Neben drei aktiven Kickern sind in den beiden belgischen Profiligen genauso viele österreichische Trainer angestellt, so viele wie in keinem anderen Land. Die 12terMann.at-Serie „Die große Pause“ wirft in Teil 2 einen Blick in das Geburtsland der Pommes frites.

Photo-Credits: KV Oostende, OH LeuvenSK Beveren

 

Das kleine Belgien nahm mit einer Armada an grandiosen Kickern zum 14. Mal an einer WM-Endrunde teil, doch dass die Zeit der Goldenen Generation um Superstar Kevin de Bruyne vorbei ist, wurde der Welt ohne Wenn und Aber präsentiert. Den „Roten Teufeln“ wurde keineswegs ein Großangriff auf den Weltmeistertitel mehr zugetraut, doch das desolate Vorrunden-Aus kam am Ende trotzdem überraschend.

Es ist der vorläufige Tiefpunkt nach einer Reihe von Enttäuschungen bei vorangegangenen Turnieren. Bis die Endrunde in Katar vorbei ist, ruht der Erstligabetrieb bis zum Weihnachtsfest. Der Verband spekulierte sicher auf bessere Resultate, denn erst am 23. Dezember geigen die Spieler in der Jupiler Pro League wieder auf. Eine Ebene darunter wird während dessen wie gewohnt weitergespielt.

Holzhauser nur zweite Wahl

In der großen Pause ist somit auch schon Raphael Holzhauser, der sich in Belgien schon ziemlich gut auskennen müsste. Der 1,93-Meter-Hüne aus der Rapid-Jugend, dem in der Bundesliga bei der Wiener Austria der Durchbruch gelang, spielt seit 2019 dort.

Nach drei persönlich durchaus erfolgreichen Jahren mit dem K Beerschot VA spielt er seit Sommer bei Oud-Haverlee Leuven. In der Universitätsstadt gelang es dem inzwischen 29-Jährigen bisher nicht, sich in der Startformation festzuspielen. Auf seiner Position im offensiven Mittelfeld bekommt der zwei Jahre jüngere Mathieu Maertens den Vorzug, der obendrein die Kapitänsschleife trägt.

Leuven liegt derzeit auf Rang sieben, für Holzhauser blieb angesichts des guten Saisonstarts nur eine eingeschränkte Bankrolle über. Trotz dieser Umstände hält er in 12 Einsätzen bei immerhin einem Tor und drei Vorlagen. Vor der WM-Pause gewann der Klub 5:0 gegen den Tabellenletzten RFC Seraing, dabei stand Holzhauser zum zweiten Mal in dieser Saison nicht einmal auf dem Spielbogen.

Muslic mit bärenstarkem Einstand

Einen Platz hinter OH Leuven, aber mit gleicher Punktzahl, ist Cercle Brügge klassiert. Seit Miron Muslic dort interimistisch übernommen hat, geht es für den Traditionsklub steil bergauf. Der 40-Jährige gewann mit den „Schwarz-Grünen“ sechs von acht Spielen und führte sie aus dem Abstiegskampf in das Tabellenmittelfeld der ersten Liga. Als Belohnung geht er als Cheftrainer in die Rückrunde.

Aktuell ist Cercle seit sechs Spielen ungeschlagen, auf den ersten Abstiegsplatz fehlen 12 Zähler. Das Um und Auf des guten Laufs ist das kongeniale Sturmduo. Der junge Togolese Kévin Denkey sowie der japanische Neuzugang und WM-Fahrer Ayase Ueda erzielten unter Muslic gemeinsam bereits acht Tore. 

Zurück zum Start für Thalhammer

Übernommen hat Muslic bekanntlich das Amt von Dominik Thalhammer, der bei Cercle Brügge nach einem schwachen Saisonstart gehen musste. Thalhammer blieb aber nur sechs Wochen arbeitslos. Anfang November übernahm er den Ligakonkurrenten KV Oostende, den er aus dem Abstiegskampf führen soll.

Thalhammer stand beim Tabellenvierzehnten bis zur Pause erst in zwei Spielen an der Seitenlinie. Nach einem Arbeitssieg gegen den ebenfalls kriselnden KV Kortrijk gingen die „Kustboys“ eine Woche darauf beim Aufsteiger KVC Westerlo mit 0:6 unter. Der langjährige belgische Nationalspieler Nacer Chadli verwandelte in diesem Spiel unter anderem einen Strafstoß.

Aufstieg mit Wieland und Meisl?

Raphael Holzhauser kehrte dem K Beerschot VA im Sommer den Rücken, weil der Klub aus der ersten Liga abstiegen war. Die Mission Wiederaufstieg wurde dort Andreas Wieland anvertraut. Der 39-jährige Wiener davor als Übungsleiter beim LASK tätig, war dort davor Co-Trainer von Dominik Thalhammer.

Der Verein aus Antwerpen war explizit auf der Suche nach einem ähnlichen Typus wie Thalhammer, der den beliebten Pressing-Fußball praktiziert. Mit Wieland ist für die in Violettfarben auflaufende Mannschaft heuer alles drinnen. In einem packenden Auftsiegskampf übernahm Beerschot zuletzt sogar die Tabellenspitze, die vier letzten Ligaspiele konnten allesamt gewonnen werden.

Wieland vertraute in der Innenverteidigung lange auf Neuzugang Luca Meisl. Der 23-jährige Akademie-Alumni von RB Salzburg kam nach Vertragsende bei der SV Ried zeitgleich mit Wieland nach Belgien und wurde trotz eines intakten Ligabetriebs zuletzt zu einer ungewollten Pause verdammt. Er büßte nämlich seinen Stammplatz ein. Spielfeldluft schnuppert er so meist lediglich in den Schlussminuten, wenn ihn Wieland als defensive Absicherung bringt.

Kreuzbandriss stoppte Maderners Lauf

Mit einem Punkt Rückstand ist der SK Beveren der erste Verfolger auf Beerschot in der Challenger Pro League. Dort steht mit Daniel Maderner der letzte der sechs Belgien-Legionäre unter Vertrag. Bereits in der vergangenen Saison ging der 27-Jährige für den Klub aus Ostflandern auf Torejagd, der damals noch unter dem etablierteren Namen Waasland-Beveren antrat.

Letztes Jahr netzte Maderner 13-mal und wurde Torschützenkönig der zweiten Liga. Eine Titelverteidigung wird heuer aber schwierig. Nach einem hervorragenden Start mit drei Buden in sechs Spielen zog sich der ehemalige Altacher und Wiener Neustädter einen Kreuzbandriss zu, der ihn bis zum Frühling zum Zusehen verdammt.

Bis hierhergekommen? Schau dir hier auch gleich noch die anderen Teile der Serie „Die große Pause“ an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.