Was wurde eigentlich aus Ümit Korkmaz? Diese Frage hat sich jeder heimische Fußballfan schon gestellt. Die Erwähnung des Shootingstars der EURO 2008 aus österreichischer Sicht, dessen Auftritte stets mit euphorischen „Ümit-Ümit-Ümit“-Sprechchören begleitet wurden, weckt in Tagen wie diesen wohl vor allem bei Anhängern Rapid Wiens Gedanken an bessere Zeiten.

Ein Gastkommentar von Jakob Penner.

 

Wem lacht nicht das Herz wenn er an die unwiderstehlichen, an Dynamik und Unkonventionalität kaum übertroffenen Antritte des bulligen Flügelflitzers zurückdenkt. Nachdem Korkmaz‘ Leistungen in der Saison 2007/08, als Rapid das letzte Mal Meister wurde, mit einem Transfer in die deutsche Bundesliga zu Eintracht Frankfurt belohnt wurden, schien der Weg zur großen Karriere geebnet.

Seit diesem Wechsel sind nun 5 Jahre verstrichen, die großen Erfolge sind jedoch ausgeblieben und selbst hierzulande ist es um das einstige Liebkind der Nation still geworden. Was war geschehen?

Erstes Training als schlechtes Omen

Bereits das erste Training nach seinem Auslandstransfer endete für Korkmaz mit einem Bruch des Mittelfußknochens – ein denkbar schlechter Einstand nach einem Transfer. Nach 3-monatiger Verletzungspause dauerte es genau sechs Spiele zum nächsten Rückschlag. Wieder war es ein Mittelfußbruch. Doch Ümit Korkmaz wäre nicht Ümit Korkmaz, wenn er nicht nach jeder Verletzung wieder aufstünde und zurückkäme. 

„Wenn sich ein Koch in den Finger schneidet, geht es ja auch ganz normal weiter. Und das ist bei mir eben auch so. Ich sehe das immer als Arbeitsunfall,“  meinte der gebürtige Wiener einst in einem Interview – eine sehr pragmatische Ansicht, die wohl nicht jedem Sportler so leicht über die Lippen käme. 

Nach 3 Saisonen und nur einem Spiel über die gesamten neunzig Minuten bei insgesamt 50 Einsätzen, wurde Korkmaz für die Rückrunde der Saison 2010/11 an den Vfl Bochum in die 2.Bundesliga verliehen. 

Nach einer guten  halben Saison im Ruhrpott ging es wieder zurück nach Frankfurt und in eine neuerliche Zweitligasaison, da die Eintracht inzwischen abgestiegen war.

Ein Mann für Großereignisse(?)

Seit Sommer 2012 läuft Korkmaz jetzt für den FC Ingolstadt auf, wo mit Ramazan Özcan und Christoph Knasmüllner zwei weitere Österreicher im Kader aufscheinen. Bestimmt erkundigt sich Korkmaz bei Özcan um die aktuelle Lage im Nationalteam. Ob er selbst jedoch wieder einer für Koller werden kann ist fraglich. 

Sein letztes Länderspiel machte Korkmaz am 29.März 2011 beim EM-Qualifikationsspiel in der Türkei unter Didi Constantini. Insgesamt 10 Länderspieleinberufungen stehen zu Buche, für einen 27-jährigen mit solchem Talent und Potenzial, wie Ümit Korkmaz es unbestritten hat, ist das leider ein mickriger Wert. Es ist davon auszugehen, dass das ständige Verletzungspech einen erheblichen Anteil an dieser Tatsache hat.

Zum Vergleich: Bastian Schweinsteiger hatte im selben Alter bereits über 90 Nationalteamspiele am Buckel… 

So richtig aufgegangen ist Korkmaz‘ Stern bei den Spielen der Nationalmannschaften im Wiener Ernst-Happel-Stadion bei der EURO 2008. Nachdem seine Einwechslung im ersten Gruppenspiel gegen Kroatien (0:1) noch einmal deutlich Schwung ins Spiel des Nationalteams brachte, wurde ein Einsatz gegen Polen (1:1) von allen Seiten gefordert, woraufhin Korkmaz in diesem Spiel und gegen Deutschland (0:1) überzeugen konnte und einer der stärksten Spieler am Feld war.  Korkmaz hat also zumindest schon bewiesen, dass er mit Druck umgehen kann, sollte die Qualifikation für Brasilien 2014 gelingen…

Zurück in die Gegenwart

Nach einer guten Herbstsaison und starken Leistungen für seinen neuen Verein, holte ihn das während seiner bisherigen Karriere stets treu gebliebene Verletzungspech im November vorigen Jahres wieder ein. Gegen Eintracht Braunschweig erlitt er nach einem Foul einen Bänderriss im Sprunggelenk und dieser setzte ihn wieder für Monate außer Gefecht.  Seit fünf Spieltagen ist Korkmaz jetzt wieder mit von der Partie, in den letzten beiden Partien spielte er von Beginn an. Zu einem Sieg reichte es in diesen Spielen für die auf Platz 11 der Tabelle rangierenden Ingolstädter trotz der Rückkehr ihres Flügelflitzers nicht. Überhaupt gelangen in den letzten 14 Spielen nur 2 volle Erfolge.

Es wäre also höchste Zeit für einen dritten, vierten, oder fünften Frühling Ümit Korkmaz‘, der vielleicht auch mit den hoffentlich bald steigenden Temperaturen kommt und ihm hilft, noch einmal richtig durchzustarten.  Bei der Auswärtspleite des FCI gegen Aalen am vergangenen Freitag war Korkmaz noch einer der Aktivposten in einer insgesamt jedoch schwachen Ingolstädter Elf. Die persönliche Formkurve zeigt also wieder nach oben und wer weiß wohin der Weg der Kämpfernatur noch führt, wenn das Verletzungspech ihn für längere Zeit in Ruhe lässt. 

Im Fußball kann es oft schnell gehen, das weiß wohl keiner so gut wie Ümit Korkmaz. Und wer weiß, vielleicht sieht man ihn eines Tages auch wieder im roten Trikot des Nationalteams. Es wäre ihm zu gönnen.

Und „Ümit-Ümit-Ümit“-Sprechchöre würden bei Spielen des Nationalteams bestimmt für willkommene Abwechslung des eher monoton schwerfälligen „Immer wieder Österreich“ auf den Tribünen sorgen.

 

(Autor: Jakob Penner)

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