Ein Bericht des britischen „Guardian“ vor wenigen Wochen, wonach bei den WM-Bauarbeiten in Katar bereits 6.500 Arbeiter ihr Leben lassen mussten, hat die Kritik an der bereits stark umstrittenen Weltmeisterschaft 2022 im Wüstenstaat erneut aufflammen lassen. Die Gastgeber ist seit jeher wegen seines katastrophalen Umgangs mit den Menschenrechten in Verruf.


Auch wenn man aus Katar Beschwichtigungen hört, die Zahlen seien angesichts eines Zeitraums von zehn Jahren zu erwarten und würden die Öffentlichkeit in die Irre führen. Nach den Enthüllungen werden Verbände erstmals lautstärker dazu gedrängt, den Skandalen nicht mehr tatenlos zuzusehen. In Norwegen haben sich mehrere Erstligisten dafür ausgesprochen, dass die Nationalmannschaft um Erling Braut Haaland dem Turnier auf jeden Fall fern bleiben soll. In Deutschland gab es unter anderem vom Bündnis „ProFans“ einen ähnlichen Aufruf in Richtung Deutschen Fußball-Bund. Auch in Frankreich formierte sich Protest, wenngleich Verbandspräsident Noel Le Graet bereits wissen ließ, dass man in Katar bei einer erfolgreichen Qualifikation dabei sein werde. In Dänemark läuft seit Dezember eine Petition für einen Boykott. Falls bis 8. Juni 50.000 Unterschriften erreicht sind, muss im Parlament darüber debattiert werden.

Aber wieso fällt es den Verbänden im Zusammenhang mit Katar von sich aus so schwer, Missstände klar anzusprechen? Gegen Rassismus treten Spieler, Klubs und Verbände sehr oft und lautstark in Erscheinung. Auch Homophobie wird vermehrt der Kampf angesagt. Zuletzt haben sich rund um Deutschlands Weltmeister Toni Kroos mehrere Spieler zusammengetan, um ein wichtige Wort gegen Mobbing in den Sozialen Medien auszusprechen.

Macht man einen kleinen Schauplatzwechsel, hat man kürzlich eine deutliche Kritik von Ski-Star Mikaela Shiffrin an den Olympischen Spielen 2022 in Peking gehört. Da geht es freilich um das Einsperren von Uiguren in Straflagern. Kritik an Veranstaltern ist also auch von Seiten der Sportler möglich. Aber wieso fällt es dem Profifußball so schwer, hier Wort zu ergreifen? Ja, auch der ÖFB ist in aller Deutlichkeit zu nennen. Man muss nicht gleich einen Boykott in Erwägung ziehen – auch wenn sich den viele wünschen. Klare Kritik am Veranstalter ist aber zu erwarten. Ein Hoffen auf Besserung durch die WM alleine ist zu wenig. Länder wie Katar fühlen sich in ihrem Tun bestätigt, wenn sie trotz fürchterlicher Menschenrechtsverhältnisse im eigenen Land derartige Großereignisse austragen dürfen. Amnesty International rief dieser Tage erneut die FIFA auf, man möge Katar endlich stärker in die Pflicht nehmen.

Am Mittwoch startet in Europa die Qualifikation für die WM 2022. Auf den Banden am Spielfeldrand und Trikots der Spieler wird man, wie bei FIFA-Bewerben üblich, das Wort “Respect” lesen können. Es wäre an der Zeit, das Thema auch wirklich zu leben.

Der ÖFB wurde am 10. März um eine Stellungnahme zu dem Thema gebeten. Bis zur Veröffentlichung des Artikels gab es keine Antwort. Sollte diese folgen, wird der Artikel aktualisiert.

Titelbild: flickr.com/creative commons

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