Seit acht Jahren spielt sie in Deutschland, hat diese Saison mit dem MSV Duisburg den Klassenerhalt in der deutschen Allianz Frauen-Bundesliga geschafft und steht mit dem österreichischen Frauen-Nationalteam vor der ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft. Virginia Kirchberger möchte mit dem ÖFB-Team in den Niederlanden eine gute Performance hinlegen und glaubt an eine erfolgreiche Darbietung der österreichischen Auswahl bei der Endrunden-Premiere. Wir haben uns mit der 24-jährigen Wienerin ausgetauscht.

 

Virginia, erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um mit uns ein Interview zu führen. Wir freuen uns auf deine Antworten und darauf dass wir mehr von dir erfahren können.

 

Du hast ja mit dem MSV Duisburg in der vorletzten Runde den Verbleib in der Allianz Frauen-Bundesliga fixiert. Hattet ihr euch für diese Saison mehr vorgestellt oder seid ihr vielmehr froh, dass ihr auch nächste Saison erstklassig spielen dürft?

Das oberste Ziel in diesem Jahr war der Klassenerhalt und ich denke, dass wir demnach zufrieden sein können.

Schon im Alter von 16 Jahren bist du ja bereits nach Deutschland gezogen und spielst dort seit acht Jahren. Wie hat dich die Erfahrung die Heimat bereits in jungen Jahren zu verlassen und im Ausland Erfahrungen zu sammeln geprägt?

Es hat mich enorm geprägt. Man wird viel schneller erwachsen, weil man sozusagen dazu gezwungen wird, schnell alleine zurecht zu kommen. Ich habe von meinen Eltern immer die nötige Unterstützung bekommen. Da es damals das Nationale Zentrum noch nicht gab, war es für mich die beste Gelegenheit mich weiterzuentwickeln.

Nach einem Zwischenjahr beim 1. FC Köln war das heuer deine zweite Saison in Duisburg. Fühlst du dich beim Verein wohl und wie sieht deine Zukunft bei den Zebras aus?

Ich denke, dass nicht unbekannt ist, dass ich mich in Duisburg sehr wohl fühle. Andernfalls wäre ich nicht wieder zum Verein gewechselt. Was ich sehr schätze, ist das familiäre Umfeld des Vereins. Wie es in Zukunft aussehen wird, kann ich aber noch nicht sagen.

Du spielst in der Innenverteidigung. Wo siehst du deine Stärken im Spiel und wo ist noch Verbesserungspotential vorhanden?

Meine Stärken sehe ich ganz klar im Zweikampfverhalten und im Coaching sowie im Kopfballspiel. Mit meinem Stellungsspiel, meinem Passspiel und vor allem meinen Diagonalbällen bin ich, denke ich, auch schon sehr weit. Eine meiner Schwächen ist eindeutig, dass ich im Spielaufbau zum Teil nicht die richtige Lösung wähle. Außerdem bin ich häufig nervös vor Spielen und mache mir in viele Richtungen Gedanken.

Nach der Verpflichtung von Simona Koren im Jänner spielen nun neben dir und Lisa Makas gleich drei Österreicherinnen beim MSV. Habt ihr Kontakt zueinander und motiviert es nochmal extra, wenn Landsfrauen im Team dabei sind?

Natürlich haben wir Kontakt zueinander. Wir kennen uns schließlich schon ewig. Es ist immer schön, jemanden in der Nähe zu haben, den man gut kennt. Da ich aber bereits sehr lange in Deutschland bin, macht es für mich aber keinen großen Unterschied mehr, ob jemand aus Österreich oder aus Deutschland dazu kommt.

Trotzdem ist es im Sinne der eigenen sportlichen Entwicklung von Vorteil nach Deutschland zu gehen.

Mit Katharina Schiechtl, die mit Werder Bremen in die Bundesliga aufgestiegen ist, spielt nun eine weitere Österreicherin in der höchsten Klasse. Wie erklärst du dir die hohe Anzahl an österreichischen Legionärinnen (14), die bei den Bundesliga-Vereinen unter Vertrag stehen?

Bei uns in Österreich ist der Frauenfußball noch nicht auf demselben Niveau wie in Deutschland. Es gibt nur zwei Mannschaften, die international mithalten könnten. Im Nachbarland Deutschland spricht man dieselbe Sprache – allein das ist sehr praktisch.

Der Frauenfußball in Österreich steigert sich zwar. Trotzdem ist es im Sinne der eigenen sportlichen Entwicklung von Vorteil nach Deutschland zu gehen.

Was uns natürlich brennend interessiert und wo unsere Vorfreude schon riesig ist, ist die anstehende Europameisterschaft in den Niederlanden. Was sind deine Erwartungen für das Nationalteam, wie weit könnt ihr kommen?

Ich denke, dass es für uns alle ein Highlight ist. Die Qualifikation geschafft zu haben ist bereits ein unbeschreibliches Gefühl. In der Gruppe stehen uns nun drei schwierige Gegner gegenüber. An einem guten Tag können wir aber alle drei schlagen. Wichtig ist, dass sich der Österreichische Frauenfußball profiliert. Klare Ziele lasse ich da offen.

Was sind deiner Meinung nach die Gründe für den kontinuierlichen Aufstieg des Nationalteams in den letzten Jahren?

Dass mehr Spielerinnen ins Ausland gehen und auf höherem Niveau spielen und trainieren, ist sicherlich ein wichtiger Punkt. Außerdem rücken nun immer mehr junge Spielerinnen aus dem Nationalen Zentrum nach.

Österreich ist ja erstmals bei einer EM dabei. Wie fühlt es sich an eine jener österreichischen Spielerinnen zu sein, die das Teamdress erstmals bei einem Großturnier überziehen dürfen?

Wie gesagt: Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, es bis hierhin geschafft zu haben. Wir sind stolz auf unsere Leistung. Ich denke, das haben wir uns verdient, weil wir darauf hingearbeitet haben. Es ist nach der harten Arbeit umso schöner dieses Ziel zu erreichen.

Es war wie ein Feuerwerk, das in einem hoch gegangen ist.

Was ist dir von der Qualifikation in Erinnerung geblieben? Kann man das Gefühl, als die Quali fixiert wurde, irgendwie in Worte beschreiben?

Zwei Momente sind bei mir hängen geblieben: Das Spiel gegen Israel, in dem ich mein erstes Tor für die A-Nationalmannschaft erzielt habe, und natürlich der Abpfiff der Partie gegen Wales, als sicher war, dass wir qualifiziert sind. Es war wie ein Feuerwerk, das in einem hoch gegangen ist.

War der Einzug in die Endrunde für dich persönlich der größte Erfolg in deiner Karriere?

Ja. Das würde ich sagen.

Wir als Fans und Fußballbegeisterte können uns noch kein genaues Bild vom Gehalt einer Fußballspielerin machen. Verdient man in der deutschen Frauen-Bundesliga genug, um davon leben zu können, oder muss man einer weiteren Tätigkeit nachgehen?

Die Gehälter im Frauenfußball sind natürlich nicht mit denen aus dem Männerbereich zu vergleichen. Im Frauenfußball gibt es große Schwankungen: Auf der einen Seite stehen Spielerinnen, die gezwungen sind einer Tätigkeit nachzugehen, und auf der anderen Seite gibt es Spielerinnen, die gerade so von ihrem Gehalt leben können.

Wie oft und wann trainiert ihr in der Woche? Geht es sich zeitlich aus, um auch anderen Verpflichtungen nachgehen zu können?

Meine anderen Verpflichtungen sind glücklicherweise an das Training angepasst. In der Regel sind es fünf bis sieben Einheiten pro Woche.

Wie sieht deine Vorstellung von der Zeit nach der Karriere aus? Muss man sich als Fußballspielerin schon während der aktiven Laufbahn überlegen wie es danach weitergeht?

Man muss sich auf alle Fälle schon während der aktiven Zeit Gedanken machen. Manche Spielerinnen sind wie gesagt darauf angewiesen, während der Karriere zu arbeiten. Aber sogar wenn das nicht der Fall ist, würde ich jedem zu einer Ausbildung oder einem Studium raten. Früher oder später muss man ins Berufsleben einsteigen. Daher ist besser, früh seine Erfahrungen zu machen.

Einer der Gründe ist sicherlich, dass es noch immer Vorurteile dem Frauenfußball gegenüber gibt.

Der Frauen-Fußball bekommt in Österreich noch nicht den Stellenwert, den es durch die Erfolge verdient hätte. Was sind für dich die Gründe dafür und wo müsste man die Hebel seitens des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) ansetzen, um die österreichische Bundesliga und auch das Nationalteam populärer zu machen?

Einer der Gründe ist sicherlich, dass es noch immer Vorurteile dem Frauenfußball gegenüber gibt. Die Öffentlichkeit, die sich für den Fußball der Männer interessiert, ist außerdem weitaus größer. Zu diesem Thema wird sehr viel berichtet, was bei uns eher selten der Fall ist. Durch unsere EM-Qualifikation gab es bereits einen Schub, aber ich denke, dass es eigentlich mehr Anerkennung verdient hätte. Nur so kann man langfristig das Niveau in der Bundesliga steigern, was letztlich nötig ist, um einen angemessenen Stellenwert zu erreichen.

Interessiert dich der Herren-Fußball auch oder liegt dein Fokus zur Gänze auf das Geschehen im Frauenfußball?

Ich bin eine der Wenigen, die sich auch ab und zu Männerspiele anschaut. Ich bin zwar nicht fanatisch hinterher, interessiere mich aber trotzdem für das Thema.

Unsere Leser und Leserinnen interessieren sich bestimmt nicht nur als Sportlerin für dich, sondern auch für deine Person. Kannst du uns etwas über dich erzählen? Wie würdest du dich beschreiben und was machst du am liebsten in deiner Freizeit?

Grundlegend bin ich sehr offen und kommunikativ. In meiner Freizeit reise ich gerne oder lese auch mal ein Buch. Zuletzt war es beispielsweise „Totenfang“ von Simon Beckett. Das Wichtigste sind für mich die Familie sowie meine Freunde. Eine meiner Schwächen ist, dass ich häufig ungeduldig bin (lacht).

Zu allerletzt würde unsere Redaktion brennend interessieren, ob du „12teFrau“, unsere Facebook-Seite zum Thema österreichischer Frauenfußball, ab und zu besuchst?

Ja, ich habe diese Seite abonniert und werde daher regelmäßig informiert. Es ist gut, dass sich dort Menschen zusammengeschlossen haben, um unser Marketing zu unterstützen. Ich besuche die Seite regelmäßig.

 

Vielen Dank für das Interview, Virginia. Ich wünsche dir im Namen der gesamten 12terMann-Redaktion alles Gute für die Zukunft und für die bevorstehende EM in den Niederlanden.

 

(Das Interview wurde geführt von Edvin Bufi.)

 

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