Nach 39 Jahren Abstinenz ist es endlich soweit. Eintracht Frankfurt erreicht durch eine beeindruckende Leistung gegen Benfica Lissabon im Viertelfinal-Rückspiel wieder ein Europapokal-Halbfinale. Doch der Weg dorthin war kein leichter. 


Am 19.Mai 2018 vollbrachte Eintracht Frankfurt ein Fußballwunder und versetzte die ganze Fußballwelt in Staunen. Man schlug den großen FC Bayern München durch ein 3:1 im Finale des DFB-Pokals im Berliner Olympiastadion und qualifizierte sich somit endlich wieder für die Europa League. Doch die Freude hielt nicht lange, denn die Mannschaft drohte zu zerbrechen. Zahlreiche Leistungsträger wie Erfolgstrainer Niko Kovac, Marius Wolf, Lukas Hradecky als auch Kevin Prince Boateng verließen den Verein. Zudem kursierten immer wieder Gerüchte um Abgänge von Ante Rebic, Luka Jovic oder Sebastien Haller.

 

Doch die Eintracht schaffte das Unmögliche. Mit Adi Hütter wurde ein Trainer verpflichtet, der bisher mit jedem seiner Klubs Erfolg hatte. Mit Kevin Trapp kehrte ein alter Bekannter zurück und zur Überraschung aller blieben Rebic, Jovic und Haller der Eintracht noch über den Sommer hinaus erhalten. Durch die Verpflichtungen von Paciencia, N’Dicka und Kostic konnte man außerdem die Abgänge gut kompensieren. Die Fußstapfen für Hütter könnten dennoch nicht größer sein und nach der desaströsen 0:5 Niederlage gegen den FC Bayern München im Supercup und einem nicht ganz so erfolgreichen Saisonstart kamen schon die ersten Fragen auf. Kann Hütter Bundesliga? Spielt Frankfurt diese Saison um den Abstieg? Präsentiert sich die Eintracht in der Europa League als Kanonenfutter?

 

Frankfurts EL-Gruppe wurde von einigen sogar als „Todesgruppe“ bezeichnet. Die Gruppengegner waren niemand geringeres als Lazio Rom, Olympique Marseille und Apollon Limassol. Für viele war das Ausscheiden der Eintracht bereits vorprogrammiert. Doch sie belehrten jeden eines Besseren. Zum Start siegten sie 2:1 in Marseille, ehe Frankfurt Lazio Rom anschließend durch einen genialen Taktikplan Hütters mit 4:1 aus der Commerzbank-Arena schoss. Auch die weiteren Ergebnisse ließen sich sehen. 2:0 Sieg zuhause gegen Limassol, dann ein 3:2 Erfolg in Zypern. Das Highlight der Gruppenphase ereignete sich allerdings erst am nächsten Spieltag. Eintracht Frankfurt fertigte ein völlig überfordertes Marseille mit 4:0 ab. Spätestens jetzt war klar, diese Eintracht muss jeder auf dem Zettel haben. Am letzten Spieltag besiegte man Lazio Rom abermals und schloss die Gruppenphase als Gruppenerster ohne jeglichen Punkteverlust ab und versetzte ganz Deutschland in Euphorie. Auch in der Liga stand man zu diesem Zeitpunkt gut da und war schon seit längerer Zeit ungeschlagen.

 

Am 17. Dezember wurde der Eintracht in Nyon mit Shakhtar Donetsk ein Gegner zugelost, der härter nicht sein könnte. Doch wie schon im Sommer tätigte Frankfurt wieder die richtigen Transfers um die Hürde Donetsk zu nehmen. Mit Sebastian Rode kam ein Spieler, den man im Frankfurt schon gut kannte und der durch seine Stationen bei Bayern München und Borussia Dortmund einige internationale Erfahrung sammeln konnte. Doch der absolute Top-Transfer war jener von Martin Hinteregger. Nach seinen Diskrepanzen in Augsburg, reagierte Frankfurt blitzschnell und lieh ihn prompt aus. Sofort avancierte er zum Leistungsträger und Fanliebling.

 

Im Hinspiel des Sechzehntelfinales war er es auch, der die Eintracht in Führung schoss und erheblichen Anteil daran hatte, dass man ein 2:2 Unentschieden in Donetsk erkämpfte und somit eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel schaffte. In diesem präsentierte sich Frankfurt wieder in einer Top-Verfassung und unterstrich einmal mehr ihre Heimstärke. Das magische Dreieck um Jovic, Rebic und Haller bescherte den Fans einen 4:1 Sieg und ebnete Frankfurt den Weg ins Achtelfinale.

 

In diesem traf man auf Rapid-Bezwinger und Traditionsklub Inter Mailand. Diese wollten ihren Fans nach zahlreichen erfolglosen Jahren wieder einen Titel präsentieren. Doch auch sie kamen nicht über die Hürde Frankfurt hinaus. Durch ein 0:0 Unentschieden in der Commerzbank-Arena, in welchem Kevin Trapp einen Elfmeter hielt und somit einen frühen Rückstand vermied und einem 1:0 Sieg in Mailand war die Überraschung vollbracht. Spätestens jetzt war Niko Kovac bei der Eintracht vergessen und die Verpflichtung Hütters erwies sich als voller Erfolg. Der ehemalige Salzburg-Trainer begeisterte durch seine offensive Spielweise, seine klugen Wechsel und seine genialen taktischen Geniestreiche.

 

Im Viertelfinale erwartete Frankfurt mit Benfica Lissabon ein unglaublich harter Gegner, der einen sehr starken Kader, gespickt mit zahlreichen Talenten, aufwies und gerade den kroatischen Rekordmeister Dinamo Zagreb eliminierte. Das Hinspiel fand in Portugal statt und der Start konnte nicht schlimmer sein. N’Dicka sah bereits nach 20 Minuten die rote Karte und bescherte Benfica einen Elfmeter, den Top-Talent Joao Felix prompt verwandelte. Hütter hielt trotz der Unterzahl an seiner Taktik fest, was nach 40 Minuten belohnt wurde. Luka Jovic erzielte nach einem klasse Rebic Zuspiel das wichtige 1:1. Kurz vor der Pause schockte Felix die Eintracht mit einem Distanzschuss und erzielte das 2:1. Auch nach der Pause startete Benfica Lissabon besser in die zweite Halbzeit und erhöhte durch Ruben Dias und erneut Joao Felix auf 4:1. Jetzt hatte die Eintracht vermutlich jeder abgeschrieben. Doch Hütter ließ weiterhin offensiv spielen und nach 72 Spielminuten traf der zuvor eingewechselte Paciencia zum wichtigen 4:2 und erzielte somit das extrem wichtige zweite Auswärtstor, das im Rückspiel zum wichtigen Faktor wurde.

 

Nach einer verpatzten 1:3 Niederlage in der Generalprobe gegen Augsburg und dem Fehlen von Martin Hinteregger sowie Sebastien Haller standen die Chancen aufs Weiterkommen schlecht. Doch Frankfurt überraschte wieder einmal jeden. Mit einem von Hütter exzellent ausgearbeiteten Matchplan starteten sie gut in die Partie. Es gelang Frankfurt zudem perfekt, den im Hinspiel erfolgreichen Joao Felix aus der Partie zu nehmen. Nach 37 Minuten war es dann soweit. Rebic behauptet den Ball am Sechzehner, legt im richtigen Moment auf Gacinovic ab, der mit einem platzierten Schuss aus 18 Metern den Pfosten trifft. Von diesem springt der Ball zu dem lauernden Kostic der zur 1:0 Führung abstaubt. In dieser Szene hatte die Eintracht allerdings etwas Glück, da der Torschütze beim Schuss von Gacinovic klar im Abseits stand. Fürs Weiterkommen fehlte jetzt nur noch ein Tor. Frankfurt lieferte eine kämpferisch beeindruckende Leistung ab und nach 67 Minuten bebte das ganze Stadion. Der an diesem Tag grandios spielende Sebastian Rode versuchte aus 17 Metern sein Glück und traf zum 2:0. Ein fantastischer Spielzug, den Rode durch eine Balleroberung im Mittelfeld selbst einleitete. Frankfurt machte weiterhin Dampf und es gelang das Ergebnis erfolgreich zu verwalten. Nach 95 Minuten war in der Commerzbank-Arena Schluss und ganz Frankfurt fiel in Ekstase.

Durch eine beherzte Leistung und einer überragenden Unterstützung der eigenen Fans zog man also ins Halbfinale ein, wo nun Chelsea wartet. Dass diese anfällig sind bewies schon Slavia Prag und wer wenn nicht Frankfurt sollte in der Lage sein, die Londoner zu bezwingen.

 

 

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