Elf Mal versuchten sich die Salzburger bereits an einer erfolgreichen Qualifikation für die UEFA Champions League, elf Mal wurde nichts daraus. Doch gegen ein Covid-geplagtes Team von Maccabi Tel Aviv schaffte sich der österreichische Serienmeister mit einem 2:1-Erfolg eine optimale Ausgangslage für das Rückspiel kommende Woche. Spielerisch wechselte die Marsch-Truppe dabei munter zwischen Licht und Schatten.

12terMann-Kommentar: Das Spiel ist unzumutbar


Noch vor Anpfiff in Israel kursierten um das Champions-League-Playoff-Hinspiel so einige Fragezeichen. So fanden sich nach einer Vielzahl an Covid-Infektionen nur noch 17 Spieler am Matchplan von Maccabi Tel Aviv. Die von der UEFA fest gelegte Grenze, die 13 gesunde Feldspieler plus zwei einsatzbereite Torhüter verlangt, wurde von den Gastgebern gerade noch überschritten. Während sich zudem ganz Israel im zweiten Lockdown der Pandemie befand, spielten die Salzburger jedoch seit Minute eins entfesselt drauf los. Der vielzitierte Quali-Fluch, der bereits zu einem wahren Evergreen der heimischen Meme-Szene geworden ist, sollte endlich ad acta gelegt werden.

Hohes Pressing, direktes Passspiel und unbändige Entschlossenheit war von Beginn an die Marschrichtung der Mozartstädter. Bereits nach wenigen Sekunden tauchten die Salzburger im Strafraum der Israelis auf. Die erste Gelegenheit für den heimischen Serienmeister gehörte Dominik Szoboszlai. Der Ungar war mit einem scharf geschossenen Freistoß  Schuld daran, dass Daniel Tannenabums Torwarthandschuhe nach nicht einmal zwei Minuten schon dreckig wurden. Umso überraschender war es, als Maccabi plötzlich nach neun Minuten in Führung ging. Mustergültig bediente Almong mit einem sehenswerten Distanzpass Biton, der nach feiner Annahme mit der Brust Cican Stankovic überhob und zum 1:0 traf.

Salzburg zeigte sich vorerst wenig beeindruck vom Verlusttreffer. Bereits nach 15 Minuten war es erneut Szoboszlai, der mit einem Schuss aus knapp elf Metern an einem, glänzend auf der Linie klärenden, Israeli scheiterte. Maccabis Offensiv-Bemühungen beschränkten sich entgegen auf halbherzige Entlastungangriffe, die die Bullen-Defensive vor keine nennenswerten Probleme stieß.

Doch auch die anfänglichen Duracell-Hasen in rot liefen sich mit Fortlauf der Partie immer mehr an einer stetig kompakteren Maccabi-Hintermannschaft fest. Dem ein oder anderen Gustastückerl fehlte die flüssige Vollendung und so versandete das noch zu Beginn so frische Kombinationsspiel der Salzburger. Nach 35 Minuten ließen sich erste Parallelen im Spiel beider Teams festmachen, so übersahen beide Defensiven nach einem Eckball des Gegners die Offensivkräfte im Rückraum – beide Male wurde es gefährlich – beide Male beugte sich das Tornetz von der falschen Seite. Und so staunte das Mehr an Fans des Serienmeisters wohl zur Halbzeit (nicht) schlecht, denn so war der Champions-Quali-Fluch auch nach 45 Minuten in Israel noch intakt.

Um den scheinbar gezogenen Zahn wieder einzusetzen, brachte Jesse Marsch nach Seitenwechsel Sekou Koita für Mergim Berisha. Der 20-Jährige stürmte auch prompt nach Wiederanpfiff in den gegnerischen Strafraum. Der Traumstart nach wenigen Sekunden blieb aber abermals aus, er dauert dennoch nur vier Minuten. Nach 49 Minuten war es dann schließlich doch so weit. Patson Daka wurde nach einem Sprint im Strafraum von den Beinen geholt und Szoboszlai zitterte folglich den Ball aus elf Metern ins Netz. Sowohl die Entstehung als auch die Verwertung des Elfmeters verdienen das Prädikat schmeichelhaft, aber sei´s drum. 

Mit dem Ausgleich kehrte auch der Spielwitz zurück in die Bullen-Truppe. Okugawa war es, der nach 57. Minuten nach einer traumhaften Kombination die Anzeigentafel richtig stellte. So musste der Japaner nach idealen Stangelpass von Koita nur noch seinen Fuß hinhalten, um als Torschütze in der Statistik aufzuscheinen.

Wie schon der erste Treffer beflügelte auch das zweite Tor die Bullen mehr, als es jeder Energy Drink es könnte. Unbeirrt und gewohnt konzentriert, ließ die Marsch-Truppe Ball und Gegner laufen. Maccabis Kicker sahen ihre Chance aus ruhenden Bällen, Stankovic vor Probleme zu stellen. Der ÖFB-Keeper blieb jedoch der verlässliche Rückhalt bei den teils gefinkelten Versuchen des israelischen Rekordmeisters.

Großchancen fanden folglich in friedlicher Abwechslung statt. Auf eine leichtfertig vergebene Schussgelegenheit aus elf Meter für Maccabi, folgte ein platzierter Schuss Mwepus, der in Tennenbaum seinen Meister fand. Doch anstatt in der Schlussphase dem alten Dogma zuvertrauen, nach dem Angriff die beste Veteidigung sei, gerieten die Mozartstädter vermehrt unter Druck. Zu passiv agierte die rote Hintermannschaft im Spiel gegen den Mann und so war es nach 84. abermals Stankovic, der mit einer starken Flugeinlage und den Fingerspitzen die Führung gegen einen Schlenzer von Biton festhielt. Ein Stangentreffer Koitas in der Nachspielzeit ließ den Sieg nur bedingt verdienter erscheinen.

 

Am Ende durften die Salzburger von Glück reden, dass ihre halbherzig-fertig-gespielten Konter und Defensivfehler von einer stark ersatzgeschwächten Mannschaft nicht bestraft wurden. Die Tür zu Königsklasse steht nun zum wiederholten Male weit offen. Am Mittwoch ist die Chance nun groß die Memes und den Spott endlich ad acta zu legen.