Seit einiger Zeit hat sich Deutschland als die Legionärs-Hochburg schlechthin für Österreicher etabliert. Die 12terMann.at-Serie “Die große Pause” wirft im ersten Teil einen genaueren Blick in die obere Tabellenhälfte der Bundesliga.

Titelbild-Credits: FC Bayern München Website, SC Freiburg Website, Union Berlin Website

Während Österreich bei der Weltmeisterschaft wieder einmal nur Zuschauer ist, ist unser Nachbar, der viermalige Weltmeister Deutschland, gewillt, die Schmach der WM 2018 vergessen zu machen. Hierfür wird Bundestrainer Hansi Flick heute im Entscheidungsspiel gegen Costa Rica vermutlich wieder auf einen starken Bayern-Block setzen, der den Aufstieg fixieren soll.

Sabitzer klar verbessert

Teil des FC Bayern München ist seit Sommer 2021 auch Marcel Sabitzer. Die Debütsaison 2021/22 war für den 28-jährigen Mittelfeldspieler ein Flop, deshalb wurden im Sommer auch Gerüchte laut, wonach Sabitzer den Rekordmeister schon wieder verlassen könnte. Der Ex-Leipzig-Kapitän nahm allerdings die Herausforderung an, blieb bei den Bayern und konnte in dieser Saison einen deutlichen Leistungssprung verzeichnen. 23 Pflichtspiele, die Hälfte davon von Beginn an, ein Tor und ein Assist stehen auf der Habenseite des gebürtigen Oberösterreichers. 1.007 Spielminuten konnte er im Herbst sammeln. Zum Vergleich: 2021/22 kam er insgesamt auf nur 1.076 Minuten. Damit hat sich der Verbleib bislang bezahlt gemacht, und vielleicht kann sich Sabitzer ja im Frühjahr beim Tabellenführer wieder einen Stammplatz erkämpfen.

Freiburger Festspiele

Die Frage, wo es in der Saison noch hingehen kann, darf sich der SC Freiburg stellen. Die Mannschaft von Trainer Christian Streich steht im Achtelfinale der Europa League und des DFB-Pokals und überwintert auf Platz zwei in der Liga. Dabei haben auch zwei Legionäre ihren Anteil. Philipp Lienhart stand in 22 von 23 möglichen Pflichtspielen in der Startelf, hat in der Bundesliga im Herbst genau zwei Minuten verpasst und sorgt in der Innenverteidigung mit dafür, dass die Breisgauer die zweitbeste Defensive der Liga stellen.

Während der 26-jährige Lienhart also dafür sorgt, dass hinten der Laden dicht bleibt, ist im Sturm ein 28-jähriger Steirer dafür zuständig, dass der SC auch Tore schießt. Michael Gregoritsch ist im Sommer vom FC Augsburg gekommen und hat im Südwesten Deutschlands sofort eingeschlagen. In 20 von 23 möglichen Spielen stand er in der Startelf, dazu lieferte er zehn Tore und drei Assists. Der zwischenzeitlich stark kritisierte Gregoritsch kann mittlerweile sportlich wieder voll überzeugen und wer weiß, wo Freiburg mit den beiden starken Österreichern am Saisonende landet.

RB greift wieder an

Zwei Österreicher finden sich auch im Bullenstall bei RB Leipzig wieder. Während für Xaver Schlager das Kapitel erst in diesem Sommer begonnen hat, ist es für Konrad Laimer wohl die letzte Saison in Sachsen, sein Vertrag läuft im Sommer aus. Allerdings konnte Laimer neue potenzielle Arbeitgeber in dieser Saison noch nicht wirklich überzeugen, fällt der 25-jährige Salzburger doch seit Mitte September, nach sechs absolvierten Pflichtspielen ohne Torbeteiligung, mit einem Syndesmosebandriss aus und konnte erst ein Spiel unter Neo-Trainer Marco Rose absolvieren.

Während die Herbstsaison also für Laimer im September beendet war, ging sie für Xaver Schlager erst dort richtig los. 169 Minuten durfte er nämlich zuvor in den ersten sieben Pflichtspielen unter Domenico Tedesco sammeln, doch seit Marco Rose das Zepter übernahm, stand er in 14 von 16 Pflichtspielen in der Startelf, erzielte ein Tor und hat als Mittelfeldmotor einen großen Anteil daran, dass RB in der Liga wieder auf den Champions-League-Plätzen steht und sich in der Königsklasse selbst noch fürs Achtelfinale qualifizieren konnte.

Traumsaison in Berlin

Dass der 1. FC Union Berlin im Oktober 2022 die Tabelle in Deutschland anführt, damit haben wohl selbst die größten Optimisten unter den “Eisernen” nicht gerechnet. Ein großen Anteil am Erfolgslauf der Hauptstädter hat Kapitän Christopher Trimmel, der mit seinen 35 Jahren die rechte Flanke wie zu seinen besten Zeiten beackert. Man könnte allerdings durchaus argumentieren, dass Trimmels beste Zeit gerade ist. Immerhin kommt der Burgenländer in dieser Saison auf 19 Pflichtspiele, davon 16 von Beginn an, nur dreimal wurde er geschont und blieb auf der Bank. Am sensationellen fünften Tabellenplatz hat der 25-fache Nationalspieler mit zwei Assists einen großen Anteil, genauso am Aufstieg in die KO-Runde der Europa League. Und wer weiß, wenn Trimmel und ganz Union Berlin eine ähnliche Serie im Frühjahr hinlegen wie im Herbst, wo die Reise noch hingehen kann.

Wolfsburger Turnaround

Der VfL Wolfsburg startete eher schwach in der Saison, Neo-Trainer Niko Kovac stand bereits früh in der Kritik und sein Abgang stand kurz bevor. Allerdings datiert die letzte Pflichtspielniederlage des VfL vom 18. September, seither feierte man in neun Spielen sechs Siege. Einen gewichtigen Anteil daran hat der Shootingstar der letzten Bundesligasaison, Patrick Wimmer. Der 21-jährige Außenspieler verletzte sich am zweiten Spieltag und kam just Anfang Oktober wieder zurück, man kann also sagen, dass mit der Rückkehr Wimmers der Aufschwung der Wölfe begann.

Insgesamt neun Startelfeinsätze hat er in dieser Saison am Buckel, dazu wurde er noch einmal eingewechselt. Ein Tor und drei Vorlagen hat Wimmer in der Liga dazu beigetragen, dass der VfL nach dem verkorksten Saisonstart sogar auf Platz sieben überwintert. Nicht ganz so viel dazu beigetragen hat Pavao Pervan. Der 35-jährige Tormann saß in allen 17 Pflichtspielen auf der Bank, kam allerdings nie zum Einsatz.

Wenige Einsätze am Niederrhein

Borussia Mönchengladbach erlebte eine letzte Saison zum Vergessen, man wurde nur Zehnter und Adi Hütter musste am Saisonende als Trainer gehen. In dieser Saison spielt man unter dem neuen Trainer Daniel Farke etwas solider, allerdings leiden die Einsatzzeiten der beiden Österreicher massiv unter dem Ex-Premier-League-Coach. Stefan Lainer kam, auch aufgrund von Verletzungen und Erkrankungen, erst in fünf Pflichtspielen zum Einsatz und verzeichnete dabei gerade einmal 40 Einsatzminuten. Der 30-jährige Rechtsverteidiger wurde auf seiner Position verdrängt, eine Rückkehr in die Stammformation ist nicht in Sicht.

Etwas besser stellte sich der Saisonbeginn für Hannes Wolf beim Tabellenachten dar. Der 23-jährige Offensivspieler kam nach seiner Rückkehr von der Leihe zu Swansea City in den ersten acht Spielen viermal zum Einsatz, danach verletzte sich der Ex-Salzburger allerdings an der Schulter und ist seither zum Zuschauen verdammt. Insgesamt 90 Einsatzminuten nach 17 Spielen lesen sich für die beiden Österreicher insgesamt aber doch sehr dürftig.

Beinahe täglich findest du hier neue Teile der “Großen Pause”.

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