Der kometenhafte Aufstieg von Gerhard Struber hat den Salzburger zu den New York Red Bulls geführt. Vor einem Jahr nach Trainer beim WAC im kleinen Wolfsburg, lebt und arbeitet der 43-Jährige nun im Big Apple. Wir waren dabei, als er über seine Pläne gesprochen hat.


“Ein kurioses Jahr liegt hinter mit“, gibt Gerhard Struber im Rahmen einer Presserunde bei der 12terMann.at anwesend war, schmunzelnd. Nach den guten Leistungen mit dem WAC, darunter dem fulminanten 4:0-Erfolg in der Europa League über Borussia Mönchengladbach, prasselten Anfragen aus Deutschland und England auf den Salzburger ein. Die Entscheidung fiel schließlich auf den FC Barnsley und die Championship. „Mir war bewusst, dass man eine Chance nach England zu gehen als österreichischer Trainer nicht alle Tage bekommt“, erklärt Struber seinen raschen Abgang von den Kärntnern vergangenen November. Auch in Barnsley gelang dem heimischen Trainerfuchs sich wieder einen Namen zu machen. Mit einem starken Saisonfinish bewahrte Struber seine Mannschaft vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit. Wieder wurde der Name Strubers international publik.

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„Als ich im Jänner nach Österreich zurückkehrte, rechnete ich mit einem Verbleib in England“, so Struber – doch es kam bekanntermaßen anders. Die New York Red Bulls klopften bei ihm an und er sagte zu. Bereits zu Beginn seiner Trainerlaufbahn inhalierte Struber die Red-Bull-DNA. So coachte Struber diverse Salzburger Nachwuchsteams wie unter anderem Liefering oder die Salzburger Youth League-Mannschaft 2017 und 2018. „Ich kenne die Philosophie wie wir spielen wollen, ich kenne einige Menschen in der Red-Bull-Welt und weiß auch über die hohen Ziele und den hohen Standard Beschied“, sieht der Neo-Trainer bereits einen Vorteil in seiner neuen Beschäftigung. Als Grund für seinen erneuten schnellen Wechsel gab Struber eben auch diese Philosophie an. „New York wollte mich unbedingt und ich sah die Chance gegeben, meine ambitionierten Ziele, mich als Trainer und die Spieler weiterzuentwickeln, zu verwirklichen.“

Die Qualität der US-amerikanischen Liga MLS ist Struber zufolge hoch. Sie sei südamerikanisch geprägt, hat demnach einen hohen Spielwitz und auch die Physis sei durchaus mit der englischen Championship vergleichbar. Der große Unterschied zu österreichischen oder anderen europäischen Ligen ist jedoch die Einflusssphäre, die ein Trainer hat. „Es gibt taktisch einen Spielraum und genau da gilt es dann die Hebel anzusetzen“. Die Ziele, die Struber mit den Bullen verfolgt sind typisch für die geflügelten Mannschaften. Vor allem junge Spieler sollen ausgebildet werden, die die Red Bulls New York „als Trampolin für den Sprung nach Europa nutzen können“. Die inkonstanten Leistungen der Amerikaner in den vergangenen Saisonen sollen zudem auch gestoppt werden unter Struber: „Wir wollen natürlich uns in der Liga ganz vorne etablieren und um den Titel mitkämpfen und sind daher ständig auf der Suche nach jungen hungrigen Spielern.“

 

 

Trotz der Fokussierung auf den Nachwuchs bleibt aber der einzige Österreicher im Kader in New York. Mit Daniel Royer verfügt Struber über einen gestandenen Profi, der sich in den letzten Jahren in der MLS etabliert hat und auch in der Folge bleibt der Steirer in der Planung von Struber enthalten.

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Struber, der vor seinem Engagement in New York öfters mit Jesse Marsch in Kontakt war, streut dem österreichischen Fußball zudem Rosen. Er werde international immer wieder darauf angesprochen, welch gute Arbeit Österreich in der Entwicklung von Spielern macht. „Österreich ist in der Ausbildung von jungen Spielern auf einen sehr guten Weg, da diese mit viel Einsatzzeit belohnt würden – das macht Österreich zu einem sehr interessanten Markt“. Ganz ausschließen, dass der ein oder andere Spieler aus der heimischen Bundesliga Struber in den Big Apple begleitet, will er jedenfalls nicht. In den nächsten Wochen und Monaten geht es nämlich um die Vorbereitung für die kommende Saison, wo auch europäische Spieler den New York Red Bulls unter die Arme greifen sollen. Wann die Saison genau losgeht, ist aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht bekannt, das verkompliziert auch etwas die Planung, da erst sechs Wochen vor Saisonbeginn die Vorbereitung starten darf. Dann soll es für Struber und sein Team aber in den Sonnenstadt Florida zum Trainigslager gehen.

Bis dahin verbringt Struber jedoch die Zeit noch in seiner Heimat Kuchl mit seiner Familie. Diese wird anders als bei den letzten Stationen Struber über den Atlantik nachfolgen, um „das Familienleben, das wir immer wollten“, zu genießen. Man darf hoffen, dass dies ähnlich wie der sportliche Erfolg gelingt.