Nachdem Österreich-Legionäre in Italien besonders seit Herbert Prohaska und Walter Schachner Tradition haben, wurde es in den letzten Jahren eher ruhig um österreichische Kicker im Land des amtierenden Europameisters. Seit spätestens dieser Saison gilt Italien allerdings wieder als Legionärs-Hochburg und deshalb blickt 12terMann.at in der Serie “Die Große Pause” in Teil drei in das beliebte Urlaubsland.

Titelbild-Credits: US Cremonese Website, FC Bologna Website, FC Turin Website

Italien ist fußballtechnisch ein merkwürdiges Land, verpasste man doch sowohl die WM 2018, als auch die aktuelle, aber wurde man zwischendrin noch schnell Europameister. Während also die Nationalmannschaft seit Jahren eine Achterbahnfahrt hinlegt, fährt die Serie A konstant nur nach oben und entwickelt sich kontinuierlich zur spannendsten Topliga Europas. Einen Anteil daran haben auch fünf Legionäre aus Österreich.

Lazaro auf links

Als Valentino Lazaro im Juni in der Nations League in Dänemark auf der Linksverteidigerposition startete, war das Unverständnis über diese Entscheidung groß. Die damalige Leistung rechtfertigte die Kritik auch einigermaßen, das Experiment galt als gescheitert. Im August wechselte Lazaro auf Leihbasis von Inter Mailand zum FC Turin und wird dort von Trainer Ivan Juric als Wingback eingesetzt – meistens auf links.

In den ersten drei Spieltagen noch zweimal eingewechselt und einmal 90 Minuten nur auf der Bank, stand er in den restlichen zwölf Spielen elfmal in der Startelf, nur einmal wurde er geschont. Seit Mitte September beackert er die linke Seite und das durchwegs solide. Eine Vorlage in der Liga und eine Vorlage bei zwei Kurzeinsätzen in der Coppa Italia stehen beim 26-jährigen Grazer für den Tabellenneunten zu Buche, und vielleicht wird er bei weiterer konstanter Leistung auch wieder ein Thema für Ralf Rangnick.

Tormaschine und Positionswechsel

Sowieso ein Thema bei Ralf Rangnick sind Marko Arnautovic und Stefan Posch vom FC Bologna. Der 33-jährige Arnautovic erlebt in dieser Saison wieder einmal seinen x-ten Frühling. In 14 von 17 Spielen stand er in der Startelf, dazu erzielte acht Treffer in der Serie A, das sind 40 Prozent aller Bologna-Tore. Arnautovic etabliert sich in seiner zweiten Saison endgültig als Lebensversicherung von Bologna.

Zu so einer kann sich Stefan Posch noch entwickeln. Der 25-jährige Steirer kam am letzten Tag der Transferperiode leihweise von der TSG Hoffenheim, und hat sich als Stammspieler in der Elf von Thiago Motta festgespielt. Anfangs noch in seiner gelernten Position als Innenverteidiger, bekleidet Posch seit Mitte Oktober die Rechtsverteidigerposition beim Tabellenzehnten, und das sehr erfolgreich. Ein Tor und ein Assist konnte Posch in seinen neun Einsätzen bereits bejubeln und vielleicht kommen in der Rückrunde noch einige mehr bei den Rossoblu hinzu.

Von Real und Bayern in den Süden Italiens

Einige Einsätze sollen auch bei Flavius Daniliuc noch dazukommen. Der 21-jährige Innenverteidiger hat bereits eine aufregende Karriere hinter sich. Von der Jugend Rapids gings 2011 in die Jugend von Real Madrid, 2015 dann nach München zum FC Bayern. Nachdem er in Deutschland keine Perspektive mehr sah, ging es 2020 zum OGC Nizza und nachdem er am Saisonstart noch zwei Ligue 1-Spiele absolvierte, wechselte Daniliuc Ende August für kolpotierte fünf Millionen Euro zur US Salernitana. Dort ist er unumstrittener Stammspieler, in neun von elf möglichen Spielen stand Daniliuc über die vollen 90 Minuten am Platz und hilft mit, dass der Abstiegskandidat bei Platz zwölf in der Tabelle tatsächlich relativ wenig damit zu tun hat. Und wer weiß, vielleicht führt ihn sein Weg irgendwann zurück zu einem absoluten Topverein.

Beinharter Abstiegskampf für Rapid-Abgang

Während sich also die ersten vier Legionäre im Tabellenmittelfeld vermutlich nicht mehr großartig mit dem Abstieg befassen müssen, ist der Fünfte mittendrin im Abstiegskampf. Die Rede ist von Emanuel Aiwu, der im Sommer zu Aufsteiger US Cremonese wechselte. Aiwu stand in 14 von 17 möglichen Pflichtspielen auf dem Platz, zwölfmal davon in der Startelf. Auch wenn der 21-jährige Innenverteidiger oftmals solide Leistungen abliefert, hat er in der Serie A noch keinen Sieg bejubeln dürfen. Und weil Cremonese als einziges Team der Serie A den ganzen Herbst nicht gewann, fehlen sechs Punkte auf das rettende Ufer, mit einem Kraftakt im Frühjahr liegt der Klassenerhalt aber noch im Bereich des Möglichen.

Während also in der Serie A jeder der fünf Österreicher Stammspieler seines Teams ist und durchaus ansprechende Leistungen zeigt, läuft es in der Serie B trotz des ein oder anderen prominenten Namens ganz anders.

Serie B als Unglücksort

Venezia FC war letztes Jahr der Österreicher-Export schlechthin der Serie A, nach dem Abstieg blieben noch Maximilian Ullmann und Michael Svoboda über. Beide stehen zwar in der Hafenstadt unter Vertrag, eine Rolle spielen sie dort aber nicht. Ullmann stand in den 14 Runden fünfmal auf dem Platz, dreimal durfte der 26-jährige Linksverteidiger dabei beginnen, eine magere Bilanz für den Winterneuzugang der Vorsaison.

Über ähnlich wenig Spielzeit kann sich Michael Svoboda beklagen, der 24-jährige Innenverteidiger spielte ebenfalls in vier Spielen dreimal von Beginn an. Immerhin kam er in den letzten Wochen vermehrt zum Einsatz, aber die Einsatzzeit der beiden Legionäre ist ähnlich bescheiden wie die Leistung des Vereins insgesamt. In der 20-Mannschaften-Liga liegt man auf Platz 19 und droht, in die Serie C durchgereicht zu werden.

Bei einem anderen Absteiger steht Stefan Ilsanker unter Vertrag. Der 33-jährige Europa-League-Sieger wechselte im Sommer zum CFC Genua. Der Verein liegt zwar auf Platz drei und damit im Aufstiegskampf, Ilsanker hat dazu allerdings nur bei sechs Einwechslungen und einem Spiel über 45 Minuten beigetragen. 148 Einsatzminuten lesen sich für einen 61-fachen Nationalspieler in einer zweithöchsten Spielklasse schon eher mau.

Ebenfalls mau liest sich die Statistik von Robert Gucher. Der 31-jährige Steirer, der abgesehen von einer kurzen Unterbrechung bei der SV Kapfenberg seit 14 Jahren in Italien spielt, kriegt in der Saison keinen Fuß auf dem Boden. Beim Tabellenzehnten, AC Pisa, spielt er nämlich gar keine Rolle mehr, er stand in dieser Saison nicht einmal im Kader.

Noch nicht genug von den österreichischen Legionären? Die anderen Teile der “Großen Pause” findest du hier.

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