45 Länderspieltore im ÖFB-Dress – So oft wie Nina Burger hat noch niemand für Österreich getroffen. Die Stürmerin, die derzeit beim SC Sand in der deutschen Bundesliga aktiv ist, will natürlich noch viele Tore folgen lassen, am Besten bei der Europameisterschaft im Jahr 2017.

12termann.at: Hallo Nina, es freut mich dass du dir für ein Interview mit 12terMann.at Zeit nimmst. Hast du unsere Seite schon vor unserem Interview gekannt?

Nina Burger: Eure Seite ist mir schon länger bekannt und ich habe sie auch auf Facebook geliked, weil ihr regelmäßig über Österreichs FußballerInnen im In- und Ausland informiert und mich das interessiert.

06. Juni 2016, Volksbank-Arena Horn, ca. 19:20 Uhr: Du erzielst das 2:0 gegen Israel, es ist dein 45. Länderspieltreffer und du überholst damit Toni Polster in der ewigen ÖFB-Torjägerliste. Was bedeutet dieser Rekord für dich?

Der Rekord ist für mich Nebensache, auch wenn es danach in den Medien vertreten war. Ich freue mich mehr über jedes einzelne Tor, welches mich und mein Team zu Erfolgen führte und hoffentlich noch führen wird.

Für das Frauen-Nationalteam läuft es derzeit hervorragend, die erstmalige Qualifikation für eine Europameisterschaft ist fast nicht mehr zu verhindern. Bist du mit den Gedanken manchmal schon bei der Endrunde 2017 in den Niederlanden?

Mit dem Qualispiel gegen Wales im September möchten wir den letzten Schritt zur EM 2017 machen. Dann ist die Vorfreude bestimmt schon sehr groß. Aber bis zur EM dauert es noch eine Weile, wo wir noch einige Lehrgänge mit Testspielen bestreiten und uns auf diese konzentrieren werden.

Trotz der sportlichen Entwicklung in den letzten Jahren werden die Spiele des Frauen-Nationalteams nur von wenigen Fans besucht. Seit du und deine Teamkolleginnen manchmal enttäuscht, das eure Leistungen nicht entsprechend honoriert werden?

Enttäuscht nicht, aber wir würden uns natürlich freuen, wenn mehr Leute den Weg zu unseren Spielen finden würden.

Du spielst seit 2005 im Nationalteam, hat sich im Bereich von Medienpräsenz, Zusehern usw. in diesen Jahren etwas zum Besseren entwickelt? Welchen Schub könnte die EM-Qualifikation hier geben?

In den über 10 Jahren hat sich schon einiges verbessert, z.B. in den Bereichen Medienpräsenz und Zuschauer. Auch, wenn nur in kleineren Schritten. Mit großen Erfolgen wie der Teilnahme bei der EM kann vielleicht einmal ein größerer Entwicklungsschritt geschafft werden.

Der Kontakt zu den Fans fällt aber definitiv leichter als in einem großen Stadion, das ist mir bei den Spielen in Steyr und Horn, die ich live gesehen habe, besonders aufgefallen. Ist das Frauen-Nationalteam noch ein Team zum „Angreifen“?

Es macht uns eine Freude, wenn wir uns direkt nach einem Spiel mit den zusehenden Verwandten, Bekannten, Fans und allen Anderen unterhalten und uns für deren Unterstützung bedanken können. Und wir machen damit den anderen eine Freude. 

Das Frauen-Nationalteam vor 50.000 Zusehern im Ernst-Happel-Stadion. Ist so etwas realistisch oder reine Utopie?

Ich wünsche es den zukünftigen Nationalteamspielerinnen, dass sie das einmal erleben dürfen.

Das Herren-Nationalteam ist mit großen Erwartungen zur EURO 2016 gereist und musste bitter enttäuscht nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Wie analysierst du die Leistung von Österreich?

Es tut mir leid für die Burschen, die sich für die Endrunde viel vorgenommen hatten. Verständlicherweise hat man ihnen auch sehr viel zugetraut nach den tollen Spielen in der Quali. Sie konnten aber leider die Leistungen nicht zum richtigen Zeitpunkt während der EM abrufen.

Was ist generell deine Meinung zur EURO 2016? Gibt es Lehren aus dem Turnier die für dich und das Frauen-Nationalteam nützlich sein können?

Wer als Team auftritt kann es sehr weit schaffen. Am Ende holte eine Mannschaft den Titel, die nicht viele auf der Rechnung hatten. In so einem Turnier ist vieles möglich.

Im Dezember wirst du 29, damit bist du allerdings schon eine der erfahrensten Spielerinnen im Nationalteam. Was traust du deinen jungen Kolleginnen in den nächsten Jahren noch zu?

Ich gehe davon aus, dass im Nationalteam weiterhin so eine tolle Arbeit geleistet wird und traue dem Team zu, dass die Erfolgskurve positiv bleibt. Ich hoffe das auf die hoffentlich bald fixierte EM-Teilnahme 2017 noch viele weitere Turniere folgen werden.

Aktuell bereitest du dich auf deine zweite Saison in der deutschen Bundesliga vor, wie groß ist der Unterschied zwischen den Ligen in Deutschland und Österreich?

Die deutsche Liga ist weit professioneller. Es gibt viele Spielerinnen, die sich auf den Fußball konzentrieren können und nebenbei etwas Arbeiten oder Studieren. In Österreich ist das akutell, mit vielleicht einiger wenigen Ausnahmen, nur umgekehrt möglich. Die deutsche Liga ist in den Medien präsenter und sportlich in den Bereichen Technik, Taktik und Athletik eine der besten der Welt.

Dein Verein ist der SC Sand aus Baden-Württemberg, direkt an der französischen Grenze. Erzähl uns bitte etwas über Stadt und Verein.

Sand ist ein Ortsteil der Gemeinde Willstätt und liegt im Ortenaukreis in Baden-Württemberg. In ca. 20 Minuten ist man über der französischen Grenze und in Straßburg. Der Verein SC Sand ist ein kleiner und überschaubarer Verein mit etlichen fleißigen, ehrenamtlichen Helfern. Von den ca. 2.000 Einwohnern kommen auch viele zu unseren Heimspielen, bei denen wir im Durschnitt 1.000 Zuschauer haben.

In der abgelaufenen Saison konnte der SC Sand das Finale im DFB-Pokal und somit den größten Erfolg der bisherigen Vereinsgeschichte erreichen. Was sind eure Ziele in der Saison 2016/17?

In Pokal und Liga wollen wir soweit wie möglich kommen. Wir werden von Spiel zu Spiel schauen und versuchen, so viele Siege wie möglich einzufahren. Vor allem ist es in der Liga wichtig, gleich einmal schnell einen großen Abstand zu den Abstiegsplätzen schaffen. Eine abermalige Teilnahme am Pokalfinale, aber diesmal mit besseren Ausgang für uns, ist ein hochgestecktes Ziel, aber nicht unmöglich.

Wenn man sich die Entwicklung der Frauen-Bundesliga in den letzten Jahren ansieht, fällt auf, dass immer mehr Teams in die Liga aufsteigen, die auch eine Herrenmannschaft in den höheren Spielklassen haben. Beim SC Sand ist das nicht so, warum kann der Verein sich im Konzert der Großen so gut behaupten?

Da leisten Verein und Verantwortliche schon jahrelang eine tolle Arbeit. Wir haben mehrere Frauenteams, diese Saison zwei davon in den zwei höchsten Frauenfußballligen Deutschlands. Die erste Mannschaft spielt in der Bundesliga und und der SC Sand II ist in die 2. Bundesliga aufgestiegen.

Wie schwer ist es mit den anderen Vereinen mitzuhalten? Vor allem im Bereich der Infrastruktur und Trainingsmöglichkeiten werden Ligakonkurrenten wie Bayern München, Wolfsburg, Hoffenheim oder Mönchengladbach besser aufgestellt sein.

Ich denke, dass in diesen Bereichen jeder andere Verein der Bundesliga besser aufgestellt ist und dies den Teams einiges erleichtert. Letztendlich macht es für uns Spielerinnen am Feld nicht wirklich einen Unterschied, wir müssen bei jedem Spiel und Training unser Bestes geben. Und vom Kader her sind wir gut aufgestellt, das ist wichtig.

Seit der Sommerpause hast du rot-weiss-rote Gesellschaft bekommen, Verena Aschauer und Laura Feiersinger spielen nun auch für den SC Sand. Freust du dich besonders über die neuen Teamkolleginnen oder sind sie Mitspielerinnen wie alle anderen auch?

Ich freue mich sehr, dass die beiden nun mit mir im selben Verein spielen und wir auch außerhalb vom Fußball etwas unternehmen können. Ins Team integriert haben sie sich auch schnell – liegt wohl am Ösicharme :)

Wie wichtig sind die Legionärinnen in Deutschland für den Erfolg des Nationalteams? Ein Großteil der Stammelf verdient sein Geld im Ausland.

Ich denke, es trägt einen wichtigen Teil dazu bei. Man kann sich in starken Ligen wie eben z.B. der deutschen Bundesliga sportlich weiterentwickeln, was wiederrum dem Nationalteam zu Gute kommt. Für mich war die EM 2017 der Hauptgrund, warum ich nach Deutschland gewechselt bin. Ich wollte und will mich sportlich und auch persönlich immer weiterentwickeln. Und ich bereue den Schritt nicht.

Im Herrenfußball werden oft astronomische Ablösen und Gehälter bezahlt. Kann man als Profi vom Frauenfußball leben oder ist es nur ein besser bezahltes Hobby? Und wie wichtig ist es, sich zeitgerecht Gedanken über das Leben nach der aktiven Karriere zu machen?

Man kann gegenwärtig gut davon leben. Aber man braucht auf jeden Fall einen Plan B, da im Frauenfußball leider keine sehr hohen Gehälter ausgezahlt werden und man nach der Karriere nicht ausgesorgt hat. Ich selbst bin Polizistin, derzeit in unbezahltem Urlaub, habe eine Planstelle in Wien und verrichte nach meiner Karriere dort wieder Dienst. Und ich bin meinen Vorgesetzten dafür dankbar, dass sie mich bei meiner Fußballkarriere unterstützen.

Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen dem Männer- und dem Frauenfußball?

Der sportlich größte Unterschied liegt naturgemäß in der Athletik und Physis. Männerfußball hat einen höheren Stellenwert und Medienpräsenz, finanziell besteht ein großer Abstand zum Frauenfußball.

Kommen wir langsam zum Ende des Interviews. Gibt es ein großen Ziel oder einen Traum, den du in deiner Karriere noch erreichen möchtest?

Mein größtes Ziel war immer, mit dem Nationalteam eine EM- oder WM-Endrunde zu erreichen. Nun sind wir knapp dran, ein Schritt fehlt noch. Das folgende Ziel wäre dann auch eine Rolle bei der EM zu spielen. Und das Pokalfinale in Köln war definitiv eines meiner Highlights in meiner Karriere – das darf sich gerne wiederholen, nur mit besserem Ausgang für mein Team.

Willst du unseren Lesern und deinen Fans zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?

Schöne Grüße und eine tolle Saison, ob aktiv oder als Fan.

Das Interview führte Matthias Riemer (Redaktionsleitung Frauenfußball 12terMann.at)

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