Von seinen Gegenspielern wird Stefan Ilsanker ob seines Einsatzes und seiner Zweikampfstärke gefürchtet, die Fans lieben ihn dafür. Mit uns spricht der sympathische Leipzig-Legionär über den aktuellen Lauf von RBL, verrät die positiven Eigenschaften von Ralph Hasenhüttl und blickt in eine positive Zukunft im ÖFB-Team.

Stefan, du bist seit knapp zwei Jahren in Leipzig, hast den Aufstieg miterlebt und ihr seid als Team aktuell auf dem Weg zur Vizemeisterschaft. Hand aufs Herz, mit welchen Tabellenregionen habt ihr vor der Saison spekuliert?

Wir haben gar nicht spekuliert, weil es vor der Saison unglaublich schwer zu sagen war, wohin die Reise geht. In der zweiten Liga wollten wir natürlich unbedingt aufsteigen, weil wir alle den Anspruch und das große Ziel Bundesliga hatten. Wir haben mit Emil Forsberg einen Spieler, der bereits Champions League gespielt hat, auch ich habe ja schon dreimal in Folge in der Europa League Erfahrung gesammelt, zudem hatten wir zahlreiche Nationalspieler im Kader. So gesehen war es fast „Pflicht“, dass wir aufsteigen. Jedoch haben wir im Laufe der Saison gemerkt, wie stark und körperbetont die zweite Liga ist, dadurch fiel es uns wirklich schwer abzuschätzen, wie wir uns in der 1. Deutschen Bundesliga machen würden.

Dass wir so einen guten Start erwischen und uns in einen Lauf spielen würden, das war für uns schon etwas überraschend, auch wenn ich wusste, dass wir eine Truppe mit einem super Teamspirit sind.

Mit Salzburg ist dir die Teilnahme an der CL verwehrt geblieben ist, nun wird der Traum der Königsklasse wohl wahr. Beschäftigt man sich damit bereits, oder geht man die Aufgabe erst an, wenn sie ansteht?

Selbst wenn wir uns in den nächsten Spielen für die Champions League qualifizieren sollten, dann ist das bis zur nächsten Saison kein Thema. Natürlich würden wir uns wahnsinnig freuen wenn es klappt, die Königsklasse ist für jeden Fußballer und naürlich auch für uns ein Lebensziel. Es hat bislang wenig Sinn gemacht darüber nachzudenken bzw. zu träumen, denn das wichtigste Spiel, ist immer das nächste. Nach diesem Motto haben wir uns auf diese Saison vorbereitet und genau so gehen wir durch diese Spielzeit. Wir waren für jedes einzelne Spiel top präpariert, haben uns nie irgendwelchen Fantasien hingegeben bzw. uns von außen beeinflussen lassen.

Leipzig hat im Schnitt den jüngsten Kader aller Bundesligamannschaften, hat im Endeffekt keinen großen Star unter Vertrag sondern ihr seid ein perfekt zusammengestelltes Kollektiv. Worin siehst du die Gründe, dass es trotz des jungen Alters für den Verein gleich in der ersten Saison in der 1. Deutschen Bundesliga so überragend läuft?

Ich glaube das hat mehrere Gründe. Die junge Truppe ist extrem hungrig, jeder hat in seiner Karriere noch einiges vor, will noch viel erreichen. Timo Werner hat es beispielsweise als erster RB Leipzig-Spieler in die deutsche Nationalmannschaft geschafft. Ich weiß nicht, ob der Weg über eine andere deutsche oder europäische Mannschaft schneller möglich gewesen wäre. Und dieses Ziel haben noch sehr viele Spieler in unserem Team. Aus diesem Grund arbeiten wir alle fürs Kollektiv, ordnen uns alle dem System unter. Wenn ich sehe, was Marcel Sabitzer Spiel für Spiel arbeitet, rackert und sich in den Dienst der Mannschaft stellt, das funktioniert hier einfach perfekt. Zum Kollektiv gesellt sich dann noch die Einzelqualität der Spieler – ob Naby Keita oder Emil Forsberg, der mit aktuell 17 Torvorlagen womöglich den bisherigen Bestwert in der Bundesliga einstellt. Das Allerwichtigste ist dennoch, dass wir alle an einem Strang ziehen und dass wir immer fürs Team spielen. Es gibt wirklich keinen im Klub, der ein Einzelgeiger oder Soloviolinist ist, wir spielen immer zusammen in einem Orchester.

Mit Ralph Hasenhüttl hat im Sommer ein Österreicher das Traineramt in Leipzig übernommen. Dank seiner akribischen Arbeit scheint er sehr oft des absolute Maximum aus der Mannschaft heraus zu holen. Was sind für dich die positivsten Eigenschaften deines Trainers?

Die aus meiner Sicht wichtigste Charaktereigenschaft von Ralph Hasenhüttl ist jene, dass er sehr gerecht ist. Jeder Spieler, egal ob Stammspieler oder junger U19-Spieler, fühlt sich fair behandelt und wirklich jeder sieht eine Chance, dass er sich präsentieren kann. Zudem ist der Trainer einfach unglaublich penibel, er lebt und liebt den Fußballsport und das überträgt sich auf die Mannschaft. Wenn du als Kicker siehst, dass der Trainer beim Training als erster kommt und als letzter geht, dann darf dieser von dir auch die gleiche Einstellung verlangen.

Sieht man sich die Einsatzstatistik der laufenden Saison an, so hast du deinen Stammplatz sicher. Vor kurzem wurde dein Vertrag in Leipzig verlängert, als Mitgrund wurde deine Flexibilität und dein Kampfgeist genannt. Tatsächlich hast du heuer bereits verschiedene Positionen im Leipziger System bespielt, durftest auch für mehrere Spiele als Rechtsverteidiger ran. Warst du überrascht, als du für die doch unbekannte Position auserwählt wurdest bzw. gab es für dich Anpassungsprobleme.

Natürlich macht man sich in der Woche vor einem Spiel, wo man erfährt, dass man als Rechtsverteidiger eingeplant ist, seine Gedanken. Ich habe vor meinem ersten Spiel die Zusammenarbeit mit unserem Videoanalysten gesucht, um für mich eine perfekte Positionierung im Ballbesitz bzw. im gegnerischen Ballbesitz zu finden. Selbstverständlich musste ich mich auch mit den Aufgaben eines Außenverteidigers auseinandersetzen – man bekommt zwar im Spiel, im Fernsehen und bei Videoanalysen mit, was ein Außenverteidiger leisten muss, doch die Aufgabe selbst zu bekleiden bzw. zu erfüllen, das ist wieder etwas ganz anderes. Ich habe das als Herausforderung gesehen und wollte die Aufgabe so gut wie möglich meistern und ich glaube, mir ist es ganz gut gelungen.

Auf deiner Facebook-Seite sieht man dich des Öfteren mit einer Maske im Gesicht bei diversen Konditionsübungen. Kannst du uns kurz verraten, was es mit dieser speziellen Art des Trainings auf sich hat?

In erster Linie versuche ich immer, das Maximum aus meinem Körper rauszuholen. Bezüglich Technik und Taktik sind die meisten Spieler von der dritten bis zur ersten Liga auf sehr ähnlichem Niveau, somit entscheiden bei Duellen zumeist Kleinigkeiten und ich möchte den anderen hier immer einen Schritt voraus sein. Mit der „Phantom-Trainings-Mask“ habe ich die Möglichkeit, die Atemmuskulatur extra zu stimulieren und zu stärken und dies bringt über die ganze Saison einfach immense Vorteile, weil der Körper mehr Sauerstoff aufnehmen kann und man als Spieler besser atmet.

Es bringt mir einfach einen Vorteil und aus diesem Grund nutze ich diese Art des Trainings. Ich bin auch nicht der einzige, der diese Maske verwendet, auch beispielsweise Arturo Vidal bereitet sich damit auf die Saison vor.

RB ist für die Stadt Leipzig und für die Region mittlerweile ein wichtiger Arbeitgeber aber auch ein Identifikationsfaktor geworden. Zudem bildet man – auch in der Akademie – viele junge Spieler aus und integriert diese in die erste Mannschaft. Somit gibt es zahlreiche positive Aspekte, die für den Verein sprechen. Dennoch weht RBL in Deutschland eine steife Brise entgegen. Wie geht man als Fußballer damit um bzw. nimmt man wüste Beschimpfungen überhaupt noch wahr?

Ich persönlich nehme deine Schilderungen jetzt gar nicht so wahr. Wir wollen einfach nur geilen Fußball spielen und die Leute mit unserem Auftreten neben und auf dem Platz damit begeistern. Das Drumherum wird mittlerweile immer positiver, auch in den gegnerischen Stadien werden wir freundlicher empfangen, die bundesweite Akzeptanz steig kontinuierlich. Ich glaube das liegt auch daran, dass die Fans sehen, dass wir mit Freude und Hingabe Fußball spielen. Auch unsere eigene Fankultur wächst stetig, ist immer positiv und fair und ich denke, dies kommt in Deutschland immer besser an.

Du hast in einem deiner letzten Interviews anklingen lassen, dass die englische Premier League dein Traumziel ist. Gibt es irgendeinen Verein, der dich besonders reizen würde bzw. was sagt dir am englischen Fußball zu?

Mir imponiert die Fußballkultur in England. Die Engländer leben den Sport, da wird teilweise das ganze Geld in eine Dauerkarte gesteckt, man folgt dem Team auch zu den Auswärtsspielen. Auch die Stadien, die bis zum Spielfeldrand mit Sitzen bestückt sind, es gibt keine Netze, keine Gräben, der Fußball ist dort einfach heilig. Für mich ist das nochmal eine eigene Welt und ich möchte dort unbedingt irgendwann einmal spielen, allein schon wegen der Fans von Liverpool, wo ich jedes Mal die Gänsehaut bekomme, wenn ich „You will never walk alone“ höre.

Kommen wir am Ende des Interviews noch schnell aufs Nationalteam. Im Juni kommt es zum Duell gegen Irland, ein Sieg ist Pflicht, um weiterhin im Rennen um die WM-Teilnahme zu bleiben. Leider bist du nicht mit von der Partie. Was stimmt dich positiv, dass die Qualifikation für Russland noch gelingt?

Doch, doch, ich bin schon mit von der Partie, nur leider halt nicht am Platz. Aber für Marko Arnautovic und mich war sofort klar, dass wir beide in Dublin dabei sein wollen. Zwar werden wir nicht als Spieler in Irland sein, aber als Motivator bzw. Fan sind wir sicher vor Ort.

Bezüglich der Chancen: Wir haben alles noch selbst in der Hand, brauchen Punkte und Siege. Wenn wir die letzten Spiele anschauen, dann haben wir zwar nicht mehr so gut agiert wie in der letzten Qualifikation, aber dennoch trügen die Ergebnisse ein wenig, da wir in den Spielen immer die aktivere Mannschaft waren und im Endeffekt mehr Punkte verdient hätten. Die fehlenden Punkte müssen wir nun in den kommenden Spielen holen. Wir haben ein fantastisches und hungriges Team und wir wollen alle unbedingt nach Russland – und wir werden das auch erreichen!.

Stefan, vielen Dank für das nette Interview.

Sehr gerne.

 

(Das Interview wurde am 19. April 2017 von Christian Semmelrock geführt)

 

 

 

 

 

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