Seit bald sechs Jahren unterstützen wir nun das ÖFB-Nationalteam. Sei es mit Informationen über unsere Legionäre, durch aktiven Support im Stadion oder auch durch Aufklärungsarbeit im verbalen Schlagabtausch mit Stammtischexperten. Wir machen das sehr gerne und leidenschaftlich, obwohl uns oftmals Steine in den Weg gelegt wurden – hie und da haben wir in unserer Euphorie auch über den einen oder anderen Makel hinweggesehen, in der Hoffnung, dass es sich um einen Ausrutscher handelt. Die Ausrutscher werden aber immer häufiger und die Richtung, in die sich das Nationalteam seit gut eineinhalb Jahren entwickelt, kann und darf nicht mehr unkommentiert bleiben.

Das gestrige als Pflichtsieg ausgegebenen Spiel gegen technisch wie taktisch äußerst limitierte Iren hätte niemals verloren werden dürfen! Ja, verloren – denn das magere Pünktchen beim 1:1-Unentschieden in Dublin hilft uns genau nix! Ausfälle hin oder her, die vorhandenen Spieler hätten allemal die Qualität, das Spiel und die drei Punkte zu gewinnen. Dass Serbien und Wales ebenfalls remisiert haben, mag ein Trostpflaster sein, ärgert jedoch bei genauerer Betrachtung noch mehr. Schon wieder hat uns eine Parallelpartie in die Karten gespielt und schon wieder waren wir – wie so oft in dieser verkorksten WM-Qualifikation – nicht imstande, davon zu profitieren.

„Gut gespielt, alles noch möglich“ / Realitätsverweigerung – Teil 1

Die Interviews nach dem Spiel – die wir dankenswerter Weise erst nach dem so wichtigen Formel 1-Rennen sehen durften – waren erschreckend selbstzufrieden und gelassen. Möglicherweise haben wir ein anderes Spiel gesehen, aber nach diesem völlig unnötig verschenkten Sieg kann man doch nicht ernsthaft noch mit Platz 1 in der Quali-Tabelle spekulieren – selbst wenn es rechnerisch möglich ist. Es wird einem bei dem Gedanken angst und bange, dass die interne Aufarbeitung dieses Spiels ebenfalls mit dem Fazit „gar nicht mal so schlecht, das wird schon“ endet – so es überhaupt eine Aufarbeitung geben wird, denn die Spieler brennen schon auf ihren Urlaub.

"Schlussendlich ist das 1:1 verdient"Die Stimmen zum Spiel WM-Qualifikationsspiel zwischen Irland und Österreich.Spielbericht:http://bit.ly/IrlAut11#SSNHD

Posted by Sky Sport Austria on Sonntag, 11. Juni 2017

 

Ein Beispiel könnte man sich an dem Erfolgsgespann Dominic Thiem/Günter Bresnik nehmen: nach der – für Thiems Verhältnisse – eher schwachen Leistung gegen Rafael Nadal spricht Bresnik von einer „erschreckend schwachen Vorstellung“ und Thiem selbst sieht das nicht viel anders. Jetzt kann man natürlich sagen, dass diese Reaktion hinsichtlich der sonst so starken Auftritte von Thiem etwas überzogen war. Andererseits zeigt es einfach, dass man mit klaren Niederlagen und Rückschlägen auch ganz anders umgehen kann – und wenn man sich stetig verbessern will, geht es wohl fast nur so.

 

David Alaba / Realitätsverweigerung – Teil 2

An dieser Stelle vorab ein herzliches „DANKE, ALFRED TATAR!„, dass du das angesprochen hast, was sich viele der TV-Experten scheinbar nicht trauen. Es ist vollkommen unverständlich, dass ein Top-Linksverteidiger ein ums andere Mal viel besseren Leuten einen Platz im zentralen Mittelfeld wegnimmt, um dort wiederholt schwache Leistungen abzuliefern, anstatt auf seiner angestammten Position in der Linksverteidigung zu spielen. Nach den Rücktritten von Christian Fuchs und Markus Suttner, sowie der Farce um Andreas Ulmer (wir haben vollstes Verständnis für ihn), wird an dieser Position nur mit Notlösungen und Experimenten hantiert, anstatt dem unantastbaren (warum eigentlich?) und in den sozialen Medien omnipräsenten Bayern-Star klipp und klar zu sagen: „Du spielst Linksverteidiger oder überhaupt nicht!“

Tatar kritisiert Alaba

Sky-Experte Alfred Tatar war mit der gestrigen Leistung von David Alaba nicht einverstanden. Hat Fredl recht?Alle Aussagen gibt es hier: bit.ly/TatarDA27KritikI #SkyStamtisch I #IRLAUT I

Posted by Sky Sport Austria on Sonntag, 11. Juni 2017

 

In Wahrheit bekommt man aber immer mehr den Eindruck, dass es genau umgekehrt läuft und David Alaba dem Teamchef sagt „Ich spiele im zentralen Mittelfeld oder gar nicht.“ Ok, dann spiel‘ halt gar nicht, denn im Mittelfeld bist du leider bestenfalls Durchschnitt und verstellst deutlich besseren Leuten den Weg ins Team. Abgesehen davon belastet „Alabagate“ das Nationalteam samt Umfeld schon viel zu lange und hat sicher einen gewaltigen Anteil an der offensichtlichen mentalen Blockade des ganzen Teams. Wenn sich David Alaba nicht dem Team unterordnen will, dann wäre es vielleicht besser, bis auf Weiteres auf eine Berücksichtigung von Alaba – zumindest in der Startelf – zu verzichten.

Wir hatten diesem Dauerthema bereits voriges Jahr einen Artikel gewidmet:

David Alaba und sein Wunsch nach dem Dasein als Spielführer

Weiterlesen...

 

Nichtauswechslung Dragovic / Realitätsverweigerung – Teil 3

Dass der späte Ausgleich der Iren unter anderem durch ein gewonnenes Laufduell gegen Aleksandar Dragovic gefallen ist, ist auch kein Zufall. Der Leverkusen-Legionär lief zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr rund und hätte längst ausgewechselt werden müssen (zB gegen den beim FC Augsburg stark aufspielenden Kevin Danso) – selbst wenn Dragovic zu Koller gesagt hat „geht schon“. Dieses Risiko bei diesem Spielstand darf der Teamchef einfach nicht eingehen. Auch wäre es seine Aufgabe einen zwar top-motivierten, aber verletzungsbedingt nicht mehr zu 100% leistungsfähigen“ Spieler vor Versagen oder größerem Schaden wie eine sich verschlimmernde Verletzung zu bewahren. Die Rechnung wurde in der 85. Minute präsentiert.

Taktik/Spielweise

Wir sind ja angeblich nach der erfolgreichen EM-Qualifikation so ausrechenbar geworden, aber stimmt das wirklich? Hätten wir mit den Tugenden von 2015 nicht womöglich doch mehr Punkte am Konto als aktuell. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf die Spielanalyse von ballverliebt.eu, die das ohnedies immer glänzend auf den Punkt bringen:

Irland stellt um – Koller reagiert nicht. Dragovic ist verletzt – Koller reagiert nicht. Die Iren gleichen noch aus – also selber Schuld.Unsere Analyse vom 50. Länderspiel von Marcel Koller.

Posted by Ballverliebt on Sonntag, 11. Juni 2017

 

Sind wir jetzt in der „Rue de la Gack“?

Es liegt uns fern, auf Marcel Koller und die Spieler hinzudreschen! Man kann aber ruhig eine Portion Realismus und selbstkritische Aussagen von allen Beteiligten verlangen. Seit den Vorbereitungsspielen zur EURO 2016 wird aber irgendwie alles Negative beiseite geschoben und schön geredet. Vielleicht kann man die verbleibenden vier Spiele der WM-Qualifikation für einen Neustart nützen, hoffnungsvolle Nachrücker (Laimer, Danso, Grillitsch, etc.) verstärkt einbauen und ein paar taktische Varianten (nicht zwingend neue Systeme) für die kommende EM-Qualifikation einbauen. Eventuell bewirkt ja gerade dieser Reset den längst überfälligen Turnaround. Wenn dann zusätzlich noch die Mini-Chance auf die WM-Qualifikation aufgehen sollte, wunderbar. An diesen Strohhalm klammern sollte man sich aber keinesfalls – denn das wäre auch angesichts des Restprogramms abermals Realitätsverweigerung.

 

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One thought on “Realitätsverweigerung abstellen und den Turnaround schaffen

  • 12. Juni 2017 at 23:29
    Permalink

    Nur ganz kurz: ich schaue jede Woche deutsche NL, und mit Fug und Recht kann behauptet werden, dass Grillitsch Alaba auf der 6er Position WEIT überlegen ist.
    Er hat Ruhe, Übersicht und spielt tolle Pässe, zudem ist er ein robuster Zweikämpfer.
    Alles Dinge, die man von Alaba nicht behaupten kann, schon gar nicht auf der 6.
    Diese Selbtsschwächung muss mit der Trennung von Koller und notfalls Alaba ein Ende haben.
    Und Ruttensteiner, Windter und leider auch Prohaska leben in einer Parallelwelt bzw haben keine Cohonjes.

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