Dominik Glawogger befindet sich als Trainer von Holstein Kiels U19 auf Aufstiegskurs in der A-Junioren-Bundesliga. Der Österreicher liegt mit den Kieler Nachwuchshoffnungen in der A-Junioren Regionalliga Nord mit zehn Punkten Vorsprung auf Platz eins. Der 29-Jährige ist in Kiel damit klar auf Erfolgskurs – auch dank seiner harten Arbeit abseits des Platzes. Immer wieder sammelt Glawogger bei europäischen Top-Vereinen Erfahrungen. Wir haben mit ihm über seine Hospitationen, die wichtigen Erfahrungen als Trainer und auch mögliche Nachwuchshoffnungen aus Österreich bei Holstein Kiel geplaudert. 


12terMann: Du warst unter anderem in Italien (Udinese Calcio und FC Empoli) und Ende März bzw. Anfang April in England (Brighton Hove & Albion Football Club und Charlton Athletic Football Club) hospitieren. In welche Bereiche einer Trainertätigkeit konntest Du bei diesen Besuchen Einsicht nehmen?

Dominik: Hauptziel war natürlich, einen Einblick in die Trainingsarbeit am Platz zu bekommen. Besonders wichtig war dabei für mich, zu sehen, welche Übungs- und Spielformen gewählt werden und wie generell gecoacht wird. Danach will ich wissen, warum wurden die jeweiligen geübten Inhalte gewählt. Im Austausch mit dem Trainer versteht man oftmals viel besser, wieso was wie gemacht wurde. Bei Charlton war ich zum Beispiel bei der Halbzeitbesprechung der U23 bei ihrem Spiel gegen die U23 von Hull City dabei. Der U18 Trainer von Brighton Hove & Albion setzte mich mitten in seine Besprechung mit den Spielern vor dem Spiel gegen Aston Villa. Hier sah ich sowohl wie er den Gegner analysiert als auch welchen Matchplan er aus der Analyse abgeleitet hatte.

Wie wichtig ist es für dich als Trainer, solche Erfahrungen regelmäßig zu sammeln?

Es geht darum, in den Austausch mit ambitionierten Gleichgesinnten zu kommen. Die ganze Zeit wird nur über Fußball gesprochen. Man merkt sehr schnell, dass jeder Verein seine eigene Identität hat und dementsprechend anders tickt. Aber auch das persönliche Netzwerk wird durch solche Hospitationen größer, da man ständig neue Menschen in der Fußballszene kennenlernt. Durch den Blick von außen hat man auch viele Möglichkeiten, über seine eigene Herangehensweise zu reflektieren. Man erkennt beispielsweise Dinge, die man selbst schon mal nicht so gut gemacht hat. Ich habe einfach das Gefühl, dass mich jeder einzelne Besuch bei anderen Klubs als Fußballtrainer besser gemacht hat.

Welche Unterschiede zu Vereinen in Österreich (und/oder Deutschland) sind dir bei den Besuchen der englischen Klubs besonders aufgefallen?

In England, finde ich, ist es sehr wichtig, dass es ab dem 16. Lebensjahr Stipendien vergeben werden. Die Nachwuchsspieler können sich damit zwei Jahre lang noch gezielter auf Fußball konzentrieren, da sie Teile der Schulausbildung direkt im Verein absolvieren. Sie sind den ganzen Tag am Trainingsgelände und sehen die Profis trainieren. Dadurch verschwenden sie keine Zeit durch An- und Abreise und können auch noch intensiver mit den Trainern in den Austausch gehen. Dieser Spagat zwischen Schule und Sport ist in Österreich teils schon ganz gut umgesetzt, teils aber noch nicht in dem Ausmaß wie in England.
Ich versuche mir gerade in dem Bereich auch von anderen Sportarten Inputs zu holen. In Österreich hat beispielsweise die Vienna Capitals Hockey Academy ein gutes Modell für ihre Jugendspieler entwickelt, um Sport und Bildung zu kombinieren. Auch ganz interessant bei Charltons Nachwuchs war, dass es dort nicht erlaubt ist, bunte Fußballschuhe anzuziehen. Der größte Teil der Schuhe musste schwarz sein. Bei Brighton Hove & Albion waren die Wände voll mit Motivationsslogans und Bildern von Spielern, die bereits den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben.

Könntest du uns etwas Konkretes erzählen, das du in England wahrgenommen hast und wo du dir vorstellen könntest, dies bei deiner U19 in Kiel zu implementieren?

Am auffälligsten war für mich in England zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Spieler in jeder Trainingseinheit gespielt haben. Egal ob die Kleinen in der U13 oder bis hin zu den Großen in der U23. Man hat das Gefühl, die Jungs genießen jede Sekunde in der sie auf dem Platz stehen dürfen. Auch wir wollen weiterhin alles versuchen, um unsere Jungs zu fordern und zu fördern, ohne dabei aber den Spaßfaktor zu kurz kommen zu lassen. Nur in einem Umfeld, in dem man sich wohlfühlt, kann man sich optimal entwickeln.

Wie schaut es mit der Infrastruktur für Nachwuchsspieler bei englischen oder italienischen Topvereinen aus? Wenn Du Dir ein Infrastrukturelement aussuchen würdest, welches du sofort in Kiel implementieren könntest, welches wäre das und aus welchen Gründen?

Bei Udinese und bei Brighton gab es jeweils eine Kunstrasenhalle. Die wäre bei dem Wind in Kiel hin und wieder vorteilhaft.(lacht)
Auf der anderen Seite trainiert Empoli einmal in der Woche auf einem richtigen Acker, um die Jungs hungrig zu halten.
Es gibt also kein Patentrezept, welches man für alle Vereine anwenden kann. Und am Ende geht es sowieso darum, die vorhandenen Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen. Jammern bringt einen da nicht weiter, sondern sorgt nur für schlechte Energie.

Könntest Du Dir vorstellen, U19 Spieler aus England nach Kiel zu lotsen?

Die sprachliche Barriere wäre hier wohl das kleinste Problem.(grinst)  Im Ernst, damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Mir ist es generell egal, woher ein Spieler kommt. Viel wichtiger ist, dass der Spieler neben der spielerischen Qualität auch die richtige Einstellung mitbringt.

Ein Blick auf Deinen U 19 Kader in Kiel verrät, dass derzeit alle Deine Spieler aus Deutschland sind. Einige österreichische Talente haben aber bereits den Sprung in den Nachwuchs deutscher Spitzenklubs geschafft. Wie schaut es mit dem Interesse von Nachwuchstalenten aus deiner Heimat Österreich aus, zu Holstein Kiel zu kommen, um den nächsten Schritt zu machen? Gab es schon Anfragen bzw. Probetrainings von jungen Österreichern? 

Aufgrund der nicht allzu großen Sprachbarriere ist der österreichische Markt schon interessant für uns. (grinst)
Wir hatten auch bereits ein paar Spieler die sich im Probetraining gezeigt haben. Die Jungs haben dabei einen guten Eindruck hinterlassen. Zu einem Transfer ist es aber noch nicht gekommen. Generell beschäftigen wir uns immer wieder mit Spielern aus dem Ausland. Vielleicht klappt es ja und wir können bereits in diesem Sommer Vollzug bei einem internationalen Transfer melden. Viel wichtiger als die Nationalität der Spieler ist deren Qualität – sowohl auf als auch neben dem Platz. Da wollen wir so gewissenhaft und akribisch wie möglich arbeiten um die Wahrscheinlichkeit auf eine richtige Entscheidung zu erhöhen.

Gibt es Vereine oder ganz generell Länder, die Du zu fußballerischen Weiterbildungszwecken gerne als Nächstes besuchen würdest und wenn ja, warum?

Im Sommer könnte es gut sein, dass ich für ein paar Tage nach Philadelphia reise, um mir dort einen Eindruck von der MLS zu verschaffen. Danach bin ich am Überlegen, ob ich den restlichen Teil meines Urlaubes in China verbringe. Dort gibt es einige Trainer, die schon in Europa tätig waren. Es wäre interessant zu erfahren, ob sie mit ähnlichen kulturellen Unterschieden wie ich damals in Afrika zu tun haben. Zudem mag ich auch das chinesische Essen sehr gerne. (grinst)

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