Die Gerüchteküche hat lange gebrodelt, in den letzten Wochen wurde es konkreter und nun ist es fix: David Alaba wird den FC Bayern München nach dreizehn erfolgreichen Jahren verlassen. Das verkündete der Österreicher in einer Pressekonferenz am Dienstag. Über seine nächste Adresse hält sich der gebürtige Wiener noch bedeckt, es deutet aber vieles auf Real Madrid hin.


Nach Monaten des Hin- und Her ist nun also das Gewissheit, was alle schon längst wussten. Trotz Huldigungen von Seiten des Bayern-Präsidiums, blieb die große Empathie Alaba gegenüber weitgehend aus. Ein Indiz für etwas, was sich in Alabas Karriere in Wirklichkeit seit Jahren abzeichnet: Er ist nicht mehr das gefeierte Talent von früher. 

Es ist der 10.09.2013, die österreichische Nationalmannschaft kämpft im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen Irland um den Anschluss in der Qualifikationsgruppe für die Weltmeisterschaft in Brasilien. Die ÖFB-Elf ist 83 Minuten lang angelaufen, hat reihenweise Chancen liegen lassen und läuft in Gefahr in der Tabelle weiter zurückzufallen. Es folgt der große Auftritt des damals 21-jährigen David Alaba, der nach einem Abwehrfehler der Iren in Manier eines kaltschnäuzigen Stürmers zum erlösenden 1:0 trifft. Dieser Alaba hatte im Hinspiel in Belfast sechs Monate zuvor auch den überlebenswichtigen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit erzielt. Auch wenn es schlussendlich nicht zur WM-Teilnahme reichte, Alaba war der Mann für die ganz großen Momente und begeisterte selbst bei Niederlagen mit soliden Auftritten. Dieser Zauber ist im Laufe der Zeit aber verflogen. 

Zum Bericht: Alaba gibt Abschied vom FC Bayern bekannt

Die ständige Diskussion, warum er im Verein nicht auf der gleichen Position wie im Nationalteam spielt, ist Alaba in seiner Entwicklung bis heute ein Dorn im Auge. Das machte sich zu Beginn mehr in der Nationalmannschaft als im Verein bemerkbar, denn in der goldenen Zeit der Bayern spielte er mit seinem kongenialen Partner Franck Ribery auf der linken Seite alle schwindelig. Womöglich war es der immense Druck, dem Alaba in Österreich als großer Hoffnungsträger gerecht werden musste. Immerhin hat man als Sechser mehr kreative Möglichkeiten auf dem Platz und kann eine Mannschaft von der Position aus lenken. Der Rolle des “Leaders” wurde er aber noch nie wirklich gerecht. Das ein oder andere Mal hat er sowohl im Verein als auch international die Kapitänsbinde getragen, aber in Österreich sind ihm beispielsweise Julian Baumgartlinger oder Marko Arnautovic in Sachen Führungsqualitäten ganz klar voraus. Dasselbe gilt bei den Bayern: Obwohl er seit über einer Dekade dort aktiv ist, hat er nicht den gleichen Status wie etwa Thomas Müller, Robert Lewandowski oder Manuel Neuer. Er ist in beiden Teams jemand, den man stets auf dem Radar hat, aber der nie durch bahnbrechende Aktionen auf oder neben dem Platz auf sich aufmerksam macht. 

Das Scheitern der Vertragsverhandlungen und die darauffolgenden Spekulationen um seine Zukunft waren tatsächlich die ersten Lebenszeichen von Alaba nach Jahren der Stagnation. Nicht unbedingt positive Schlagzeilen, aber wenigstens etwas. Davor hatte es den Anschein, als wäre er in Vergessenheit geraten. Dabei war er immer fester Bestandteil der Stammelf, ohne dabei großartig zu brillieren – aber auch ohne negativ aufzufallen oder zu enttäuschen. Alaba ist jemand, der brav seine Aufgaben auf dem Platz erledigt und schwere Fehler weitgehend vermeidet, wobei selbst diese sich zuletzt auffällig gehäuft haben. Er ist natürlich nicht der einzige Spieler, der seine Komfortzone in der weniger risikobehafteten Spielweise hat. Das ist auch absolut in Ordnung, nicht jeder ist darauf aus, auf dem Platz ständig Bäume auszureißen. Aber da es in Alabas Spielphilosophie über mittlerweile Jahre kaum Fortschritte gab, war sein Vorhaben, mehr Verantwortung zu übernehmen und eine Vorbildfunktion einzunehmen, nur von überschaubarem Erfolg. Und das obwohl sein Wunsch, bei den Bayern öfter auf der Sechs zu spielen, durchaus erhört wurde. In den letzten Jahren hat er sich dort sowieso eher als Innenverteidiger festgespielt, was er auch richtig stark macht. Die Vielseitigkeit seines Positionsspiels ist heute eine Stärke Alabas. Aber selbst diese ist nichts weltbewegendes, da sich im heutigen Fußball immer weniger Spieler auf eine bestimmte Position fixieren. 

Viele stellen sich jetzt die Frage, ob Alaba die Bayern nach den vielen erfolgreichen Jahren als Legende verlässt. Die wunderschönen Freistoß- und Weitschusstore und die bedingungslose Hingabe, die er dem Verein gegenüber zeigte, bescheren Fans auf jeden Fall einige schöne Erinnerungen. Letzteres hat sich durch das ewige Wechseltheater nun allerdings deutlich weniger Wert. Ob es für David Alaba reicht, einen Platz in der Münchener Hall of Fame neben Größen wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder auch seinen alten Kumpel Ribery einzunehmen, muss daher stark angezweifelt werden. 

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