses eingehen könne.
Zuerst steht Ende Jänner ein weiterer Workshop-Termin der Bundesliga zur Ligareform an, bei dem sich auch die Anifer weiter erkundigen werden.

Sorgenkind Regionalliga West

Sonst hält sich innerhalb der Top-Teams der Liga das Interesse aber in Grenzen. In Grödig ist die Situation weiter unklar. Im Herbst ist ein Aufstieg ausgeschlossen worden. Auch im neuen Jahr geht man bei den Grödigern von einem Verbleib in der Regionalliga aus – selbst bei sportlicher Qualifikation. Auf Nachfrage von 12terMann heißt es: „Mit dem aktuellen Budget und ohne finanzstarke Sponsoren wäre es äußerst schwierig in der neuen Liga zu bestehen. Sollte sich daran nichts ändern, werden wir uns nicht auf das Abenteuer Erste Liga einlassen. Wir sehen unseren Weg in der Regionalliga West als Sprungbrett für junge talentierte Spieler.“

Neben dem Tabellenzweiten Grödig werden auch die Amateure von Bundesligist Altach – aktuell Dritter – nicht aufsteigen. „Sportlich wäre es natürlich eine Verlockung gewesen“, so Altachs Geschäftsführer Christoph Längle im Interview mit 12terMann.at. Man habe sich lange und intensiv mit dem Thema befasst, sei aber zu dem Schluss gekommen, dass es aktuell schlichtweg noch zu früh dafür sei, da in Bereichen wie Infrastruktur oder Organisation noch viele Dinge zu erledigen wären. „Die Finanzen spielen natürlich auch immer eine Rolle“, so Längle weiter, auch wenn die Chance jetzt „fast einmalig“ sei.

Das geringe Interesse am Aufstieg sei gerade bei den Clubs aus Vorarlberg der geografischen Lage und der daraus resultierenden oft großen Distanzen geschuldet. Zudem hätten viele Regionalligisten mit budgetären Problemen zu kämpfen, auch infrastrukturell „orte ich speziell in Vorarlberg noch Nachholbedarf“, meinte Längle. Ein zukünftiger Zweitligaclub sei trotz der gelockerten Rahmenanforderungen aus seiner Sicht „mit einem reinen Amateurbetrieb nicht mehr zu bewerkstelligen“. Dazu brauche es „bezahlte Leute und Profis“.

Budget nicht stemmbar

Nicht nur die Altach Amateure werden voraussichtlich in der Regionalliga West bleiben. Auch in Hohenems und Dornbirn hält sich das Interesse in Grenzen. „Für nächste Saison ist es kein Thema. Die Auflagen sind noch unklar und infrastrukturell müssten wir in einem halben Jahr alles auf Schiene bringen – das ist aber eine relativ kurze Zeit. Im Moment sind wir etwas überrascht vom Erfolg“, so Hohenems-Sektionsleiter Bernd Rüssider gegenüber 12terMann.at. Auch Dornbirns Sektionsleiter Peter Handle schließt einen Aufstieg aus. „Es ist aus finanziellen Gründen kein Thema. Das Budget für die 2. Liga ist nicht stemmbar.“

Wacker Innsbruck spielt derzeit in der Ersten Liga und liegt als Dritter auf Aufstiegskurs in die Bundesliga. So könnte die zweite Mannschaft der Innsbrucker, die aktuell in der Regionalliga West spielt, theoretisch in die neue 2. Liga nachrücken. Doch der General Manager der Innsbrucker, Alfred Hörtnagl, steigt auf die Euphoriebremse. „Derzeit sind wir mit der zweiten Mannschaft sehr gut platziert. Wir haben eine sehr junge Mannschaft und da sind wir derzeit für unsere Möglichkeiten sehr gut aufgestellt. Wir haben jetzt auch noch eine dritte Mannschaft installiert, die eine Etage darunter begonnen hat und Tabellenführer ist (Anm.: Wacker Innsbruck III in der Tiroler 2. Klasse Mitte). Das hilft uns sehr diesen Schritt vom Nachwuchs- in den Erwachsenenfußball zu verkürzen, um dann schneller die Anpassung zu haben. Es ist momentan eine sehr gute Struktur für uns und wir haben derzeit auch nicht die Intention das zu ändern. Das könnte mal in Zukunft ein Schritt werden, ist aber derzeit kein Thema.“

Auch SV Wals-Grünau und der SC Schwaz haben bereits im Herbst einen Aufstieg aus finanziellen Gründen ausgeschlossen. 

Platz Mannschaft  Punkte
1. USK Anif 43
2. SV Grödig 38
3. Altach Amateure  37
4. SC Schwaz  32
5. SV Wals-Grünau  29

Grün = Aufstieg denkbar, Rot = Aufstieg weniger realistisch

Einzig beim USK Anif wird öffentlich von einem Aufstieg gesprochen. Grödig wird wohl kommendes Jahr weiter in der Regionalliga spielen. “Wohl” ist aber das Wort, das den Unterschied ausmachen könnte. Denn neben Anif findet sich stand jetzt kein Aufsteiger unter den ersten acht (!) in der Tabelle. Da hätte für die Bundesliga fatale Konsequenzen.

Finden sich genug Mannschaften?

In der Regionalliga Ost und Regionalliga Mitte finden sich voraussichtlich genug Aufsteiger – auch genug, um eventuell noch einen fehlenden Club, der aus der Regionalliga West nicht aufsteigt, zu stellen. Doch mehr als drei Aufsteiger pro Regionalligen wird es nicht geben. Das hat BFV-Präsident Gerhard Milletich auf 12terMann-Nachfrage bestätigt. Damit ist sichergestellt, dass aus einer Liga nicht zu viele Mannschaften aufsteigen, was in der betroffenen Regionalliga samt dazugehörigen Landesligen für Probleme sorgen könnte. Damit ist aber auch klar, dass sich zumindest noch ein weiterer potentieller Aufsteiger aus der Regionalliga West finden MUSS. Zumindest, wenn man nicht mit weniger als 16 Teams spielen möchte.

So könnte ja Grödig, wo man einen Aufstieg ja nicht endgültig ausschließen wollte, noch nachrücken. Dann wären es genügend Mannschaften. Den neunten Aufsteiger hätte ja ein Regionalliga-Verein mit dem Tabellenletzten der diesjährigen Ersten Liga, der einfach nicht absteigen wird, ermittelt. Aber da muss ja Grödig oder ein anderer Verein aus dem Westen Österreichs mitspielen. 

Was uns seitens der Bundesliga nicht bestätigt werden konnte ist, ob es eine Vorgabe gibt, welche Platzierung in der Regionalliga sportlich erreicht werden muss, um als Aufsteiger in Frage zu kommen. So könnten unter Umständen Mannschaften außerhalb der besten acht in der Tabelle der Regioanlliga West nachrücken. Doch das würde den Start in die neue 2. Liga ein wenig überschatten. 

Natürlich ist es besser, als gleich mit nur 15 Mannschaften zu spielen. Das wäre sogar ein fataler Auftakt in eine neue Ära. Auch wenn man sich bei der Bundesliga optimistisch gibt, dass sich genug Mannschaften finden und im Worst Case auch weniger als 16 Teams denkbar wären. So spielen beispielsweise derzeit nur 15 Clubs in der Regionalliga Ost. 

Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits: “Im Worst Case wird auch mit 15 Clubs gespielt”

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Doch auch manche Vereine, die als Aufsteiger in Frage kommen, haben etwas Zweifel an der 2. Liga. Egal ob mit 16 oder weniger Teams.

Für die Horner ist nicht nur die neue Liga bei der Entwicklung der Reform zu kurz gekommen. General Manager Sönke Niklas rechnet auch mit einer “großen Kluft bei den übrigen Rahmenbedingungen der einzelnen Klubs”

„Sportlich wird es unter Umständen gar nicht so weit auseinanderdriften. Infrastrukturell werden die Unterschiede zum Beispiel am Anfang wahrscheinlich größer sein. Noch größer wird aller Voraussicht nach aber die Kluft zwischen den ersten beiden Leistungsstufen. Die Anforderungen für die Tipico-Bundesliga wurden, und werden wohl auch weiter, schrittweise angehoben, die Bestimmungen für die Zweite Liga wurden aber heruntergesetzt. Es liegt damit noch mehr an den einzelnen Vereinen selbst, sich strukturell in Richtung Profi-Klub zu entwickeln, wenn sie mittel- oder langfristig ganz nach oben schauen wollen.“

Niklas spricht damit einen sehr interessanten Aspekt an. Denn die 2. Liga – so könnte man zumindest meinen – entwickelt sich infrastrukturell und was die sportlichen Anforderungen angeht im Vergleich zur Bundesliga nicht weiter. Natürlich liegt es auf der Hand, da in der zweithöchsten Spielklasse Amateurteams der Spielbetrieb ermöglicht werden soll – und dafür ist eine Lockerung der Lizenzbestimmungen erforderlich. Wie sich die Bundesliga aber damit sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell von der 2. Liga unterscheiden wird, das wird die Zukunft zeigen.

Etwas Zweifel haben auch manche Erstligisten, die kommendes Jahr voraussichtlich in die 2. Liga “umsteigen” werden – so zum Beispiel der FAC, wie uns Team-Manager Lukas Fischer verraten hat.

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Was die neue Reform mit sich bringt, das ist noch unklar. Wir stehen natürlich hinter der Bundesliga und hoffen im Sinne des österreichischen Fußballs und der Entwicklung großartiger Talente für das Nationalteam auf einen großen Erfolg und eine gelungene Reform. Die Zeichen stehen mit der mühsamen Suche nach den Aufsteigern aber derzeit nicht gut. Das hat man sich vor zwei Jahren wohl etwas anders erwartet.

Ein Artikel von David Chomiczuk.

Mitarbeit von Sebastian Sohm, Maximilian Werner, Fabian Schinagl und Lukas Lorber 

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