Alexander Manninger und Jürgen Macho haben es anno dazumal geschafft – mit Daniel Bachmann steht ein weiterer Österreicher beim FC Watford in den Startlöchern, um zwischen den Pfosten eines englischen Premier League-Vereins ein Spiel in der höchsten englischen Spielklasse zu absolvieren. Mit uns spricht der 25-jährige Niederösterreicher über den Status-Quo in Zeiten des Coronavirus, fasst nochmals die letzte Saison in Schottland zusammen und gibt einen Ausblick, wie es für ihn weitergehen könnte.


Photocredits: FC Watford

Wie geht es dir in dieser außergewöhnlichen Situation? Wie schaffst du es, dich in dieser Zeit sowohl körperlich als auch geistig fit zu halten?

Wie du sagst, das ist aktuell wirklich eine außergewöhnliche Situation weltweit. Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Frau und den beiden Kids. Seitens des Vereins haben wir ein Heimprogramm bekommen, mit Fokus auf Krafttraining im Bereich Oberkörper und Beine. Auch Ausdauertraining steht natürlich auf dem Programm – für mich als Tormann heißt das allerdings nicht nur Laufen zu gehen, sondern auch zehnmal 60-Meter-Sprints zu absolvieren sowie am Ergometer abwechselnd 30 Sekunden am Limit zu fahren und dann 30 Sekunden zu pausieren.

Bis vor Kurzem habe ich noch versucht, täglich Golf zu spielen – leider ist dies ob der Verbote mittlerweile nicht mehr möglich.

Wie intensiv hältst du zurzeit den Kontakt zu den einzelnen Spielern und zum Team insgesamt?

Als Spieler haben wir eine eigene WhatsApp-Gruppe, tauschen uns da aus. Mit dem Fitness- und Ernährungstrainer sind wir alle ein bis drei Tage in Kontakt, zuletzt rief der Trainer (Anm. d. Red. Nigel Pearson) an und wollte wissen, wie es uns geht.

Letztes Jahr in Schottland warst du unangefochtener Stammspieler. Jetzt wieder retour bei Watford hattest du zwei Spiele im FA-Cup, ansonsten keine Einsatzminute. Wie siehst du deine Stellung/Position im Team?

Letzte Saison war die mit Abstand beste meiner bisherigen Karriere, ich absolvierte ab der 13. Runde jedes Spiel in der Liga und habe sehr gute Leistungen gebracht. In 21 Ligapartien bekam ich lediglich 16 Gegentore, hielt elfmal den Kasten sauber. Auch seitens des Vereins war es die beste Spielzeit der Geschichte (Anm. d. Red. Platz 3 mit 58 Punkten), wir konnten als kleiner Verein enorme Aufmerksamkeit erregen.

Im Sommer 2019 kam ich dann mit hohen Erwartungen zu Watford zurück, habe mir allerdings die letzten sieben bzw. acht Monate im Verein gänzlich anders vorgestellt – aber so ist Fußball. Zumindest konnte ich zwei Spiele im Cup bestreiten; in der Liga kämpfen wir aktuell gegen den Abstieg, da ist es unwahrscheinlich, dass der Trainer in dieser heiklen Phase den Tormann wechselt. Einerseits ist dies natürlich verständlich – da steht die Mannschaft einfach vor den persönlichen Wünschen –, andererseits möchte man als Fußballer spielen. Ich bin mit der aktuellen Situation klarerweise nicht zufrieden, habe das dem Verein auch bereits kommuniziert – aber ich weiß um mein Standing im Verein, bin gespannt, wie es im Sommer weitergeht.

Die geringen Einsatzzeiten nagen wahrscheinlich auch an der Psyche, gerade, wo du in der letzten Saison so aufzeigen konntest. Ich stelle es mir zudem extrem schwierig vor, nach langer Zeit mehr oder weniger von einer Sekunde auf die andere wieder voll da sein zu müssen.

Ich gebe bei jedem Training Gas und es macht mir wahnsinnig Spaß, doch mental ist das wirklich eine Herausforderung. Wenn du unter der Woche trainierst und du weißt, dass du am Wochenende zu deinem Einsatz kommst, dann ist natürlich eine gänzlich andere Situation, als wenn dir bewusst ist, dass du sicher nicht spielen wirst. Allerdings bin ich mittlerweile lange genug im Geschäft, weiß wie das hier läuft und kann ganz gut damit umgehen. Im Fußball geht es nie glatt dahin und stetig nach oben, das gehört einfach dazu.

Als Torhüter hat man zusätzlich einen Nachteil gegenüber einem Feldspieler. Man wird meist nicht einfach nur für wenige Minuten eingewechselt, sondern muss tatsächlich auf eine Schwächephase o.ä. seines Kollegen hoffen.

Klar, als Feldspieler wirst du gegen Ende einer Partie mal für fünf Minuten reingeworfen. Im nächsten Spiel bekommst du zehn Minuten Einsatzzeit, erzielst vielleicht dabei sogar ein Tor. Dann schenkt dir der Trainer im kommenden Match nochmal länger das Vertrauen, bis du dir schlussendlich mit guten Leistungen einen Stammplatz erspielt hast.

Als Ersatztorhüter spielst du wirklich nur dann, wenn dem Stammtorwart etwas passiert – was man natürlich keinem wünscht – oder wenn dieser über mehrere Spiele hintereinander keine überzeugenden Leistungen zeigt.

Die Verträge aller Torhüter bei Watford laufen im Sommer aus. Es gab mal Gerüchte um eine Vertragsverlängerung – wie sieht es denn diesbezüglich aus?

Aktuell gibt es nichts Neues zu berichten – schauen wir mal wie die restliche Saison verläuft. Viel hängt davon ab, ob die Saison noch zu Ende gespielt wird und wie wir sportlich abschneiden werden. Ich persönlich wäre nicht überrascht, wenn mit uns dreien noch verlängert wird, auf meine Person bezogen gibt es aktuell vielversprechende Gespräche.

Gerade in der jetzigen Situation ist dies vielleicht gar nicht so unrealistisch, nachdem man noch nicht mal weiß, wie im kommenden Sommer die Transferphase ablaufen wird.

Genau, zusätzlich wird das Geld aktuell auch ein Thema. Obwohl es zwar in der Premier League keine wirklichen Probleme geben sollte, fehlen dem Verein die Fernseheinnahmen, das Budget für Transfers wird dadurch wohl verringert.

Die Premier League ruht aktuell wie beinahe alle Ligen weltweit. Vor wenigen Tagen erst kamen neue Gerüchte auf, wonach es einen Plan für eine etwaige Fortsetzung der Liga gibt. So könnten alle restlichen Spiele in wenigen Tagen in Stadien in London und Birmingham absolviert werden, während die Teams in diesem Zeitraum jeweils in Quarantäne wären. Was hältst du von der Idee und gehst du davon aus, dass die Liga tatsächlich noch zu Ende gespielt wird?

Nachdem noch kein weiteres Premier League-Meeting stattgefunden hat, ist der aktuelle Stand für uns, dass wir am 20. April ins Training starten werden und 3. Mai die Liga starten soll. Das ist der offizielle Status Quo, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dies tatsächlich so passieren wird. In England kursieren unterschiedliche Meldungen – ich habe auch schon gelesen, dass eventuell jeden Tag ein Spiel stattfinden soll. Eine zweite Option ist jene, dass man die restlichen Spiele in einer Art WM-Modus absolviert. Soll heißen, jeden dritten Tag ein Spiel und die Teams sind für den gesamten Zeitraum und zwei Wochen darüber hinaus in einem Hotel untergebracht.

Watford kämpft in der aktuellen Spielzeit ums Überleben. Würdest du, sollte der Modus tatsächlich so eintreten, dies eher als Vorteil oder Nachteil für dein Team sehen?

Mich persönlich würde es nicht stören, wenn wir jeden zweiten oder dritten Tag ein Spiel hätten – auf jeden Fall wäre eine solche Lösung besser, als die Saison abzubrechen. Natürlich wäre es eine massive Anstrengung, doch bei einer EM oder WM ist die Situation gleich, ohne, dass die Spieler zuvor knapp zwei Monate Pause hatten. Lieber absolviere ich in einem kurzen Zeitraum mehrere Spiele, als ich beende erst Ende Juli die Liga und starte quasi direkt mit der Vorbereitung zur Saison 2020/2021.

Bei der letzten Option hättet ihr dann quasi zwei Saisonen ohne Unterbrechung zu absolvieren.

Richtig, wir haben zwar jetzt Pause, doch die aktuelle Situation gleicht nicht jener eines Urlaubs, ist mental anders. Man kann ja eigentlich nicht richtig abschalten, da es theoretisch jederzeit wieder losgehen kann.  Darum würde ich, wie gesagt, einen WM-Modus bevorzugen.

Der WM-Modus könnte für ein Team im Abstiegskampf auch eventuell von Vorteil sein – Stichwort „einen Lauf bekommen“.

Absolut, hinsichtlich eines etwaigen Erfolgslauf wäre so ein Modus natürlich ein Vorteil. Andererseits darf man auch nicht vergessen, dass ein Spieler, der wegen einer Verletzung wenige Tage pausieren müsste, bei diesem Modus eventuell drei Spiele verpassen könnte, während er sonst lediglich ein Spiel verpasst hätte.

Ob der derzeitigen Situation mehren sich die Stimmen jener, die behaupten, dass sich der Sport, im Speziellen aber der Fußball, dramatisch ändern könnte. Selbst Gianni Infantino spricht sogar von weniger Turnieren, weniger Spielen etc. Gehst du mit der Meinung einher und wenn ja, was könnte sich deiner Meinung nach umgestalten?

Vorab, eine Liga, in der Topteams aus unterschiedlichen Ligen spielen, halte ich für absoluten Schwachsinn. Was positive Änderungen im Bereich Fußball – ausgelöst durch den Coronavirus – betrifft, kann ich mir nicht vorstellen, dass Transfers über 100 Millionen in den kommenden beiden Transferfenstern realistisch sind. In England ist gerüchteweise die Abschaffung zweier Cups (FA-Cup und Liga-Cup) in der kommenden Saison geplant.

Prinzipiell glaube ich allerdings nicht, dass sich auf lange Sicht etwas in dem Bereich ändern wird.

Die Europameisterschaft wurde um ein Jahr nach hinten verlegt – du warst bereits mehrmals im Kader des ÖFB, hast es zuletzt jedoch nicht mehr ins Team geschafft. Das zusätzliche Jahr könnte eine Möglichkeit für dich sein, doch noch auf den EM-Zug aufzuspringen. Stehst du nach wie vor im Kontakt mit dem Teamchef?

Franco Foda hat mich in meiner Zeit in Schottland ein paar Mal vor Ort beobachtet, zu einem Treffen kam es dabei allerdings nie. Das haben wir dann im Sommer 2019, als ich mit dem FC Watford im Trainingslager in Österreich war, nachgeholt. Ich war enttäuscht, dass ich nicht im Kader stand, als ich beim FC Kilmarnock gute Leistungen gezeigt habe, aber seine Entscheidung musste ich klarerweise hinnehmen – dass ich in der laufenden Spielzeit nie einberufen wurde, das ist ob der Situation aber absolut verständlich.

Durch die Verschiebung der EM ergibt sich jetzt die Möglichkeit, daran noch teilnehmen zu können. Selbstverständlich würde ich sehr gerne dabei sein – dafür lebt man als Fußballer. Die Basis dafür sind jedoch regelmäßige Einsätze beim Verein, wenn ich diese in der kommenden Spielzeit bekomme, dann rechne ich mir durchaus gute Chancen aus, um schlussendlich im Kader stehen zu können.

Daniel, danke dir für das Interview, alles Gute für die kommenden Tage und Wochen und für die restliche Saison.

Das Interview wurde am 2. April geführt.