Aris Limassol-Legionär Daniel Sikorski hat in seiner Karriere schon viel erleben dürfen. Mit uns plaudert der ehemalige Akteur des Bayern-Nachwuchs über seine verschiedenen Stationen, gibt beispielsweise Einblicke, wie in der dritten spanischen Liga gearbeitet wird, erzählt, was er in Zukunft für Pläne hat und verrät, welcher Fußballer ihn in einer ganz speziellen Hinsicht geprägt hat.


Daniel, erstmal herzlichen Dank, dass du dir für das Interview Zeit nimmst. Du bist nach deinem Aufenthalt beim spanischen Drittligisten CD Guijuelo aus der Region Salamanca nach kurzer Vereinslosigkeit seit wenigen Wochen in Zypern bei Aris Limassol in der zweiten Liga unter Vertrag. Wie kam der Kontakt mit dem zyprischen Traditionsverein zustande?

Ich habe ja bereits in Zypern für den Pafos FC und Nea Salamis gespielt und gerade bei Pafos habe ich als Top-Scorer des Vereins gute Leistungen gezeigt und Eindruck hinterlassen. Dadurch habe ich mir auf der Insel einen Namen gemacht, auch wenn die Zeit bei Nea Salamis weniger gut verlaufen ist und ich nur wenig Einsatzzeit zugesprochen bekommen habe. Doch schon nach meinem Aufenthalt bei Nea Salamis gab es bereits Angebote aus Zypern, ich wollte jedoch etwas Neues probieren bzw. sehen und bin dann nach Spanien gewechselt. Dennoch ist der Kontakt nach Zypern nie richtig abgebrochen und im Juni habe ich dann Aris Limassol zugesagt.

Zypern dürfte als Wohnort auch sehr lebenswert sein.

Auf jeden Fall, gerade in Hinblick auf die Familie. Meine Tochter geht hier zur Schule, lernt Englisch, auch meine Frau ist glücklich. Unser Haus befindet sich etwa zwei Minuten vom Strand entfernt, das macht schon Lebensfreude.

Aris Limassol ist eine typische Fahrstuhlmannschaft. Ihr startet am kommenden Freitag in die Saison (Anm. d. Red. Interview wurde am 9. September geführt / Das Eröffnungsspiel Onisilos vs Aris Limassol endete 1:1). Was sind eure Ziele für die kommende Spielzeit?

Der Aufstieg ist das erklärte Ziel. Aris teilt sich mit Apollon und AEL Limassol das gleiche Stadion, doch gerade ist ein neues Stadion im Bau, das im nächsten Jahr fertig werden soll. Geplant ist, die Stadioneröffnung in der ersten Liga feiern zu können.

Der zyprische Klubfußball ist immer wieder mal für Überraschungen bekannt und beheimatet zahlreiche Akteure aus aller Welt, die gegen Ende ihrer Karriere ihre Schuhe für diverse Vereine schnüren. Das Nationalteam hingegen hinkt da hinterher. Woran könnte dies deiner Meinung nach liegen?

Aus meiner Sicht gibt es da eine recht plausible Erklärung. Erst seit drei Jahren ist es Pflicht, dass bei einem Erstligisten mindestens zwei Zyprioten in der Startelf stehen müssen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann gibt es eine Strafe des Verbands. Die Jugendarbeit hat in Zypern zudem nicht den großen Stellenwert, der Fokus liegt eindeutig auf der jeweiligen ersten Mannschaft. Dazu kommt eine andere Mentalität vor Ort, viele Jugendspieler sehen lediglich die ersten beiden heimischen Ligen als ihr Ziel an. Viele denken nicht wirklich über die eigene Insel hinaus.

Doch es gibt mittlerweile einige gute Talente, die einen anderen Weg gehen und ihr Glück beispielsweise in Griechenland suchen, da dies noch dazu nicht so weit von der Heimat entfernt ist.

Nach deinem Abgang von der zweiten Mannschaft des FC Bayern München hast du relativ häufig den Verein gewechselt. Dein längster Aufenthalt war deine Zeit beim FC St. Gallen, für den du zwei Saisonen lang aufgelaufen bist. Ich stelle es mir als Fußballer wahnsinnig schwierig vor, sich nach einer Saison bereits auf einen neuen Verein einstellen zu müssen. Wie hast du die Umstellungen gemeistert, auch wenn wir jetzt erfahren durften, dass du gerne etwas Neues erlebst?

Ich bin bereits mit 14 Jahren aus dem Waldviertel nach St. Pölten gezogen, um dort in die Akademie gehen zu können. Mit 17 folgte dann der Umzug nach München. Ich musste mich somit schon früh an neue Gegebenheiten gewöhnen. Dass ich fast jedes Jahr den Verein gewechselt habe, hat aber teilweise auch andere Hintergründe. Mein erster Vertrag in Polen war ursprünglich für vier Jahre geplant, auch bei meinem zweiten Verein in Polen hatte ich einen langfristigen Vertrag unterschrieben. Leider gab es damals allerdings Zahlungsprobleme, woraufhin ich dann den Verein verlassen wollte. Auch in Ried erhielt ich einen Zweijahresvertrag, da scheiterte es dann an anderen Dingen, die ich hier nicht näher erläutern möchte.

Wenn ich jetzt zurückblicke, dann bin ich allerdings sehr dankbar, dass ich diesen Weg gegangen bin und all das gesehen habe. Alleine die Vielzahl an Personen, die ich kennenlernen durfte, mit denen ich nach wie vor versuche, so gut wie möglich, in Kontakt zu bleiben. Das kann später, auch nach der Karriere, nur von Vorteil sein. Mich rufen beispielsweise jetzt schon Berater an und fragen mich nach Meinungen, beispielsweise hinsichtlich der Zahlungsmoral von Vereinen etc. Da kann ich dann entweder selbst Auskunft geben oder mir die Informationen im Nu organisieren.

Du hast unter anderem in Polen, Zypern und Rumänien jeweils in der ersten Liga gespielt. Woran unterscheiden sich die Ligen, wo hast du dich spielerisch am wohlsten gefühlt?

In Polen ist der Themenbereich Fußball äußerst professionell aufgebaut. Das fängt bei den Medien an, geht bis zur Fankultur etc. Zudem ist Fußball in diesem Land klar die Nummer 1. Das hat allerdings auch seine verrückten Seiten, ein Beispiel: Es kann schon mal vorkommen, dass man sich nach einem Besuch eines Einkaufszentrums am nächsten Tag selbst aus der Zeitung lachen sieht. Als O-Ton wird dann quasi vermittelt, dass du zu viel Zeit im Einkaufszentrum verbringst. Spielerisch ist die Liga sehr kampfbetont, dazu kommen große Stadien und wie bereits erwähnt, ein sehr fußballinteressiertes Volk.

In Rumänien ist der Fußball weniger kampfbetont, dafür legt man dort mehr Wert auf Technik und Taktik. Man kann die Liga z.B. mit der zyprischen ersten Liga vergleichen, da auch in Rumänien viele Legionäre spielen, die mal in größeren ersten Ligen ihr Geld verdient haben.

Welche Liga hat dich aus deiner Sicht spielerisch nochmal einen Tick weiterentwickeln lassen?

Diesbezüglich bin ich froh, dass ich nach Spanien gewechselt bin. Nicht nur, dass ich dort auch Spanisch gelernt habe, es war einfach spannend zu sehen, wie es dort sportlich abläuft und die Vereine arbeiten. In der dritten Liga, der Segunda B (Anm. der Redaktion: Die dritte Liga ist in Spanien in vier unterschiedliche Ligen aufgeteilt, an denen 80 Teams teilnehmen), gibt es Vereine, die durchaus das Budget österreichischer Bundesligisten haben. Allerdings gibt es auch Teams, bei denen die Spieler Halbprofis sind und die nach getaner Arbeit noch zum Training kommen.

Im Hinblick auf Technik und Taktik habe ich dort Dinge erlebt, die ich in keiner höheren Liga bis dahin miterlebt habe. Beim Training kamst du dir teilweise wie ein U11-Spieler vor, der Trainer hat ein enormes Augenmerk auf die Ballannahme gesetzt. Aber mit Recht, denn die perfekte Annahme bringt dir schon mal ein bis zwei Sekunden, um den Ball dann perfekt und schnell weiterspielen zu können. Auch die Videoanalyse der Gegner war auf extrem hohen Niveau, der Trainer wusste von jedem Gegner die wichtigsten Informationen, Linksfuß, Rechtsfuß, Stärken, Schwächen etc. Diesen starken Fokus auf die taktischen und technischen Bereiche hätte ich mir in der dritten spanischen Liga nicht erwartet, doch es war extrem spannend, dies miterleben zu können.

Es spielen auch zahlreiche zweite Mannschaften der La Liga-Vereine in der Segunda B und es gibt tatsächlich viele gute Spieler. Wechseln die dann beispielsweise nach Österreich oder Polen, dann schlagen die dort oft ein – die SV Ried hat etwa gute Erfahrungen mit Spaniern gemacht.

Doch leider hat mir dann der Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich musste meinen Aufenthalt abbrechen.

Gut, dass du den Virus erwähnt hast, darauf wollte ich dich noch ansprechen. Du hast die Corona-Krise in der Region um Madrid intensiv miterlebt. Im Vergleich zu Spanien kamen wir in Österreich vergleichbar glimpflich davon. Wie schwer war es, die Situation vor Ort zu meistern?

Am Anfang haben wir die Situation selbst noch nicht wirklich wahrgenommen, ich habe zum Beispiel noch das Champions League-Spiel zwischen Real Madrid und Manchester City im Stadion besucht. Es entwickelte sich dann jedoch alles rasant ins Negative, wir haben von einem Tag auf den anderen über Kamera trainiert. Ich war selbst knapp sechs Wochen mehr oder weniger eingesperrt, durfte nur in den Supermarkt.

Zwei Wochen vor meiner Abreise war es dann zumindest wieder möglich, Laufen zu gehen, allerdings nur rund maximal einen Kilometer entfernt von zu Hause. Die Polizei hat mich dabei sogar des Öfteren kontrolliert

Die Situation wird psychisch wahrscheinlich nicht so einfach gewesen sein oder?

Jein. Da meine Familie leider nicht bei mir war, habe ich die Zeit eigentlich ganz gut für mich genutzt. Ich habe intensiv Spanisch gelernt und mich bei Instagram angemeldet.

Klingt so, als hättest du das Beste aus der Zeit gemacht.

Absolut. Als dann die Grenzen wieder offen waren, habe ich nach Flügen gesucht, um wieder nach Hause zu können. Doch beide Flüge, die ich gebucht habe, wurden storniert. Ich habe anschließend den Tipp eines Freundes befolgt und mir ein Auto gemietet. Mit diesem bin ich im Anschluss von Madrid über Barcelona, Frankreich und die Schweiz bis nach München gefahren.

Das war rückblickend wirklich eine super Reise, ich habe viele alte Bekannte getroffen, die ich teilweise über Jahre nicht gesehen habe. Die Fahrt hat wirklich viel Spaß gemacht, in Barcelona war ich beispielsweise fast alleine am Strand.

Du hast in einem Interview mit uns im Jahr 2015 gemeint, dass du dich auf die Zeit nach deiner Karriere vorbereiten willst. Damals meintest du, dass du es dir vorstellen könntest, dem Fußball auch nach dem Karriereende treu zu bleiben. Nach allem, was du uns erzählt hast, deine Connections, deine offensichtliche Freude am Sport, schätze ich, dass du von deinem Ziel nicht abgekommen bist.

Auf keinen Fall – wie du richtig erkannt hast, ich liebe diesen Sport einfach zu sehr. Jetzt bin ich noch nicht wirklich lange bei Aris Limassol, doch ich merke auch hier, dass es mir einfach wahnsinnig viel Spaß macht, jungen Spielern meine Erfahrungen weitergeben zu können, auch in privater Hinsicht. Das hat damals schon beim FC Bayern angefangen, als ich David Alaba immer wieder mal unterstützt habe. Bezüglich dieser Thematik hat mich eine Person sehr geprägt – das war Stefan Maierhofer. Er hat mir als junger Spieler gezeigt, wie wichtig es ist, dass man sich richtig um sich selbst kümmert. Gemeinsam mit den Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, versuche ich dies gesammelt nun an junge Spieler, aber auch teilweise an gleichaltrige Kollegen, weiterzugeben.

Ich will ganz sicher im Fußballbusiness bleiben und auch meine aufgebauten Kontakte zukünftig nutzen, auch wenn ich noch nicht ganz genau weiß, in welchem Zusammenhang bzw. Themenbereich dies zukünftig sein wird.

Daniel, danke dir für das nette Interview und alles Gute für die kommende Saison

Danke! Danke auch dir für das Interview.

(Interview wurde am 9. September 2020 geführt)

 

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