Die Enthüllungsplattform Football Leaks veröffentlichte im November wieder neue Dokumente, die Europas Großklubs nicht gut dastehen lassen. Vor allem wurden dadurch Pläne der Klubbosse publik, abseits der offiziellen Regelwerke der UEFA eine eigene Super League zu gründen. 12terMann hat für euch recherchiert, welche Auswirkungen dieser Plan auf den österreichischen Fussball haben könnte.


ARD-Dokumentation sorgte für Aufsehen

Die ARD-Doku „Football Leaks – Von Gier, Lügen und geheimen Deals“ sorgte in den letzten Wochen für Aufsehen beim interessierten Fussball-Fan. Die Dokumentation zeigte die Arbeit einer Recherche-Plattform um führende europäische Medien, angeführt vom deutschen Spiegel. Dem Spiegel-Journalist Rafael Buschmann wurden von einem der Gründer der Plattform Football Leaks geheime Dokumente zur Verfügung gestellt. Der Inhalt dieser Dokumente ist brisant und könnte die Fussball-Welt nachhaltig verändern. Eine dieser einschneidenden Veränderungen betrifft den europäischen Klubfussball.

Neben Hinweisen auf unlautere Absprachen von FIFA-Boss Gianni Infantino mit Paris Saint Germain und Manchester City im Hinblick auf die Regeln des Financial Fair Play geht aus den kürzlich veröffentlichten Dokumenten auch hervor, dass Infantino massiv Einfluss auf den FIFA Ethik-Code nahm. So soll Berichten des Spiegel zufolge auf Infantinos Verlangen hin der Begriff „Korruption“ aus dem Kodex gestrichen worden sein.

Pläne für europäische Super League

Darüber hinaus wurde durch Football Leaks publik, dass etliche Manager der europäischen Tobklubs  an einer eigenen Liga feilen und mit dem Gedanken spielen, aus den nationalen Ligen und den europäischen Klubbewerben gänzlich auszusteigen. An einer neu zu gründenden „Super League“ sollen exklusiv nur acht bis zehn europäische Tobklubs teilnehmen können. Dazu gehören beispielsweise Paris Saint-Germain, Manchester City, Real Madrid, der FC Barcelona, der AC Mailand, Arsenal London und der FC Bayern München. Spielern, die bei einem der Super League-Teams unter Vertrag stehen, drohe nach Aussagen des FIFA-Chefs sogar der Auschluss von der Teilnahme an der FIFA-Weltmeisterschaft. Der Bewerb soll von einer eigenen Firma vermarktet und abseits des regulären Regelwerks der UEFA durchgeführt werden. Noch unklar ist, ob die Super League zusätzlich zur UEFA Champions League und Europa League, oder statt diesen Bewerben durchgeführt werden soll.

Der gänzliche Ausstieg der besagten Topklubs aus den Klubbewerben der UEFA würde diese bedeutend abwerten, was indirekt auch Auswirkungen auf österreichische Klubs haben könnte. Ab der Saison 2019/2020 ist der nationale Meister der österreichischen Tipico Bundesliga fix für die Champions League qualifiziert, der Liga-Zweite hat über die Play-Offs die Möglichkeit, am Bewerb teil zu nehmen. Zusätzlich wird der Cup-Sieger fix für die Europa League qualifiziert sein. Die Meisterschafts-Dritten und -Vierten spielen in der Europa League-Qualifikation.

Massive Finanzeinbußen für österreichische Klubs zu befürchten

Die sportlichen Auswirkungen einer Super League wären für die österreichischen Vereine nicht gravierend, sondern eher positiv: Würden acht bis zehn Topklubs aus der Champions League austreten, wäre es für kleine Klubs leichter, an diesen Wettbewerben überhaupt teilnehmen zu können. Die finanziellen Folgen für die österreichischen Klubs währen jedoch massiv, würden sich doch die Einnahmen aus diesen Klubbewerben durch eine Super League signifikant verringern. Dies liegt zunächst daran, dass  Zuschauereinnahmen und Fernsehgelder abhanden kommen. Diese sind bekanntlich dann am höchsten, wenn es zu Duellen mit europäischen Großklubs kommt. Aber auch die Teilnahmegelder an sich dürften bei Einführung einer Super League schwinden. Darüber hinaus würden die Einnahmen der UEFA selbst durch geringere Einnahmen durch Sponsoren- und TV Verträge sinken. 

In der aktuellen Saison hätte ein österreichischer Klub bei Teilnahme an der UEFA Champions League-Gruppenphase rund 20 Millionen Euro kassiert. Darunter fallen rund 15,25 Mio EUR reines Startgeld. Für jeden Sieg in der Champions League- Gruppenphase werden zusätzlich 2,7 Mio EUR ausgeschüttet, für ein Remis gibt es 900.000 EUR. Die Siegprämie in der UEFA Europa League beträgt 570.000, die Prämie für ein Unentschieden 190.000 EUR. Darüber hinaus werden weitere Prämien für das Erreichen des Achtelfinals ( 750.000 EUR), des Viertelfinals (weitere 2,2 Mio EUR) und des Halbfinals (zusätzliche 3,85 Mio) ausgeschüttet.

Darüber hinaus erhalten die Klubs auch variable Einnahmen aus dem Marktpool, welche sich in der Saison 2017/2018 auf rund 292 Mio EUR beliefen. Zusätzliche Gelder werden an die 32 Teilnehmer nach ihrer Platzierung in der UEFA Club-Koeffizienten Rangliste ausgeschüttet. Der Erstplatzierte bekommt rund 35 Mio EUR, der letzte rund 1,1 Mio EUR. Pro Platz kommt 1,1 Mio EUR dazu.

Die Auswirkungen auf die österreichischen Topklubs können anhand des Beispiels Red Bull Salzburg veranschaulicht werden: RB Salzburg ist mit einem geschätzten Jahresumsatz von rund 107 Mio EUR laut der Studie „Football Money League“ von Deloitte Österreichs finanzieller Spitzenreiter. Dahinter folgen mit großem Abstand Rapid Wien (rund 44 Mio Umsatz), die Wiener Austria (rund 32 Mio), und Sturm Graz (17,4 Mio). Das kolportierte Jahresbudget der Salzburger betrug in der erfolgreichen Europa League-Saison 2017/2018 rund 60 Mio EUR, bei einer aktuellen Transferbilanz von + 27,10 Mio EUR und einem Marktwert in Höhe von 112,55 Mio EUR. An Teilnahmeprämien gingen damit rund 7,76 Mio EUR an die Salzburger. Dazu kommen Zuschauereinnahmen und Gelder aus TV-Verträgen, über die keine seriösen Finanzdaten öffentlich zugänglich sind. Insgesamt beliefen sich diese aber auf rund 2 Mio EUR. Durch die Europa League Halbfinal-Teilnahme nahmen die Salzburger in der letzten Saison damit insgesamt rund 10 Mio EUR ein. Allerdings hießen die Gegner der Salzburger in der letzten Saison unter anderem Borussia Dortmund, Olympique Marseille und Lazio Rom . Es ist davon auszugehen, dass sich diese Zusatzgelder aus TV- und Zuschauereinnahmen mit einer Abwertung der Champions- und der Europa League massiv reduzieren werden.

Verluste auch für die UEFA selbst

Zu diesen Einnahmenverlusten der einzelnen Klubs sind die Verluste der UEFA selbst einzukalkulieren, welche bei Einführung der Super League drohen: Es ist davon auszugehen, dass die Topklubs erheblich zu den Gesamteinnahmen der UEFA aus Champions League und Europa League beitragen. Ingesamt existieren keine seriösen Datenquellen zu den Finanzen der UEFA. Laut UEFA-Finanzbericht hatte die UEFA in der Saison 2016/2017 Gesamteinnahmen in Höhe von rund 2, 8 Milliarden EUR zu verzeichnen.

Es wird geschätzt, dass die UEFA an alle Teilnehmer der Champions League, der Europa League und des UEFA Super Pokals 2017/2018 rund 2,83 Milliarden EUR ausgeschüttet hat. Davon geht der Großteil an die teilnehmenden Teams (2,1 Milliarden EUR), weitere 81 Mio EUR an den Sieger der Champions League, und 44,5 Mio EUR an den Sieger der Europa League. Der mit Abstand größte Teil der Einnahmen stammt laut Finanzbericht aus dem Verkauf der  TV-Übertragungsrechte (82 %, das sind rund 2,3 Milliarden EUR), im Vergleich dazu nur rund 37 Mio EUR (1,3 %) aus den Zuschauerticketverkäufen. 88,2 % der Einnahmen erzielt die UEFA direkt durch die Durchführung der Klubbewerbe, während die UEFA Europameisterschaft nur für rund 10 % der Einnahmen verantwortlich ist.

Diese Finanzdaten verdeutlichen, dass die Super League-Pläne zu erheblichen Einbußen sowohl für die UEFA selbst, aber in letzter Konsequenz auch für die einzelnen kleineren Klubs führen würde. Davon würden vor allem die österreichischen Klubs betroffen sein. Vor allem würde der Verlust der Übertragungsrechte die Teilnahmegelder an den europäischen Klubbewerben massiv verringern.

FIFA-Boss Gianni Infantino wies Mitte der Woche, wie derstandard.at berichtete, alle Vorwürfe von sich. Bayern-Boss Uli Hoeneß kündigte indes an, gegen den Spiegel rechtliche Schritte einzuleiten. Die Münchner waren laut der Dokumentation der ARD einer jener Vereine, die die Pläne zur Super League initiiert haben sollen.

Titelbild-Nachweis: Пресс-служба Президента России /wikipedia/[CC BY 4.0]/Abwandlung

 

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