Vom chaotischen Absteiger zum überlegenen Winterkönig.

Am kommenden Wochenende geht Deutschlands zweite Bundesliga in die letzten 15 Runden der Saison 2013/2014. Der Gejagte ist dabei der 1. FC Köln. Der Traditionsklub erfuhr im vergangenen Herbst einen großen, unerwarteten Aufschwung und ist aktuell Tabellenführer. Eng verbunden damit ist die Bestellung von Peter Stöger zum Cheftrainer. In diesem Artikel wollen wir uns die entscheidenden Faktoren dafür ansehen.

Am 1. FC Köln haftete die letzten Jahre in gewisser Weise das Image eines Chaosklubs. In den drei Jahren vor dem Engagement von Stöger wurde fünfmal der Trainer gewechselt. Nach dem Abstieg hatte man mit Holger Stanislawski zwar jemanden, der die nötige Nüchternheit und Demut an den Tag legte, jedoch schmiss der 44-Jährige nach dem verpassten Wiederaufstieg bereits nach einer Saison wieder hin.

Kehrtwende des Umfelds und der Medien

Messias-Status wie beim FC St. Pauli hatte Stanislawski zwar nicht, dennoch löste die überraschende Trennung ein mittleres Erdbeben aus. Stanislawski machte in einer schweren Zeit – der FC stand in den ersten sieben Runden sechsmal innerhalb der letzten drei Tabellenplätze – vor allem medial einen guten Job und so konnten die Anhänger dank einer Aufholjagd trotz dieses verpatzten Saisonstarts bis kurz vor Saisonende vom Aufstieg träumen.

Als Gründe für seinen Rücktritt nannte Stanislawski, dass er in den entscheidenden Spielen nicht das Maximum aus der Mannschaft herausholen konnte und er für die kommende Saison vorbelastet wäre. Dass Stöger in der Domstadt eine große Aufgabe bevorstehe, war also bereits im Sommer klar. Ein wichtiger Startpunkt war daher, das aufgebrachte Umfeld zu beruhigen und den Druck vom Verein zu nehmen – ähnlich wie er es bereits bei der Wiener Austria machte.

Von Anfang an betonte er, wie hart man arbeiten müsse um in der ausgeglichenen zweiten Bundesliga Erfolg zu haben und es für niemanden eine Selbstverständlichkeit sein darf, für einen Klub wie den 1. FC Köln arbeiten zu dürfen. Obwohl der Saisonstart nicht optimal verlief hatte man nie das Gefühl, dass sich Stöger mit ungerechtfertigter Kritik herumschlagen musste, weder vonseiten der Medien, noch der Fans.

Seine offene Art und Lockerheit hat dafür gesorgt, dass die Wogen nach dem Abgang von Stanislawski nicht wieder hochgingen. Nachdem sich in den folgenden Monaten schließlich auch der gewünschte sportliche Erfolg einstellte, scheinen die Kölner mittlerweile unantastbar.

Wichtiges Vertrauen in „gescheiterte“ Spieler

Anders als bei der Austria, wo er mit dem nahezu gleichen Kader wie sein Vorgänger arbeitete, konnte er in Köln aus einem größeren Spielerpool auswählen. Teilweise musste auf Abgänge wie Christian Clemens (zu Schalke 04) oder Tobias Strobl (zu Hoffenheim) reagiert werden, andererseits nahm er bewusst einige interne Änderungen vor.

So fanden sich im Herbst einstige Stammspieler wie Thomas Bröcker, Kevin McKenna oder Adil Chihi nur selten im Kader wieder. Besonders in der Offensive veränderte sich viel, nur Anthony Ujah spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Neben dem Nigerianer findet man im Sturm mit Patrick Helmes, der ablösefrei vom VfL Wolfsburg kam, den Star des Teams.

Dass der ehemalige deutsche Nationalspieler nominell über die meisten Zweitligaspieler zu stellen ist, ist unbestritten. Jedoch war es fraglich, ob er es nach zahlreichen Verletzungen (unter anderem zwei Kreuzbandrisse) schaffen würde, an die alten Leistungen anzuknüpfen. Das Vertrauen in sollte sich bisher aber bezahlt machen. Ähnliches gilt für die Außenpositionen, wo mit Daniel Halfar und vor allem Marcel Risse zwei Spieler überzeugten, die man für derartige Leistungen schon abgeschrieben hatte.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist Matthias Lehmann im zentralen Mittelfeld. Auch er schien in seiner Entwicklung bestenfalls zu stagnieren, mit der Tendenz abzufallen, ehe der 30-Jährige eine bärenstarke Herbstsaison spielte. Enorm zweikampfstark, ballsicher und mit großer Übersicht kristallisierte er sich als Motor und Leader im Spiel des FC heraus.

Herausragendes Pressing um Umschaltspiel

Wir wollen uns nun mit der Spielweise, die Stöger beim 1. FC Köln implementierte, auseinandersetzen. Während Stöger bei  der Austria auf eine 4-1-4-1-Grundordnung setzte, zeigt er beim 1. FC Köln, dass er auch flexibel sein kann. Im modernen Fußball, so Stöger, gäbe es zwar kaum noch Teams, die mit zwei Stürmern spielen, mit Helmes und Ujah habe er aber große Qualität.

Daher lässt er sein Team im Allgemeinen in einer 4-4-2-Grundordung spielen, bei denen sich Ujah und Helmes gut ergänzen. Der Deutschte bewegt sich mehr in der Horizontalen, während Ujah verstärkt aus der Tiefe kommt oder als Wandspieler im letzten Drittel agiert. Dieses Ausweichen von Helmes ergänzt dabei gut die Einrückbewegungen der Flügelspieler. Insbesondere Risse, der auf der rechten Seite näher bei Helmes spielt, kommt dadurch vergleichsweise oft zum Abschluss.

Herausragend ist aber das Pressing und Umschaltspiel der Kölner. Beeindruckend sind dabei das große Laufpensum, welches sie aufbringen, sowie, dass die Offensivspieler nachdem die erste Pressingreihe umspielt wurde konsequent nach hinten pressen. In Umschaltmomenten wichtig ist zudem der junge Yannick Gerhardt, der mit raumgreifenden Pässe seine Mitspieler immer wieder in gute Positionen bringt. Vor allem im DFB-Pokal brachte Köln diese Stärken gut ein, schaltete dort Mainz 05 aus und scheiterte gegen den Hamburger SV nur knapp.

Der Aufstieg von Kevin Wimmer

Der Hauptgrund dafür, dass der 1. FC Köln in der bisherigen Saison die mit Abstand wenigstens Gegentore in der zweiten Bundesliga bekommen hat liegt in erster Linie an den mannschaftlich starken Abläufen, die Stöger und sein Trainerteam der Mannschaft eingeprägt haben. Dennoch gibt es in der Defensive auch individuell hervorstechende Akteure, etwa Torwart Timo Horn oder ÖFB-Legionär Kevin Wimmer, der sich im Abwehrzentrum etabliert hat.

Für den „kicker“ war der ehemalige LASK-Spieler im Herbst sogar der beste Innenverteidiger der zweiten Liga. Ursprünglich war der 21-Jährige, der letzte Saison nur Reservist war, als Linksverteidiger eingeplant, jedoch musste er am 8. Spieltag aus Personalgründen nach innen rücken und spielte sich anschließend dort fest. Hervorstechend und anerkannt sind dabei vor allem seine Fähigkeiten im Spielaufbau.

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Angesichts der Tatsache, dass der FC nur mit zwei Spielern im Zentrum agiert, ist sein regelmäßiges Aufrücken wichtig. Dadurch lockt er entweder die Gegenspieler aus ihren Positionen oder kann mit präzisen langen Bällen seine Kollegen einsetzen. Mit den körperlich robusten Stürmern und den beiden schnellen Flügelspielern hat er dabei gute Anspielstationen, die anschließend umgehend für Gefahr sorgen können.

Defensiv wirkt Wimmer jedoch nicht immer sicher, was sich dahingehend äußert, dass er manchmal zu überhastet herausrückt oder die Abstände zu seinen Nebenleuten unpassend sind. Sein Nebenmann Dominic Maroh agiert in dieser Hinsicht routinierter. Der 26-Jährige muss daher auch seltener zu Fouls greifen. Im Schnitt wird jeder 18. Zweikampf des Slowenen abgepfiffen, bei Wimmer ist es jeder zehnte. Nichtsdestotrotz ist er aus der Kölner Stammelf Köln nicht mehr wegzudenken und auf dem besten Wege auch im ÖFB-Team einen festen Kaderplatz zu ergattern. (Alexander Semeliker)

 

Teil 2: Der FC Ingolstadt unter Ralph Hasenhüttl – nach Horrorstart werden jetzt die "Großen" geärgert

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2 thoughts on “Der 1. FC Köln unter Peter Stöger

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    6. Februar 2014 at 18:06
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    Guter Text, dennoch eine kleine Anmerkung: Im Herbst waren sowohl McKenna (Knorpelschaden), als auch Bröker (Rückenbeschwerden) und Chihi (Muskelbündelriss)langfristig verletzt und konnten daher auch nicht im Kader stehen, die Entscheidung wurde Stöger abgenommen.

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    6. Februar 2014 at 21:09
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    Ich bewundere Herrn Stöger! Er ist der richtige Mann beim Fc Köln

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