Daniel Royer hat in seiner Profikarriere schon viel erlebt. Der gebürtige Schladminger ist nach Stationen in Österreich, Deutschland und Dänemark mittlerweile über den großen Teich gezogen und schnürt aktuell für Red Bull New York seine Fußballschuhe. Mit uns spricht der Mittelfeldspieler über seine ersten Eindrücke von der Weltmetropole, den amerikanischen Fußball, seine Ziele und verrät uns, wo er in seiner bisherigen Karriere am meisten gelernt hat.

Anfang August bist du von der beschaulichen dänischen Stadt Silkeborg nach New York gezogen. Was waren denn deine ersten Eindrücke von deiner neuen Heimat und hast du dich im „Big Apple“ mittlerweile schon gut eingelebt?

Es ist natürlich ein enormer Unterschied zwischen der Stadt, in der ich zuvor wohnte und meinem jetzigen Wohnort. Silkeborg war ziemlich klein, sehr familiär, wie allgemein in Dänemark. Aber mir taugen große Städte sowieso und von dem her war ich eigentlich ziemlich aufgeregt und gespannt, wie es dann so sein wird in New York. Die ersten Eindrücke sind sehr gut gewesen und ich habe mich eigentlich sehr schnell einleben können und fühle mich mittlerweile richtig wohl.

Du hast nach nur einem Jahr deine Zelte in Dänemark abgebrochen. Der Start beim FC Midtjylland war eigentlich sehr vielversprechend. Du kamst regelmäßig zum Einsatz und wusstest auch zu überzeugen. Warum wurden deine Einsätze dann plötzlich weniger?

Das erste halbe Jahr ist eigentlich super gelaufen für mich. Ich habe mich auch richtig wohl gefühlt in Dänemark. Fürs Erste ist es super gelaufen und ich habe auch viel gespielt. Wir haben uns für die Europa League qualifiziert, was dem Verein zuvor noch nie gelungen ist. Das zweite Halbjahr war für mich aus sportlicher Sicht leider nicht mehr so erfolgreich. Das lag unter anderem auch daran, dass ich in der Wintervorbereitung ein paar Wochen verletzt war, weil ich eine Archillessehnenentzündung gehabt habe. Ich bin zwar nur für etwa drei Wochen ausgefallen, doch dann hat es sich so entwickelt, dass ich nicht mehr so oft gespielt habe wie in der Hinrunde – was natürlich für mich nicht ideal war. Ich hätte prinzipiell ja noch drei Jahre Vertrag in Dänemark gehabt – also bin ich nicht nervös geworden. Aber nachdem dann das Interesse von New York gekommen ist, habe ich mir nochmal alles durch den Kopf gehen lassen und es haben dann sehr viele Argumente für den Wechsel gesprochen.

New York ist für mich eine der besten Städte der Welt, wenn nicht sogar die beste.

Viele Fußballer wechseln in die USA, um ihre Karriere ausklingen zu lassen. Du dagegen befindest dich gerade im besten Fußballeralter. Was waren für dich schlussendlich die ausschlaggebenden Gründe für den doch überraschenden Transfer über den großen Teich?

Es sind eigentlich viele Gründe zusammengekommen und das Gesamtpaket hat einfach überzeugt. Die Mannschaft habe ich schon gekannt, zum Glück sieht man jetzt auch einige Spiele der Major League Soccer auf Eurosport. Natürlich habe ich somit auch versucht, dass ich Red Bull New York so gut wie möglich verfolge – vor allem nachdem ich von ihrem Interesse erfahren habe. Ich habe gesehen, dass die eigentlich einen richtig guten Fußball spielen und habe mir gedacht, dass ich da gut dazupassen könnte. Der Verein hat mir das Gefühl gegeben, dass er mich unbedingt haben will. NY Red Bull ist ein Verein mit einer richtig guten Mannschaft, mit einem richtig guten Charakter, mit großen Zielen und New York ist für mich eine der besten Städte der Welt, wenn nicht sogar die beste. Es hat zwar ein wenig gedauert, bis wir in allen Bereichen auf einen grünen Zweig gekommen sind – der Kontakt und die Verhandlungen haben etwa zwei Monate in Anspruch genommen. Aber schlussendlich gab es so viele positive Gründe bzw. eigentlich nur positive Gründe um nach New York zu wechseln und das war dann ausschlaggebend.

Nach anfänglichen Kurzeinsätzen konntest du dir in den letzten Spielen einen Stammplatz erkämpfen und gegen Montreal dein erstes Ligator erzielen. Doch inmitten deines Erfolgslaufes hast du dir einen Muskelfaserriss zugezogen. Wie geht es dir zurzeit bei der Genesung?

Mittlerweile sind es fast vier Wochen, dass ich verletzt bin. Ich bin auf einem guten Weg und die Reha verläuft eigentlich ganz gut. Es geht voran, aber nur Schritt für Schritt. Ich kann jetzt nicht genau sagen bzw. abschätzen, wie lange es noch dauern wird, aber wir sind auf einem guten Weg. Es wird halt noch ein bisschen dauern, aber ich hoffe, dass ich zu den Play-Offs wieder fit werde.

Die New York Red Bulls haben die Regular Season auf dem ersten Platz der Eastern Conference abgeschlossen. Ende Oktober (bzw. Anfang November) geht es mit der ersten Play-Off-Runde in die entscheidende Saisonphase der MLS. Wann wären Play-Off-Einsätze nach deiner Verletzung noch möglich?

Wir werden sehen, wie schnell alles verheilt und wie schnell ich wieder fit bin. Es kommt auch darauf an, wie weit wir in den Play-Offs kommen. Falls sich die ersten Spiele für mich nicht ausgehen, wir aber in diesen Runden ausscheiden, dann wars das logischerweise für mich – dann ist die Saison vorbei. Aber wenn ich dann wieder fit bin und die Mannschaft noch im Bewerb ist, dann hoffe ich, dass es sich noch ausgeht. Die Play-Offs fangen ja Anfang November an und wenn wir im Optimalfall ins Finale kommen (Anm. der Red.: Finalspiel am 11. Dezember), dann ist bis dahin natürlich noch sehr viel Zeit. Aber wie gesagt, man weiß ja nicht, wie weit wir kommen werden.

Im Vorjahr sind die Red Bulls im Finale der Eastern Conference an Columbus Crew gescheitert. Ich nehme an, das heurige Ziel ist die Meisterschaft, oder?

Die Meisterschaft ist in Amerika mehr oder weniger der MLS-Cup und dieser ist das große Ziel vom Verein – also dass wir den MLS-Cup gewinnen. Das ist die große Zielsetzung des Vereins, vor allem da der Verein diesen Titel noch nie gewinnen konnte.

Die amerikanische Liga ist besser, als man in Europa glaubt […] Es herrscht ein sehr hohes Tempo, die Liga ist physisch sehr gut.

Der amerikanische Fußball ist definitiv anders als der europäische Kick. Das Tempo ist enorm, ein ständiges Hin und Her wird den Zuschauern präsentiert, die Spiele sind durchaus unterhaltsam. Dafür sieht man teilweise taktische Unstimmigkeiten. Täuscht es, oder ist die MLS bezüglich der Taktik vielleicht noch etwas im Rückstand?

Ja, ich denke, das habt ihr so ziemlich gut beschrieben. Die Liga ist aber besser, als man in Europa glaubt. Wobei man auch sagen muss, dass man in den letzten Jahren eine Entwicklung der Liga sieht und ich bin mir auch sicher, dass diese auch in den nächsten Jahren noch weiter gehen wird. Es herrscht ein sehr hohes Tempo, die Liga ist physisch sehr gut. Wie ihr schon richtig gesagt habt, es geht hin und her und natürlich fehlt es ein bisschen, um eine internationale Weltklasseliga zu sein. Logischerweise hat die Liga nicht das Niveau der deutschen Bundesliga oder der Premier League. Aber ich glaube die Liga ist insgesamt auf einem sehr guten Weg.

Mit Sasha Kljestan und den Wright-Philips-Brüdern hast du auch wirklich gute Kicker als Teamkollegen. Kann man von diesen als Daniel Royer noch etwas lernen?

Sicher, man kann immer etwas lernen. Die Mannschaft hat einen super Charakter und die drei aufgezählten Spieler sind Topspieler, die eine richtig gute Karriere vorzuweisen haben. Von denen kann ich natürlich noch einiges lernen und ich muss auch erwähnen, dass die drei auch menschlich richtig top sind. Daher macht es wirklich Spaß mit ihnen zusammenzuspielen.

Dein Coach Jesse Marsch schwärmte bereits in den höchsten Tönen von dir. Er sprach unter anderem von einer wundervollen Ergänzung für seine Mannschaft. Wie gut tun solche Worte für das eigene Selbstvertrauen, vor allem nach der zuletzt schwierigeren Zeit in Dänemark?

Generell tun solche Worte immer gut, weil sowas gibt einem wieder Selbstvertrauen und es ist gut zu hören, vor allem wenn man neu in einer Mannschaft ist. Es ist schön zu hören, egal ob von außen, vom Trainer oder von den Mitspielern, wenn jemand mit meinen Leistungen zufrieden ist und man lobende Worte bekommt. Aber es war jetzt nicht so, dass ich ohne Selbstvertrauen nach New York gekommen bin. Das letzte halbe Jahr in Dänemark hat mich jetzt nicht aus der Bahn geworfen.

Aber es ist auf jeden Fall zu merken, dass Fußball an sich boomt, dass Fußball an Stellenwert gewinnt […]

Der Fußball scheint in den USA seit einigen Jahren immer mehr an Beliebtheit zu gewinnen. Wie würdest du persönlich den Stellenwert des Fußballs hier einstufen?

Es ist Amerika, da gibt es schon noch Sportarten, die höher einzuschätzen sind. Fußball ist natürlich nicht die Sportart Nr. 1 – da gibt es noch American Football, das komplett andere Dimensionen hat. Es gibt auch noch Baseball, Eishockey und Basketball, die hier auch einen sehr großen Stellenwert einnehmen. So gesehen gehört Fußball nicht zu den Sportarten Nr. 1, das sind definitiv American Football und Baseball. Aber es ist auf jeden Fall zu merken, dass Fußball an sich boomt, dass Fußball an Stellenwert gewinnt und was ich von den Mitspielern mitbekomme, strebt auch die Jugend und die jüngere Generation jetzt mehr nach Fußball, als je zuvor.

Einige Kicker, die in der MLS spielen, haben nach der Saison zwischenzeitlich eine Herausforderung in einer europäischen Liga gesucht, um dann zum Trainingsstart wieder zu ihren Klubs zurückzukehren. Würde dich das auch reizen oder ist das für dich kein Thema?

Das ist für mich persönlich kein Thema.

Ich denke am meisten gelernt habe ich bei Hannover 96.

New York ist mittlerweile deine vierte Auslandsstation, gleichzeitig dein siebter Verein in deiner Profizeit. Wo hast du im Laufe deiner bisherigen Karriere am meisten gelernt?

Ich denke am meisten gelernt habe ich bei Hannover 96. Das war damals ein Riesenschritt für mich nach meiner ersten Profisaison bei der SV Ried. Der Wechsel zu Hannover war eine große Umstellung für mich. Es war ein sehr lehrreiches Jahr in Hannover und wenn ich diese Zeit mit meiner Zeit bei anderen Vereinen vergleiche, dann glaube ich, dass ich dort am meisten gelernt habe.

Mit der Austria hast du in der Champions League gespielt, mit Midtylland in der Europa League. Ist es von dir nochmal ein Ziel, dass du in einem dieser Bewerbe aufzeigen kannst?

Da mache ich mir zurzeit eigentlich keine Gedanken, da ich momentan weder in der Champions League noch in der Europa League spielen werde. Sehr gut ist, dass ich in beiden Bewerben schon gespielt habe und die Erfahrungen schon gesammelt habe. Das ist mir sehr wichtig und darauf lege ich auch großen Wert. Und jetzt ist eine ganz andere Station dran, jetzt bin ich in Amerika und ich möchte hier Erfolg haben und meine Leistung bringen und dann schauen, was in der Zukunft alles passiert. Aber ich bin jetzt nicht so eingestellt, dass ich krampfhaft in meinem Kopf drinnen habe, dass ich unbedingt nochmal in der Europa League oder Champions League spielen muss. Wenn sich das irgendwann nochmal ergeben sollte, ist das natürlich eine coole Sache, aber da mache ich mir momentan überhaupt keine Gedanken.

Unter Dietmar Constantini durftest du auch Länderspielerfahrung sammeln. Hattest du mit Marcel Koller jemals Kontakt?

Ja, wir hatten Kontakt, aber das ist mittlerweile schon einige Zeit her. Man kommt nur ins Nationalteam, wenn man bei seinem Verein gute Leistungen über einen längeren Zeitraum bringt und alles andere wird dann von anderen Leuten entschieden. Das heißt mein tägliches Brot ist Red Bull New York und ich schaue, dass ich hier erfolgreich bin und alles andere wäre dann ein Bonus. Natürlich aber würde es mich sehr freuen, wenn ich wieder eine Einberufung bekommen würde.

Wie siehst du die aktuelle Entwicklung des Nationalteams? Nach der ersten Niederlage in vierzehn Qualifikationsspielen und der leider verpatzten Euro ist in den heimischen Medien gerade die Hölle los.

In Österreich haben wir gerne mal die Mentalität, dass im Falle eines über einen gewissen Zeitraum gut spielenden Teams, wir gleich glauben, dass das Team die Europameisterschaft gewinnen muss. Und wenns dann nicht mehr so läuft, wie man sich es vorstellt, dann wird wieder komplett schwarzgemalt. Ich bin kein Fan davon und ich finde, dass sich das Nationalteam in den letzten Jahren sensationell entwickelt hat. Wir haben einen richtig guten Teamkader mit Legionären, die in richtig guten Ligen spielen. Die Mannschaft ist enorm gewachsen und ich bin ein totaler Fan, wenn ich zuschaue. Für mich sind beide Richtungen extrem übertrieben (Hochjubeln und Schwarzmalerei). Wenn man dann einmal gegen eine Mannschaft nicht so gut spielt oder verliert, wo man eigentlich etwas anderes erwartet hätte, dann wird wieder komplett schwarzgemalt. Wenn man eine gute EM-Quali spielt, meint jeder hier, dass man Europameister wird und das ist auch nicht förderlich für die Mannschaft, denn die bekommt das natürlich alles mit. Ich muss die Mannschaft da ganz klar in Schutz nehmen und finde, dass sie sich sehr gut entwickelt hat und ich glaube, dass sie sich auf einem guten Weg befindet.

Du hast zuletzt mit einer tollen Aktion für deinen Heimatverein FC Schladming für Begeisterung gesorgt, als du der U13-Mannschaft Trainingsanzüge spendiert hast. Spielst du mit dem Gedanken irgendwann einmal wieder für deinen Heimatverein zu spielen bzw. dort deine Karriere zu beenden?

Da habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken darüber gemacht. Ich bin derzeit 26 Jahre alt und habe keine Ahnung, wie meine Karriere noch verlaufen wird. Eines ist aber ganz klar, mein Heimatverein liegt mir sehr am Herzen und das weiß man auch in meiner Heimat. Wenn ich daheim bin, komme ich gerne zu den Spielen und drücke ganz fest die Daumen. Es gibt viele Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe und ich habe viele Freunde in der Mannschaft. Es ist mein Heimatverein, ich habe dort meinen ersten fußballerischen Schritt gemacht. So gesehen war es für mich einfach mal an der Zeit, dass ich ein Zeichen setze und ich bin einfach sehr froh, dass diese Aktion bei den Jungs so gut angekommen ist und dass sie eine Riesenfreude damit haben. Und dann schauen wir mal, was sich noch so alles in der Zukunft ergibt. Ich lasse alles auf mich zukommen und möchte unbedingt noch einige Jahre erfolgreich Fußball spielen – darauf liegt momentan mein Fokus.

Dani, vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine Zukunft!

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