Am vergangenen Wochenende gewann der SV Werder Bremen auswärts bei Hannover 96 mit 2:1 und holte damit wichtige Punkte im Abstiegskampf gegen einen direkten Konkurrenten. Den Siegestreffer erzielte Sebastian Prödl in der 90. Minuten. Doch nicht nur deshalb erweist sich der ÖFB-Teamspieler als wichtige Stütze für Norddeutschen. In diesem Artikel wollen wir uns mit seiner positiven Entwicklung auseinandersetzen. Eine Analyse von Alexander Semeliker.

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Deutschland zählt für österreichische Spieler mittlerweile als erste Option wenn es darum geht, ins Ausland zu wechseln – aus nachvollziehbaren Gründen. Kultur und Lebensstandard sind ähnlich, zudem zeichnen sich die Bundesliga und vor allem die Nachwuchsarbeit durch extrem hohe und weltweit anerkannte Qualität aus. Als Prödl nach Bremen wechselte war dies noch anders.

Stagnation in den ersten Jahren

Der deutsche Fußball befand sich zwar auf dem Weg der Besserung, war aber vor allem auf Klubebene nicht auf dem aktuellen Niveau. Werder Bremen war damals noch ein deutscher Spitzenverein und galt als erster Herausforderer von Bayern München. Dementsprechend positiv war die allgemeine Stimmung als der damals 20-Jährige im Jänner 2008 bei den Grün-Weißen unterschrieb. Zwar war die Konkurrenz sehr groß, dennoch war man sich sicher, dass Prödl im Schatten von Per Mertesacker und Naldo früher oder später zum Abwehrchef reifen würde.

Die erste Saison verlief für den gebürtigen Grazer auch durchaus gut, denn 22 Bundesligaeinsätze – 19 davon von Beginn – waren mehr als in Ordnung. Die Spielzeit darauf verfolgte Prödl verletzungsbedingt jedoch in erster Linie von außerhalb des Rasens. Überdies hinaus musste er, wenn er zum Einsatz kam, teilweise gar nicht in der Innen- sondern Außenverteidigung ran. Dies war insofern problematisch, als damals der Zerfall des einstigen UEFA-Cup-Finalisten eingeleitet wurde.


Die Offensivabteilung – allen voran Diego und Mesut Özil – konnte nicht adäquat ersetzt werden, dennoch war die Grundausrichtung weiterhin stark nach vorne ausgerichtet, was bedeutete, dass die Abwehrlinie hoch stehen und eingespielt sein musste. Nachdem sich Naldo schwer verletzte, agierte in der Saison 2010/2011 nun Prödl an Mertesackers Seite. Der Spielstil der beiden ist jedoch nicht ideal für eine derart hohe Ausrichtung und so waren die 61 Gegentore, die Werder in dieser Spielzeit hinnehmen musste, die logische Folge.

Da dies, im Gegensatz zu den Jahren zuvor, nicht durch die Offensive aufgefangen werden konnte, beendete man die Meisterschaft auf dem enttäuschenden 13. Platz, was zur Folge hatte, dass der Kader auch defensiv umstrukturiert wurde. Trotz ständiger Umbruchversuche trat Werder jedoch auf der Stelle und die Stagnation von Prödl war ein Sinnbild dafür.

Neue Spielphilosophie als Hauptursache für Aufschwung

Mit der Entlassung von Thomas Schaaf wurde eine neue Ära an der Weser eingeläutet. Der Kader wurde zwar erneut einer Transformation unterworfen, jedoch wurden die Erwartungen herunter geschraubt und vor allem die Spielweise adaptiert. Zwar hat sich damit die Situation für den Verein nur unwesentlich geändert, für Prödl war es jedoch eine durchaus wichtige Maßnahme und ein wichtiger Grund dafür, dass der 25-Jährige derzeit so gut dasteht.


Der Steirer ist ein klassischer Innenverteidiger, der sich vor allem durch seine Robustheit auszeichnet, dafür aber Abstriche in der Dynamik und Technik machen muss – ähnlich zu Mertesacker. Dass der Deutsche dennoch in den erfolgreichen Jahren bei Werder, als die Abwehr hoch stand, wie ein Fels in der Brandung wirkte, liegt an seinem starken Stellungsspiel, dank dem er Bälle gut ablaufen kann.

Die Ausrichtung unter Dutt ist konservativer. Man ist mehr auf Stabilität und Kompaktheit vor dem eigenen Strafraum fokussiert. 31% des Spiels finden mittlerweile im Verteidigungsdrittel statt, 2010/2011 waren es beispielsweise nur 26%. Hier kann Prödl seine Vorzüge perfekt einbringen, denn vor allem im Defensivzweikampf ist er seit eh und je ein verlässlicher Spieler. So gibt es in der gesamten Bundesliga keinen Spieler, der pro Spiel häufiger brenzlige Situationen klärt als Prödl (10,5) oder mehr Schüsse blockt (1,2).

Dass Werder dennoch weiterhin viele Gegentore bekommt, liegt daran, dass die Balance im Spiel nicht hundertprozentig stimmt. Gerät man in Rückstand, muss man zwangsweise offensiver agieren, wodurch aber das System instabil wird und man in dieser Saison auch die eine oder andere hohe Niederlage einstecken musste.

Schwere Situation im Nationalteam

Im Nationalteam scheint die Entwicklung von Prödl die umgekehrte Richtung zu nehmen. Schon früh  war er ein beständiger Bestandteil im Kader und etablierte sich in der Innenverteidigung, sodass er mittlerweile 44 Länderspiele aufweisen kann. Nicht jeder Beobachter war mit den Leistungen des Legionärs in den letzten Jahren zufrieden, allerdings fehlten den Kritikern meist auch Alternativen um vernünftig argumentieren zu können.


Jüngst gibt es aber mit Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger zwei Akteure, die sich anschicken um dem bewährten Innenverteidiger Duo Prödl und Emanuel Pogatetz den Rang abzulaufen. Es ist dies allerdings weniger ein Generationenwechsel – Prödl ist schließlich erst Mitte zwanzig – sondern viel mehr eine Ablöse, die mit dem Philosophiewechsel unter Teamchef Marcel Koller einhergeht. Der Schweizer forciert vor allem das Spiel gegen den Ball und ein gegebenenfalls hohes Pressing. Wichtig dafür ist ein gutes Antizipationsvermögen der Abwehrspieler.

Sie müssen unter Umständen ihre Positionen bei gegnerischem Aufbauspiel verlassen und präzise nach vorne aufrücken, den eigenen Mitspielern dadurch Rückendeckung geben und damit den Druck erhöhen. Eigenschaften, die, wie bereits erwähnt, bei Prödl schwach ausgeprägt sind. Dass er von der rot-weiß-roten Bildfläche komplett verschwindet, ist allerdings auszuschließen. Hinsichtlich der körperlichen Attribute hebt er sich nämlich von seinen Mitbewerbern ab und bringt zudem viel Routine mit – vor allem aufgrund seiner Erfahrungen im Abstiegskampf. Sollte dieser erfolgreich beendet werden, hat Prödl sicherlich einen großen Anteil daran.


 

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