Österreich, Wales und die letzte Chance für die Qualifikation für eine umstrittene Weltmeisterschaft – da klingelt es. Die genannten Eckpunkte sind nicht nur die Schlagworte für das am 24. März stattfindende erste Spiel im WM-Playoff, es waren auch jene für das Spiel der letzten Chance bei der Qualifikation für das Turnier in Russland 2018.


Im September 2017 war es Ben Woodburn, der mit einem strammen Schuss in seinem Länderspiel-Debüt die Hoffnungen der damaligen Koller-Elf auf die erste Endrunden-Teilnahme bei einer Weltmeisterschaft seit 1998 zu Nichte machte. Mehr als vier Jahre später wird Franco Foda mit dem Wissen, dass an der Qualifikationsfrage auch seine berufliche Zukunft hängt, im kühlen Cardiff auf der Trainerbank Platz nehmen. Auch wenn die Eckpunkte dieselben sind, haben sich die Parameter geändert.

Der Gastgeber heißt Österreich nicht mehr als amtierender EM-Halbfinalist willkommen, der sich erst gegen den späteren Champion geschlagen geben musste. Dieser von Konjunktiven überladene inoffizielle Europameisterschaftstitel ziert dieses Mal die Visitenkarte der ÖFB-Mannschaft, die sich 2021 im Achtefinale den späteren Europameister Italien beugen musste.  

Auch Wales einstiger Wunderknabe Woodburn ist nicht mehr Nachwuchsjuwel des FC Liverpools, sondern auf formschwacher Leihmission beim schottischen Erstligisten Heart of Midlothian. Auch der bekannteste walisische Name im Fußballgeschäft Gareth Bale hat mittlerweile an Glanz verloren, der bei einem möglichen Scheitern im Playoff sich aus der Nationalmannschaft zurückziehen wird.

Andere Inselkicker sind jedoch gewillt den vorsichtig aufkeimenden österreichischen Optimismus, ob des vermeintlich leichten Loses, zu zerschlagen. Wales verfügt auch abseits vom königlichen Hobbygolfer über ausgezeichnete Attribute, die den rot-weiß-roten WM-Traum ein jähes Ende bereiten könnten.

 

 

Die Mannschaft von Robert Page wusste in der jüngeren Vergangenheit ihre Stärken stets auszuspielen. Nachdem auch Wales schlussendlich die Weltmeisterschaft 2018 vor den TV-Geräten verfolgen musste, wurden die Waliser zu einem Musterbeispiel knallharter Effizienz und Disziplin. Besonders die Performance vor den eigenen Anhängern liegt den Walisern – seit November 2018 musste sich Wales daheim nicht mehr geschlagen geben. Diese beeindruckende Serie brachte die Insel-Kicker auch zur Europameisterschaft 2021, wo sie übermächtigen Dänen chancenlos mit 0:4 unterlagen – ein Schicksal, welches die Foda-Elf im März 2021 im eigenen Stadion erfuhr.

Das walisische Spiel lebt von Härte – gleich zwei Platzverweise mussten die Inselkicker bei der Euro hinnehmen. Im Offensivspiel beweisen die Mannen rund um Kieffer Moore jedoch gnadenlose Effizienz. Demnach konnte die Nationalmannschaft von Wales aus seinen 37 Torschüssen in acht Partien vierzehn Mal jubeln. Die Treffer sorgten auch für einige Überraschungen. So gelang dem 20. der FIFA-Weltrangliste gegen den Spitzenreiter der Wertung Belgien in Cardiff ein respektables 1:1. Gegen das Euro-Überraschungsteam aus Tschechien sicherten sich die Waliser mit einem 1:0 daheim und einem 2:2 auswärts den Vorteil im letztlich für das Playoff-Ticket entscheidenden Kampf um Platz zwei. Auch in der Nations League darf sich Wales nach dem Aufstieg in Gruppe A mit Polen, Niederlande und erneut Belgien messen. Eine Ehre, die sich das 133-Millionen-Euro-Team nach einer beinah makellosen Serie gegen Irland, Bulgarien und Finnland in der zweiten Division erarbeitet hat. Damals ließ die Page-Elf nur auswärts beim Insel-Nachbarn Irland mit einem 0:0 Punkte liegen.