Fulminante erste Halbzeit, Haalands siebentes Königsklassen-Tor und eine Fülle an Großchancen – all das bietete die vierte Champions-League-Partie von RB Salzburg. Am Ende teilten sich die Mozartstädter und SSC Napoli die Punkte. Ein Resultat, dass die Chancen für einen Aufstieg der Mozartstädter zwar intakt hält.


Es waren erst vier Minuten auf der Uhr als das erste Mal so richtig der Hut im Strafraum der Salzburger brannte. Einen herrlichen Volley von Dries Mertens, dessen Hinspiel-Performance so manchen Bullen wohl Kopfschmerzen bereitet hatte, wurde von Onguene abgefälscht – eine traumhafte Parade von Carlos Coronel verhinderte einen Vermerk dieser Chance auf der Anzeigentafel. Im Gegenzug war es der österreichische Meister, der mit Onguenes, der sich diesesmal mit einem Kopfball fürs gegnerische Tor als Ziel entschied, erstmals gefährlich wurde. Gekrönt wurde die flotte Anfangsphase in der elften Minute auch mit einem Tor. Erling Haaland, der sich mittlerweile längst jeden Ritterschlag verdient hätte, verwertete nach einem ungestümen Einstieg von Koulibaly den fälligen Elfmeter eiskalt zum 1:0 für die Salzburger und erzielte damit sein siebentes Tor im vierten Auftritt in der Champions League. Die Italiener bemüht, die schnelle Antwort zu finden, scheiterten in Person von Jose Callejon am Aluminium. Das Tempo blieb auch in der Folge hoch, eine Direktabnahme von Maximilian Wöber nach Junuzovic-Eckball verfehlte nur knapp das Gehäuse.

Wer versucht war, sich eine andere Abendbeschäftigug zu suchen, wurde vom abwechslungsreichen Spiel überzeugt, diesen Gedanken schnell zu verwerfen. Insigne rutschte in der 23. Minute nur haarscharf an einer Flanke vorbei und bewahrte mit eigener Fahrlässigkeit die Salzburger vom Ausgleich. Auch elf Minuten später war dem Italiener das Tor zu klein und so verfehlte der Superstar aus 15 Meter frei vorm Gehäuse deutlich. Nach 44. Minuten war es dann aber so weit. Längst in der Luft gelegen, servierte Insigne, diesmal als Vorbereiter, Lozano das Spielgerät, welches der Mexikaner mit einem strammen Schuss aus der Distanz ins Netz schickte. Appetit hatten die Mozartstädter in der Folge dennoch und wollten im direkten Gegenzug durch Hwang Napoli einschenken. Aber sowohl der Versuch des Südkoreaners als auch der in der 46. Minute als Nachtisch abgegebene Schuss ließen lediglich das Außennetz zittern. 

Herzschlagsenkend und entstannend wurde die Partie mit ihren schnörkellosen Kombinationen, kompromisslosen Abschlüssen und sehenswerten Pressings erst durch den Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Marciniak. Über den etwas ruhigeren Beginn der zweiten Halbzeit durfte sich zunächst nur der Verfasser dieser Zeilen freuen, denn dieser konnte zumindest so das erste mal an diesem abwechslungsreichen Abend durchatmen. Lozano setzte dem ruhigen Puls und den zaghaften Tippern auf der Tasttatur mit einem ähnlich starken Schuss wie beim Ausgleich ein Ende. Dennoch kamen beide Mannschaften nicht mehr so direkt und schnell in die Gefahrenzone des jeweilig anderen. Sowohl die Süditaliener als auch die Österreicher mussten dem hohen Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen. Salzburg wirkte ähnlich Co. wie beim 3:2-Sieg über Rapid, als man sich erst spät den unbedingten Siegeswillen verpflchtet sah. DIesmal war es aber kein Zlako Junuzovic und auch kein anderer Herr in weiß-rot, der den genialen Geistesblitz vorweisen konnte. Verflachend plätscherte die Partie in Richtung Apfiff. Insigne hätte in der 78. Minute nochmal für Feuer im Spiel sorgen können. Doch auch sein sechster Abschluss aus guter Position verzog sich, anders als der Reger, über das Tor in Richtung Parkplatz. Llorentes Kopfball in der 90. Minute war dann aber endgültig die letzte gefährliche Situation in dieser Partie, auch dieser verfehlte vom Glück verteufelt sein Ziel.

Wollen die Salzburger auch im Frühjahr an der Champions-League-Hymne lauschen, müssen nun zwei Siege her. Dirigiert von Jesse Marsch traut man den österreichischen Serienmeister definitiv zu, im Konzert der Großen weiter aufmüpfig mitzutrommeln. Sollte der amtierende Champion aus Liverpool dann doch eine Nummer zu stark sein, bleibt immerhin höchstwahrscheinlich die zweite Geige in Form der Europa League. Und dass dieser Wettbewerb bereits für mehrere klanghafte Momente in rot-weiß-rot gesorgt hat, ist wohl nicht nötig zu betonen.

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