Er ist derzeit in aller Munde. Sasa Kalajdzic durchlebt den Aufstieg zu einem der torgefährlichsten Stürmer der Deutschen Bundesliga. Mit 12terMann hat der Wiener über das Nationalteam, Verletzungspech und Kickbase gesprochen.


12terMann.at: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Zunächst mal die wichtigste Frage, wie geht es dir während der Pandemie in Stuttgart?

Sasa Kalajdzic: Ich halte mich an die vorgegebenen Regeln – ich trage Maske, halte Abstand und vermeide soziale Kontakte so gut es möglich ist. Auf dem Platz kann man das Thema sehr gut ausblenden, auch wenn uns natürlich die Fans extrem fehlen.

Zu Beginn kurz eine Frage zu deiner Ausbildung – du hast selbst nie in einer Akademie gespielt, sondern dich neben deiner Schulzeit in einer HTL hochtrainiert – wie siehst du im Rückblick diesen Weg?

Ich glaube, dass das ein ungewöhnlicher Weg für einen Profifußballer ist – für gewöhnlich kommt man ja von der Akademie hoch, bei mir war es anders. Ich bin sehr froh über diesen Weg, denn so habe ich meine Ausbildung abgeschlossen, die mir auch nicht wieder genommen werden kann. Zudem habe ich während dieser Zeit auch viele Leute kennengelernt, die nichts mit Fußball am Hut haben – dieses Umfeld war wichtig für meine Entwicklung, das hat mir zusätzlichen Antrieb gegeben.

Du hast mit dem Kreuzbandriss von vor knapp zwei Jahren trotz jungen Alters schon drei schwere Verletzungen auskurieren müssen. Wie verarbeitet man solche Rückschläge und was nimmt man daraus mit?

So etwas ist nie einfach – egal ob du jung oder alt bist, sind Verletzungen immer ein Rückschlag. Wichtig ist, dass du Leute um dich hast, die dich unterstützen. Ich hatte immer dieses Glück unterstützt zu werden – bei der letzten Verletzung waren das meine Familie, meine Freundin und der VfB, die mir stark geholfen haben den Weg zurückzufinden, sodass ich wieder meine Leistung bringen konnte.

Du hast Dich nach Deinem Wechsel in einem Vorbereitungsspiel verletzt. Du konntest also lange nicht mit der Mannschaft trainieren – erschwert so etwas den Start in das Team und das neue Umfeld?

Die Verletzungsphase war keine einfache Zeit Ich in den ersten Wochen weniger beim Team. Ich war statt am Trainingsplatz, viel in der Reha und auch in Wien, einfach um den Kopf frei zu kriegen und um bei meiner Familie zu sein. Dabei bin ich auch dem VfB dankbar, dass er das damals ermöglich hat – Menschen um sich herum zu sammeln, die einen unterstützen, ist einfach das Wichtigste im Leben.

Gehen wir in den sportlichen Teil. Viele junge Spieler, die so früh den Schritt nach Deutschland wagten, scheiterten – bei dir hat es hingegen funktioniert, ist dir der Absprung perfekt gelungen?

Es ist schwer zu sagen, mit meiner Verletzung hatte ich es am Anfang nicht leicht. Der Verein hat mir aber zugesichert, man würde auf mich warten, das hat mir enorm geholfen. Generell glaube ich, dass es keinen richtigen Zeitpunkt für den Sprung ins Ausland gibt. Manchen gelingt es, wie Christoph Baumgartner, sich bereits in jungen Jahren durchzukämpfen – andere wie ich wechseln mit Anfang 20 und wieder andere wechseln später. Wichtig ist, dass der Spieler selbst sich bereit für den Sprung fühlt, nur dann kann er seine Leistung zeigen. Wenn die Leistung und das Umfeld passen, kann sich ein Spieler profilieren und erfolgreich sein.

Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass du nun voll und ganz in der Bundesliga angekommen bist. Zehn Tore in 21 Partien und ein Platz im Mittelfeld sind in einer Aufstiegssaison und einer Debütsaison für einen Stürmer sehr respektabel – wie zufrieden bist du/ seid ihr mit der laufenden Spielzeit?

Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf. Am Anfang der Saison hätte ich nicht damit gerechnet, dass es für uns als Mannschaft und auch für mich persönlich so gut laufen würde. Manche Dinge hätten sogar noch besser laufen können, aber unter dem Strich bin ich sehr glücklich.

Was hätte besser laufen können?

Es gab ein paar Chancen, die ich nicht genutzt habe und auch ein paar Spiele, in denen ich sicherlich nicht meine beste Leistung abliefern konnte. Ich glaube jedoch, dass so etwas ganz normal in der Entwicklung eines Spielers ist – vor allem in einer Spielzeit nach einer Verletzung. Man muss zudem aufpassen, bei mir ging es schnell hoch – die ersten drei Bundesliga-Partien allesamt getroffen dann Nationalteam-Einberufung, da muss man aufpassen, dass es nicht schnell wieder runtergeht. Es gab dann auch Spiele, wo ich nicht zum Einsatz kam – aber ich konnte mich durchbeißen und jetzt läuft´s gut. Wie schon gesagt, alles in allem bin ich sehr zufrieden.

 

 

 

Kommen wir zum Nationalteam: vor einem Jahr hoffte Fußball-Österreich, dass sich bis zum Sommer ein treffsicherer Stürmer für die Europameisterschaft finden würde. Durch die Verschiebung hat der Teamchef nun mit Adrian Grbic und dir gleich zwei erfolgreiche Angreifer zur Auswahl – könnte man sagen, Österreich und vor allem du persönlich haben von der Verschiebung profitiert?

Sportlich gesehen habe ich mit Sicherheit profitiert. Ich konnte mich wieder zurückkämpfen und habe die Gelegenheit bekommen, mich im Nationalteam zu beweisen. Jetzt heißt es natürlich dranbleiben, sich weiter beweisen und dafür kämpfen, dass ich mich auch für die Euro empfehlen kann.

Ich konnte mich wieder zurückkämpfen und habe die Gelegenheit bekommen, mich im Nationalteam zu beweisen

Sportlich bleibt dennoch die Frage – wie weit kann es für das Nationalteam gehen und wie gut stehen die Chancen, dass Sasa Kalajdzic beim Erreichen dieser Ziele mithelfen kann?

Mit den Niederlanden haben wir einen klaren Favoriten in unserer Gruppe, aber auch die Ukrainer und die Nordmazedonier sind nicht zu unterschätzen. Bei einem Großereignis kann natürlich viel geschehen, alle Mannschaften werden alles geben. Wichtig bleibt zunächst die Fokussierung aufs Wesentliche – so sollte man sich jetzt für die Zeit bis zur Euro konzentrieren und nicht schon zu viel im Vorfeld spekulieren. Am wichtigsten ist jedoch mit Sicherheit, dass wir alle bis dahin gesund bleiben.

Trotz Pandemie findet die EM in zwölf Ländern statt – für dich ein verständlicher Schritt?

Ich habe mir ehrlich gesagt darüber bisher weniger Gedanken gemacht. Ich hoffe, dass bis dahin wieder Fans im Stadion zugelassen werden können. Für mich ist eine EM ein Fest und da gehören die Fans einfach dazu. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich vor ein paar Jahren selbst noch zum Public Viewing mit meinen Freunden gepilgert bin und auf dem Weg überall Menschen mit Trikots und rot-weiß-roter Farbe im Gesicht getroffen habe.

Wenn man etwas recherchiert, stößt man neben deinen Erfolgen schnell auf den Kampf vom ÖFB und Serbien um dich. Was hat am Ende den Ausschlag für Österreich gegeben?

Es war so, dass mir der ÖFB als erster Verband eine Einladung geschickt hat –da gab es dann nicht viel nachzudenken. Generell wurde dieses Thema in den Medien mehr aufgeblasen – ich wollte immer nur Fußball spielen. Ich bin natürlich sehr stolz für das österreichische Nationalteam zu spielen, bin aber genauso stolz auf meine serbischen Wurzeln. Schließlich wurde es Österreich, da der Verband mich wollte – Österreich ist zudem meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen und Österreich ist auch das Land, das meine Eltern aufgenommen hat, als die Situation in Bosnien schwieriger wurde.

Generell dürfte so etwas für Spieler mit Wurzeln außerhalb Österreichs immer schwierig sein, man kann schnell zum Buhmann werden – spielt so etwas bei der Entscheidung mit?

Nein, alles was ich will, ist gut Fußball zu spielen.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Spaß beim Fußballspielen.

Dankesehr!