Am Montagvormittag hat die Bundesregierung neue Maßnahmen gegen die weiter steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen in Österreich verkündet. Seit März begleiten uns wichtige Maßnahmen, die Menschenleben retten und eine unkontrollierte Ausbreitung von COVID-19 in Österreich verhindern. Im Bereich der professionellen Veranstaltungen, insbesondere im Sport und Fußball, sind aber viele Entscheidungen getroffen worden, die Kritik nach sich ziehen. So auch die mit Freitag 0 Uhr in Kraft tretende Outdoor-Zuschauergrenze von 1.500 Besuchern und das Bewirtungsverbot bei Veranstaltungen. 


Kurz: Ab Freitag gibt es kein Bier mehr im Stadion, die für kleine Vereine überlebenswichtigen Kantinen bleiben geschlossen und beim Amateursport muss die Veranstaltung ab 13 Besuchern angemeldet werden. Die Verordnung gilt vorerst vier Wochen. Für den Obmann der Wiener Viktoria Roman Zeisel ein großes Problem, wie er im Gespräch mit 12terMann.at wissen lässt. 

12terMann.at: Wisst ihr schon, ob ihr am Samstag vor mehr als zwölf Zuschauern spielen dürft oder wie werden die nächsten Tage ablaufen? 

Roman Zeisel: Ich habe die Pressekonferenz genau verfolgt, konnte aber weder der Aussage von Bundeskanzler Sebastian Kurz noch von Sportminister Werner Kogler nicht entnehmen, wie es sich explizit auf unseren Verein auswirkt. Wir haben bei der AGES nachgefragt wie es ausschauen könnte, wurden aber wie des Öfteren hingehalten, weil die Verordnung erst am Freitag in Kraft tritt. Wir wissen nicht, ob wir jetzt vor 13, sechs, 200 oder keinen Zuschauern spielen dürfen und das macht die Sache natürlich unheimlich schwierig.

Kann man da irgendwie planen? 

Aus unserer Sicht gibt es keine Planungssicherheit. Wir können uns nicht vorbereiten, weil wir wissen nicht, ob wir ein reiner Kantinenbetrieb sind, der dem Veranstaltungsgesetz unterliegt oder ob wir ein Gastronomieunternehmen sind, die Konzession darüber besitzen wir. Fragen über Fragen – wir wissen genauso wenig wie alle anderen.

Auch für uns Fußball-Fans ist eine geschlossene Kantine eine Katastrophe. Welche Folgen hat das für die Viktoria, wenn die Fans nicht mehr Bier, Würstel und Schnitzelsemmel konsumieren dürfen? 

Nachdem ja die kleinen Vereine – da zählen wir unseren dazu – nicht über Sponsoren oder Fernsehgelder in größerem Rahmen verfügen, lebst du natürlich von dem täglichen Kaffee- oder Wurstsemmelverkauf, der zumindest den Deckungskostenbeitrag wie Schiedsrichterkosten ersetzt – von Energiekosten rede ich gar nicht. Wenn das jetzt verboten ist, dann ist das eine ganz klare Ausrichtung der Wertigkeit des Sports in Österreich.

Wie lange kann das gut gehen? Wie sehr gefährdet ist die Viktoria, wenn man die nächsten Wochen kein Essen und Trinken verkaufen darf? 

Es ist ein Sterben auf Raten. So ehrlich muss man das zum Ausdruck bringen. Es wäre vielleicht wirklich besser drei Wochen den Betrieb komplett einzustellen und drei Wochen versuchen die Zahlen ordentlich runterzubringen. Es ist ein wichtiges Thema. Die Infektionen passieren nicht auf den Sportplätzen – wir wissen auch, dass es nicht in der Gastronomie passiert, weil wir alle diese Präventionskonzepte ordentlich umsetzen. Ob jetzt jemand am Graben steht und den Stephansdom anschaut oder sich ein Fußballmatch anschaut – das wird keinen Unterschied machen. Das Problem ist: ´Sport, Kunst und Kultur haben in diesem Land keine Wertigkeit und das macht mich zutiefst traurig.´

Wie groß ist das Verständnis für die Maßnahmen? Ist es wirklich so, dass die Zahlen runtergehen, weil man am Fußballplatz outdoor – wo es eh so ein unglaubliches Präventionskonzept gibt – kein Bier trinkt? 

Das eine Bier wird nicht das Problem sein – auch ein zweites und drittes nicht. Was wir verhindern müssen, sind die anschließenden Partys, die vielleicht früher stattgefunden haben – das passiert ja heute eh nicht mehr. Ich hätte auch Verständnis dafür, wenn wir sagen, der Gastrobetrieb ist mit Spielende einzustellen. Selbst das könnten alle Vereine ein paar Wochen mittragen. Aber im Grunde bringt man damit die Basis für den Profifußball um – und das ist eben die Amateurbasis. Das wird ein Aufklärungsbedarf aller erster Sahne. Ich habe richtig Angst und Respekt vor der Zukunft.

Ist euch von der Politik finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt worden, oder ist das einmal mehr eine Maßnahme, die Kosten verursacht und man einfach schauen muss wie man da drüberkommt? 

Bei dem Ausspruch im März “Koste es was es wolle” war ich sehr ermutigt und habe den Hut vor der Regierung gezogen. Nur wie es über die letzten Wochen und Monate umgesetzt werden sollte und wie man uns in Wahrheit neu aufstellt, macht mich wirklich sehr traurig. Es ist nicht einfach die ganzen Kosten weiterhin zu bezahlen, wenn man kein Geld verdienen darf, bei dem was man tut. Da muss es Lösungen geben. Wir werden uns jetzt mit den Verbänden zusammensetzen und versuchen jetzt gemeinsam mit den verantwortlichen Politikern Lösungen zu finden, dass das Vereinssterben nicht losgeht.