Nach Horrorstart werden jetzt die „Großen“ geärgert.

Im ersten Teil unserer Rückrundenvorschau befassten wir uns mit dem 1. FC Köln, also mit jener Mannschaft die gerade im Spätherbst die Konkurrenz nach Belieben dominierte. Heute wollen wir uns mit einem der Teams beschäftigen, dass dem souveränen Tabellenführer ein Bein stellen konnte – dem 1.FC Ingolstadt.

Nach einem katastrophalen Start standen die Ingolstädter am 9. Spieltag mit gerade einmal vier Pünktchen ganz unten in der Tabelle. Diese Negativbilanz sollte Marco Kurz seinen Job kosten und somit war für Ralph Hasenhüttl Platz auf der Trainerbank des Zweitligisten. Er übernahm die Mannschaft nach dem zehnten Spieltag (an dem übrigens ein 1:0 Sieg bei VfL Bochum gefeiert wurde) von Interimstrainer Michael Henke. Seither haben es die beiden geschafft ihre Jungs von den Abstiegsplätzen zu coachen. Allerdings ging dies auch deutlich auf Kosten der Einsatzzeiten unserer Österreicher, lediglich Ramazan Özcan konnte sich auch unter Hasenhüttl in der Mannschaft halten, mit Ümit Korkmaz suchte einer der beiden ausgemusterten Feldspieler noch im Winter das Weite und wechselte in die Türkei.

Der Einstieg von Hasenhüttl

Obwohl Ralph Hasenhüttl dank einer Länderspielpause zwei Wochen Zeit hatte, seine neue Mannschaft kennen zu lernen, setzte es in seinem ersten Pflichtspiel als Trainer des FCI eine Niederlage. Man musste sich zu Hause dem Bundesliga Absteiger Fortuna Düsseldorf 1:2 geschlagen geben. Die Statistik zeigt aber, dass die Elf des Österreichers an diesem Tag nicht die schlechtere Mannschaft war, denn trotz 60% Ballbesitz und 11:5 Torschüssen stand man am Ende mit leeren Händen da.

Nicht gerade der beste Auftakt wenn man bedenkt, dass in den folgenden vier Runden Auswärtsspiele bei der SpVgg Greuther Fürth und beim 1. FC Köln (nebenbei auch noch die beiden überlegenen Mannschaften der Hinrunde) und das Duell mit Hasenhüttls Ex-Club VfR Aalen auf dem Programm standen. Bei näherem Hinschauen wird aber deutlich, dass vielleicht gerade die Tatsache, dass diese schweren Spiele auswärts stattfanden, für den FCI sprach. Denn während man nach der Hinrunde in der Heimtabelle mit mickrigen sechs Zählern aus neun Spielen den letzten Platz bekleidet, rangiert man in der Auswärtstabelle immerhin auf dem sechsten Rang. Mit Siegen gegen Fürth, Köln und Aalen sowie einem Unentschieden gegen Paderborn sollten also 10 Punkte aus diesen vier Spielen zu Buche stehen. Nach dieser Miniserie konnten die Schanzer am 15. Spieltag erstmals seit Saisonbeginn die Abstiegsränge verlassen.

Nach diesen erfolgreichen Spielen stand eine englische Woche an, in die man natürlich mit viel Selbstvertrauen ging. Doch bereits der Auftakt sollte vor allem für einen Österreicher gehörig in die Hose gehen. Ramazan Özcan legte im Spiel gegen den SV Sandhausen den Führungstreffer des SVS derart souverän auf, dass diese überlegten ihn als Spielmacher zu verpflichten. Das Spiel wurde mit 0:2 verloren. Nur wenige Tage später im DFB-Pokal Duell mit dem Bundesligisten VfL Wolfsburg rückte der Schlussmann erneut zweimal in den Mittelpunkt. Die Ingolstädter waren zwar von den Spielanteilen her erwartungsgemäß unterlegen, gingen jedoch bereits in der ersten Hälfte mit einem Konter in Führung. Allerdings drehte Ramazan Özcan mit zwei kapitalen Fehlern in der Schlussphase quasi im Alleingang die Partie und so war auch der Traum DFB-Pokal ausgeträumt. Zum Abschluss der Woche gab es dann einen ganz wichtigen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf und für Ramazan Özcan einen kleinen aber sicherlich sehr wichtigen Prestigeerfolg gegen seinen Konkurrenten um die Nummer 1 im Nationalteam – Robert Almer. Denn nur eine Woche später hielt Özcan einen Elfmeter gegen Aue und somit den Punkt beim 0:0 fest. Zum Abschluss der Hinrunde setzte es dann doch noch die dritte Niederlage in der Amtszeit von Hasenhüttl mit einem 1:2 gegen den wiedererstarkten 1.FC Kaiserslautern.

Die Änderungen von Hasenhüttl

Wenn man die Tabelle betrachtet fällt auf, dass die Schanzer mit 18 erzielten Treffern eine eher magere Offensivausbeute haben. Nur der SV Sandhausen hat weniger Tore erzielt. Dazu kommen 26 Gegentore, diese bescheren einen Wert im Mittelfeld der Liga. Wenn man aber nun die erzielten und erhaltenen Treffer auf die beiden Trainer aufteilt so zeigt die Statistik für Marco Kurz 8:18 in neun Spielen und für Ralph Hasenhüttl 10:8 in 10 Spielen (inklusive dem 1:0 gegen Bochum am 10. Spieltag). Man sieht hier, dass die Ingolstädter unter Hasenhüttl nur unwesentlich mehr Tore erzielt haben, allerdings scheint es der ehemalige Stürmer geschafft zu haben, die Defensive der Audistädter zu verstärken. Dies wird auch bestätigt durch die Tatsache, dass in den 9 Spielen unter Hasenhüttl nie mehr als zwei Tore kassiert wurden, während es in der „Kurz“en Ära gleich drei Spiele mit drei oder mehr Gegentreffern gab. Daher wollen wir uns nun näher mit der Aufstellung und dem Spielsystem beschäftigen.

Da er natürlich durch den Trainerwechsel mitten in der Hinrunde nicht die Möglichkeit hatte neue Spieler an Land zu ziehen, musste Trainer Hasenhüttl mit dem vorhandenen Kader weiterarbeiten. So behielt er auch in seinen ersten beiden Partien als Cheftrainer die Grundformation seines Vorgängers (4-2-3-1) bei. Im weiteren Verlauf der Rückrunde variierte er immer wieder zwischen 4-3-3 mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler und einem 4-4-2 mit einer Doppel-Sechs wie es im Fachjargon genannt wird. Hier kann man auch schon erkennen, wo Ralph Hasenhüttl den Hebel angesetzt hatte. Während Vorgänger Kurz im defensiven Mittelfeld meist auf die jungen Knasmüllner (21 Jahre) und Morales (23) baute, zog der Ex-Nationalspieler den mit 28 Jahren doch etwas erfahreneren Roger (unter Kurz in der Innenverteidigung gesetzt) auf diese Position. Je nach Grundformation agierten neben Roger ab sofort Pascal Groß und Alfredo Morales im offensiven bzw. defensiven Mittelfeld, während Christoph Knasmüllner bis auf zwei Kurzeinsätze zu meist nicht einmal mehr im Kader stand. Ob dies rein der Leistung geschuldet war, oder ob es einen internen Vorfall gab, kann an dieser Stelle leider nicht beurteilt werden.

Ein weiterer wichtiger Baustein, war die Rückkehr von Moritz Hartmann. Dieser wurde quasi gleichzeitig mit dem Einstand von Ralph Hasenhüttl nach längerer Verletzungspause wieder fit und entwickelte sich mit vier Treffern und einer Torvorlage in nur acht Spielen zum Topscorer unter dem neuen Trainer. Mit ihm und Caiuby (insg. 7 Scorerpunkte) auf den Flügeln konnten die Ingolstädter etwas mehr Druck auf ihre jeweiligen Gegner aufbauen, was natürlich auch die Defensive entlasten sollte. Allerdings fehlt den Schanzern im Sturmzentrum ein echter Knipser und so verpuffen viele gute Angriffe im nichts. Unter Marco Kurz kam meist der erst 20 jährige Philipp Hofmann als Mittelstürmer zum Einsatz. Der 1,95m große Angreifer der vom FC Schalke 04 ausgeliehen ist, verletzte sich allerdings genau zum Amtsantritt des neuen Trainers und musste sich in den folgenden 10 Spielen seine Einsatzminuten mit dem erfahrenen Christian Eigler aufteilen, der seinen Fixplatz an den bereits zuvor erwähnten Moritz Hofmann verloren hatte.

Der Abstieg von Knasmüllner und Ü-Ü-Ümit und die Achterbahn "Rambo" Özcan

Die Geschichte von Ümit Korkmaz könnte wohl als Drehbuch eines Hollywood Sportlerdramas herhalten. 2005 wechselte der damals 19-jährige Ümit aus der fünften Leistungsstufe Österreichs zu den Rapid Amateuren. Nicht einmal ein Jahr später unterschreibt er einen Profivertrag bei der ersten Mannschaft und nur weitere zwei Jahre später ist er der absolute Shooting Star der österreichischen Nationalmannschaft bei der EM im eigenen Land. Seine legendären Flankenläufe werden von ohrenbetäubenden Ü-Ü-Ü’s begleitet. Was folgen sollte war der logische Wechsel in die deutsche Bundesliga zu Eintracht Frankfurt. Was man damals allerdings nicht ahnte, dieser Transfer war der Anfang vom Ende. In seinem allerersten Training in Frankfurt brach sich Ümit Korkmaz den Mittelfußknochen, dies war die erste von 13(!!!) offiziellen Verletzungspausen die den Flügelflitzer seither Bremsen sollten. Er kämpfte sich immer wieder zurück und am Ende jeder Rückkehr stand eine neue Verletzung. Im Sommer 2012 wechselte er schließlich zum FCI und war dort unter dem damaligen Trainer Oral gesetzt. Als schließlich Marko Kurz das Zepter übernahm, verlor Ümit seinen Stammplatz und unter Hasenhüttl schien er schlussendlich gar nicht mehr im Kader auf. So zog es den rasenden Linksaußen zum Ende der Hinrunde in die Türkei zum Erstligisten Caykur Rizespor. Offizieller Zeitpunkt des Wechsels 14. Jänner 2014, seit 15. Jänner ist Ümit laut Transfermarkt.de wieder verletzt.

Auch die Geschichte von Christoph Knasmüllner ist jener von Ümit Korkmaz nicht ganz unähnlich. Auch wenn dieser nicht unbedingt durch Verletzungen gebremst wurde. 2008 wechselte der damals 16-jährige in die Jugendabteilung des FC Bayern München und durchlief dort die diversen Mannschaften. Da der Sprung zu den Profis nicht gelang, wechselte das Talent schließlich im Jänner 2011 zu Inter Mailand, allerdings sollte auch dort der Durchbruch nicht gelingen und so ging es nur ein halbes Jahr später zurück nach Bayern, aber nicht zurück an die Säbener Straße sondern zum FCI. Seither absolvierte er 21 Spiele für die Schanzer rutschte allerdings unter Neo-Trainer Hasenhüttl aus dem Kader. Erst gegen Ende der Hinrunde schaffte er wieder den Sprung in die Mannschaft. Zugleich sollte aber gerade das Hoffnung geben, dass er im Laufe der Rückrunde wieder vermehrt zu Einsätzen kommt. In den wenigen Einsätzen in dieser Saison konnte er durchaus immer wieder seine technischen Fertigkeiten und seine gute Schusstechnik einbringen und so war er unter Marco Kurz auch für den Großteil der Standardsituationen verantwortlich. Allerdings sprechen 0 Tore, sowie 0 Vorlagen nicht gerade von überragender Effektivität. Mit zwei Toren und zwei Vorlagen in drei Spielen hat er sich im Herbst  immerhin bei den Ingolstädter Amateuren etwas Selbstvertrauen holen können. Allerdings startete die Vorbereitung auf die Rückrunde nicht gerade erfreulich für den Jungstar, konnte er auf Grund einer Verletzung die Reise ins Trainingslager nicht antreten und ist somit im Kampf um einen Platz in der Mannschaft wieder etwas ins Hintertreffen geraten.

Für Ramazan Özcan sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Obwohl er in der Hinrunde eine Horrorwoche durchleben musste, ist der Nationaltorhüter in Ingolstadt gesetzt. Dies wird sich auch nicht so schnell ändern, wenn er seine Leistungen aus dem Herbst wieder abrufen kann. Dort war er bereits unter Marco Kurz einer der wenigen Ingolstädter Akteure die zumeist ihr volles Potential abrufen konnten. Natürlich ist es für ihn auch im Hinblick auf kommende Länderspiele sehr wichtig, dass er weiterhin die Nummer 1 im Tor der Schanzer ist.

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Wo führt der Weg hin?

In acht Vorbereitungsspielen gab es sechs Siege und zwei Unentschieden, wobei man abgesehen vom Spiel gegen Erzgebirge Aue vergangene Woche, nur gegen unterklassige Mannschaften antrat. Wichtig wird sein, dass man vor allem zu Hause einen Gang zulegt um die Großteils nicht gerade fußballverrückten Ingolstädter zurück ins Stadion zu bringen und somit zumindest einen kleinen Heimvorteil zu bewirken. (ferdi)

 

Teil 1: Der 1. FC Köln unter Peter Stöger – vom chaotischen Absteiger zum Winterkönig

Teil 3: Fortuna Düsseldorf – mit neuem Trainer und drei rot-weiß-roten Legionären

One thought on “Der FC Ingolstadt unter Ralph Hasenhüttl

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