Das Frauen-Nationalteam hat es bei der Europameisterschaft sensationell als EM-Debütant ins Halbfinale geschafft. Doch spätestens wenn am 6. August das Finale abgepfiffen wird, ist die Endrunde vorbei und der Alltag kehrt zurück. Genau jetzt gilt es den Schwung mitzunehmen und dafür zu sorgen, das die momentane Euphorie nicht bloß ein Strohfeuer bleibt.

Wer erinnert sich noch an den Juni 2016? Damals wurde Österreich von einer riesigen Fußballbegeisterung gepackt, das Nationalteam hatte sich erstmals sportlich für eine EM qualifiziert und die Fans fieberten dem Turnierbeginn entgegen. Ebenfalls im Juni 2016 machte das Frauen-Nationalteam mit einem Remis in Norwegen und einem Heimsieg gegen Israel zwei große Schritte zur EURO 2017, mitbekommen haben das damals wohl nur wenige Insider. Etwas mehr als ein Jahr später sieht die Welt anders aus. Das Herren-Nationalteam ist nach der EM-Enttäuschung nicht mehr in Tritt gekommen während die Frauen von Dominik Thalhammer eine Euphorie ungeahnten Ausmaßes ausgelöst haben.

Der Auftritt des Frauen-Nationalteams bei der Europameisterschaft hat wahrlich historische Dimensionen. Zum ersten Mal seit 63 Jahren erreicht ein heimisches A-Nationalteam bei einer Endrunde das Halbfinale. Zuletzt war das dem Herrenteam bei der WM 1954 in der Schweiz gelungen. Österreichs Fußballfrauen haben mit ihren starken Leistungen bei der EURO 2017 einen wahren Hype losgetreten – Endlich! Nun hat es der Frauenfußball in die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit geschafft und fliegt aktuell nicht mehr unter dem Radar. Damit bietet sich eine Jahrhundertchance für den Sport, die unter keinen Umständen verpasst werden darf. Denn ansonsten könnte aus „himmelhoch jauchzend“ schneller „zu Tode betrübt“ werden, als man erwartet.

Am 19.08. startet die neue Saison der Frauen-Bundesliga in Österreich. Der Alltag in der Liga ist eher trist, die Spiele finden vor wenigen Hundert Zusehern statt, viele Vereine kämpfen um ihre Existenz. Der SV Neulengbach, bis 2014 immerhin 12 Mal in Folge österreichischer Meister, konnte zum Beispiel erst vor Kurzem durch einen neuen Hauptsponsor vor dem weiteren Niedergang gerettet werden. Nun stehen alle Vereinsverantwortlichen in der Pflicht, die Euphorie zu nutzen. Wenn nicht jetzt, wann dann ist die ideale Zeit, um neue Sponsoren an Land zu ziehen. Der Frauenfußball kann begeistern, das sieht man aktuell ganz deutlich. Doch auch Fußballverband und Medien müssen ihren Teil beitragen. Mehr und ausführlichere Berichterstattung müssen dafür sorgen, das die Liga permanent in der Öffentlichkeit präsent ist. Eine Spieltagszusammenfassung mit allen Toren im ORF ähnlich der Ersten Liga wäre ein wahrer Quantensprung. Und zu guter Letzt liegt es natürlich auch an uns, den Fans, unseren Teil beizutragen. Besuchen wir die Spiele, egal ob Bundesliga oder nicht, fast jeder hat einen Frauenfußballverein in seiner Nähe. Werden die Spiele von mehr Fans besucht, macht das die Vereine für Sponsoren und Medien interessanter. Mehr Medienpräsenz lockt wiederum mehr Fans an, so kann sich quasi ein positiver Teufelskreis entwickeln.

Wenn man die Liga betrachtet, fällt auch auf, das nur ein Bruchteil der bekannten „Männervereine“ im Frauenfußball vertreten sind. In der Frauen-Bundesliga gibt es mit dem SKN St. Pölten und Sturm Graz nur zwei Mannschaften, bei denen das Herrenteam auch im österreichischen Profifußball spielt. Austria Wien kooperiert sein einiger Zeit mit dem USC Landhaus, der ebenfalls in der Bundesliga antritt, eine eigene Frauenmannschaft haben die Veilchen jedoch nicht. Auch in den beiden 2. Ligen schaut die Situation nicht anders aus. Das Team von Wacker Innbruck spielt nach dem Abstieg in der Liga West/Mitte, in der Staffel Süd/Ost die Zweitvertretungen von St. Pölten, Landhaus und Sturm und das Frauenteam des SV Horn. Von den 20 heimischen Profivereinen haben also nur drei, zählt man Austria Wien mit vier, eine Frauenmannschaft in einer der beiden höchsten Ligen. Es ist davon auszugehen, das viele Mädchen sich in eine Mannschaft einschreiben würden, wenn sie bei „ihrem“ Lieblingsverein auch die Möglichkeit dazu hätten.

Auch in der Women’s Champions League sind mit dem SKN St. Pölten und Sturm Graz zwei heimische Teams am Start. Sturm Graz muss sich jedoch erst durch ein Qulifikationsturnier auf Zypern kämpfen, um in den Hauptbewerb zu kommen. St. Pölten ist als Meister, wie auch vorige Saison, schon fix für das Sechzehntelfinale qualifiziert, das Anfang Oktober 2017 gespielt wird. Also die nächste Möglichkeit, hochklassigen Frauenfußball live und aus nächster Nähe zu erleben.

Die Heimspiele des Frauen-Nationalteams waren in der Vergangenheit nicht gerade als Straßenfeger bekannt. An dieser Tatsache sollte sich in den kommenden Partien etwas ändern. Von September 2017 bis September 2018 wird die Qualifikation für die kommende Weltmeisterschaft gespielt, die 2019 in Frankreich ausgetragen wird. Während der Qualifikation haben wir Fans vier mal die Gelegenheit, unsere Mädels, die uns momentan so viel Freude machen, bei Heimspielen zu unterstützen. Die voraussichtlichen Spieltermine wurden bereits fixiert:

  • 23.11.2017 – Österreich vs. Israel
  • 05.04.2018 – Österreich vs. Serbien
  • 10.04.2018 – Österreich vs. Spanien
  • 04.09.2018 – Österreich vs. Finnland

Also ab ins Stadion und unser Frauen-Nationalteam live unterstützen. Mit vollen Tribünen im Hintergrund ist vielleicht der eine oder andere Punkt mehr drinnen. Auch die Stadionwahl un die gesamte Abwicklung sollte gründlich überdacht werden. Für das Spiel in Steyr gegen Norwegen im vergangen Jahr wurde der Vorverkauf zum Beispiel über ein Werkzeugtechnikfirma in Nähe des Stadions abgewickelt. In Internetzeitalter eine mehr als fragwürdige Vorgehensweise. Und hoffentlich werden die Qualifikationsspiele in Zukunft auch im Fernsehen übertragen. Während der EM-Qualifikation waren manche Heimspiele nur über einen Internetstream zu sehen, einige Auswärtsspiele konnte man überhaupt nicht verfolgen. 1,2 Millionen TV-Zuseher während des Elfmeterschießens gegen Spanien haben ganz klar gezeigt, das der Frauenfußball das Publikum ansprechen kann.

Wir alle können dazu beitragen, auch die Zukunft des Frauenfußballs in Österreich rosig zu gestalten. Nutzen wir gemeinsam die einmalige Chance, aus dem Sommermärchen eine nachhaltige Erfolgsgeschichte zu machen.

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