„Mit 11 habe ich einen Brief an die Bayern geschrieben“

Von Warschau ins Waldviertel, über Bayern zurück nach Polen und von dort in die Schweiz. Daniel Sikorski ist mit seinen knapp 28 Jahren schon viel herumgekommen. Im Interview mit 12terMann.at erzählt „Sigi“ über seine Jugend beim SV Waidhofen/Thaya, wie es ist beim großen FC Bayern München zu trainieren und über seine weiteren Ziele als Fußballprofi.

Hallo Daniel, es freut mich das du dir für ein Interview mit 12terMann.at Zeit nimmst. Hast du unsere Seite schon gekannt? Falls nicht, haben wir für die Zukunft hoffentlich einen neuen, eifrigen Leser gewonnen.

Daniel Sikorski: Ich bin schon vor einiger Zeit über facebook auf eure Seite aufmerksam geworden. Damals habt ihr ein Torvideo von Marc Janko gepostet, das hat mir gefallen.

 

Mit 11 Jahren habe ich einen Brief an Bayern München geschrieben das ich bei ihnen spielen will

 

Für mich ist das ein besonderes Interview. Als du in der Jugend des SV Waidhofen/Thaya deine ersten Schritte auf der Karriereleiter unternommen hast, haben wir öfters gegeneinander gespielt. Schon komisch, wie man wieder zusammenkommt.

Es gibt nicht umsonst den Spruch „Man trifft sich immer zwei Mal im Leben!“

 

Damals sorgte der Name „Daniel Sikorski“ für Angst und Schrecken bei den Waldviertler Nachwuchsverteidigern, da du die Gegner regelmäßig auseinander genommen hast. Ich erinnere mich mit Schaudern an ein 23:2 Debakel. Ab wann war dir klar, dass du es im Fußball sehr weit schaffen kannst?

Dass es mir klar war, ist der falsche Ausdruck. Ich habe mir diesen Gedanken von klein auf in den Kopf gesetzt und den Glauben daran immer mitgetragen. Als ich damals noch in Waidhofen war, habe ich mit 11 Jahren einen Brief an Bayern München geschrieben, dass ich gern mal bei ihnen spielen will. Ein paar Jahre später ist dieser Wunsch wirklich in Erfüllung gegangen.

 

Meine Familie hat mich immer voll unterstützt

 

Wie weit hat dich dein Vater Witold beinflusst? Er war selbst Fußballprofi und ist heute noch als Trainer aktiv.

Meine Familie hat mich immer voll unterstützt und tut es immer noch. Dafür bin ich ihnen unglaublich dankbar und werde das immer sein.

 

Kommst du noch öfters ins Waldviertel wo du deine Jugend verbracht hast und verfolgst du den Fußball dort auch noch?

Immer wenn ich länger frei habe, versuche ich meine Heimat zu besuchen. Über den Fußball dort bin ich top informiert und immer up to date, vor allem da mein Vater aktuell den USV Kautzen (1. Klasse Waldviertel) trainert.

 

2005 bist du in die Nachwuchsabteilung des FC Bayern München gewechselt. Wie ist es bei einem der besten Vereine der Welt zu trainieren und zu spielen?

Es war eine super Erfahrung, diese fünf Jahre haben mich geprägt. Ich habe daraus unglaublich viel gelernt und mitgenommen. Auch heute habe ich noch viele Freunde dort und versuche sie regelmäßig zu besuchen.

 

In der 2. Mannschaft der Bayern hast du regelmäßig gespielt und auch getroffen, bis zu den Profis hat es aber nicht ganz gereicht. Würdest du im jetzt im Nachhinein etwas anders machen als damals?

Ja und nein. Im Endeffekt kann ich jetzt nichts mehr an der Vergangenheit ändern. Es ist wichtig immer nach vorne zu schauen.

 

Durch deine Leistungen wurde auch der ÖFB auf dich aufmerksam und du wurdest in diverse Nachwuchs-Nationalteams einberufen. War für dich immer klar das du für Österreich spielen willst oder war auch eine Geburtsland Polen eine Option?

Österreich lag einfach näher und der ÖFB hat sich sehr um mich bemüht. Es war eine super Erfahrung sich mit den anderen Nachwuchs- Nationalteams zu messen und das Nationaltrikot zu tragen.

 

2007 fand in Kanada die U-20 Weltmeisterschaft statt, bei der Österreich mit Platz 4 für eine richtige Euphorie im Land sorgte. Du konntest bei dieser Endrunde nicht mitwirken, da du nur auf der Abrufliste des Teamchefs zu finden warst. Warst du damals neidisch auf deine Kollegen?

Es war natürlich keine angenehme Situation für mich, ich wäre gerne dabei gewesen. Dafür durfte ich zu der Zeit mit der ersten Mannschaft des FC Bayern München auf ein Trainigslager nach Hongkong fahren und dort Profi-Luft schnuppern.

 

Von 2010 bis 2013 warst du in Polen unter Vertrag. Wie blickst du auf die Zeit bei Górnik Zabrze, Polonia Warschau und Wisla Krakau zurück?

Ich habe mir ein Ziel gesetzt, das ich aber leider nicht erreicht habe. Dafür habe ich viel Erfahrung gewonnen. Es war toll, das ich die Möglichkeit hatte, in der ersten Liga meines Geburtslandes zu spielen. Außerdem konnte ich das Leben und den Alltag in Polen kennenlernen.

 

Ich habe mir gesagt „Es kann nur mehr besser werden“

 

Von Polen zog es dich in die Schweiz zum FC St. Gallen. Leider hast du dir kurz nach Beginn deines Engagements dort einen Kreuzbandriss zugezogen. Kein optimaler Start bei einem neuen Verein oder?

Mit solchen Rückschlägen muss man umgehen und sie bewältigen können. So was gehört zum Sport dazu. Ich habe mir gesagt „Es kann nur mehr besser werden.“

 

Inzwischen hast du dich wieder in die erste Mannschaft gekämpft. Wie schwer war der Weg zurück?

Es war nicht einfach, das war ein ständiges Auf und Ab. Es war sehr viel Geduld dafür nötig, man darf sich nie ausruhen. Deswegen arbeite ich weiter jeden Tag hart an mir.

 

Der FC St. Gallen ist zwar der älteste noch bestehende Fußballverein der Schweiz, aber in Österreich nicht sehr bekannt. Beschreib den Verein und die Stadt St. Gallen etwas für uns.

Beim Verein herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, man fühlt sich sofort wohl. Die Fans sind ein Wahnsinn, sie sind unglaublich fanatisch, unterstützen uns immer und begleiten uns überall hin. St. Gallen ist eine sehr coole Stadt mit vielen feinen Plätzen. Man sollte St. Gallen unbedingt mal gesehen haben, echt empfehlenswert.

 
Lernen und etwas mitnehmen kann man immer und überall

 

Die Schweiz wird von vielen Experten oft als fußballerisches Vorbild für Österreich hingestellt. Was ist deine Meinung, kann was kann Österreich von der Schweiz lernen?

Schwer zu sagen, die Jugendausbildung in Österreich ist auf einem sehr guten Weg. Wenn man sich die Nationalmannschaft ansieht, steht Österreich momentan sehr gut da. Aber lernen und etwas mitnehmen kann man immer und überall.

 

Was sind deine weiteren Ziele? Mit knapp 28 Jahren hast du hoffentlich noch einige Zeit als Fußballprofi vor dir.

28 werde ich erst im November. Es wäre schön mal länger gesund und verletzungsfrei zu bleiben. Dann kann ich sicher regelmäßig spielen und noch viele Tore schießen.

 

Gibt es eine Liga oder einen Verein wohin du es unbedingt noch schaffen willst? Und hast du dir schon Gedanken über die Zeit nach der aktiven Karriere gemacht?

Die deutsche Bundesliga war immer mein Ziel, bei Bayern München war ich immerhin ja schon. Über die Zeit nach der Karriere mache ich mir schon immer wieder Gedanken, auf diese Zeit muss man gut vorbereitet sein. Ich arbeite daran entweder beim Fußball bleiben zu können oder auch etwas komplett anderes zu machen. Aber ich hoffe das es noch einige Zeit dauert bis das eintritt.

 

Kommen wir zum Ende des Interviews. Gibt es etwas, was du den Fans in Österreich noch sagen willst?

Den Fans möchte ich sagen das sie das Nationalteam weiter so euphorisch unterstützen sollen wie in letzter Zeit. Ich hoffe dass das auch so weitergeht falls es wieder mal nicht so gut laufen sollte. 12terMann.at wünsche ich weiter viel Erfolg, ich finde es super das es so Plattformen gibt.

 

Vielen Dank für das Interview Daniel. 12terMann.at wünscht dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg.

 

Das Interview führte Matthias Riemer (Redakteur 12terMann.at)

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(Matthias Riemer)

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